Podiumsdiskussion mit den Kommunalwahl-Kandidaten
Bündnis mischt die Wahl auf

Heek/Nienborg -

Obwohl Ratswahlen in Heek seit 70 Jahren einen eher überschaubaren Spannungsfaktor bieten, war das Dinkelstadion am Dienstagabend bis auf den letzten Platz gefüllt: Gut 250 Bürger wollten dabei sein, wenn sich die drei am 13. September zur Wahl stehenden Gruppierungen bei einer Podiumsdiskussion vorstellen.

Mittwoch, 19.08.2020, 17:28 Uhr
Mehr als zwei Stunden lang stellten Dinkelbündnis, SPD und CDU (v.l.) ihre Vorstellungen für die Kommunalpolitik in Heek vor.
Mehr als zwei Stunden lang stellten Dinkelbündnis, SPD und CDU (v.l.) ihre Vorstellungen für die Kommunalpolitik in Heek vor. Foto: Bernd Schäfer

„So viele Zuhörer haben wir in den letzten fünf Jahren zusammen nicht in den Ratssitzungen gehabt“, staunte da selbst der CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Walter Niemeyer, der die Ortsunion gemeinsam mit Markus Jasper vertrat. Die CDU sei tief in der Gemeinde verwurzelt, stellte das Duo in seinem Eingangsstatement selbstbewusst fest. „Unser Wahlprogramm ist kein Sammelsurium von Allgemeinplätzen, wir benennen konkrete Punkte, die wir umsetzen wollen.“

Unser Wahlprogramm ist kein Sammelsurium von Allgemeinplätzen.

Walter Niemeyer, CDU

Für die ewige Oppositionsfraktion stellten sich die stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Hermann-Josef Schepers und Matthias Alfert der von Radiomoderator Steve Ridder geleiteten Diskussion und warben zum Auftakt für ihren Slogan „Gemeinwohl vor Klientelpolitik“. Genau die warfen sie der CDU vor: „Die Mehrheitspartei macht häufig Politik nach Gutsherrenart“, kritisierte Schepers den politischen Gegner.

„Rookies“ in der Parteienlandschaft

Für die „Rookies“ in der Heeker Parteienlandschaft, das Dinkelbündnis, stellten sich Prof. Dr. Berthold Wigger und Pia Leusing dem Vergleich. Dem aktuellen Rat fehle die Vielfalt, etwa bei der Alters- oder Geschlechterstruktur, bemängelte Pia Leusing. Außerdem sei die Mehrheitsfindung bei Ratssitzungen derzeit „wie ein Fußballspiel, bei dem vorher schon klar ist, wer gewinnt“. Dieses ungleiche schwarz-rote Verhältnis wolle das Dinkelbündnis aufbrechen: „Wir wollen eine Alternative sein.“

Die Mehrheitspartei macht häufig Politik nach Gutsherrenart.

Hermann-Josef Schepers, SPD

„Es ist ein Problem, dass über Jahrzehnte Entscheidungen immer auf die gleiche Art gefällt wurden“, schlug Prof. Wigger in die gleiche Kerbe – die Markus Jasper mit dem Verweis auf die Sitzverteilung im Rat konterte: „15 von 28 Stimmen haben eben immer eine Mehrheit – das wird auch nach der Wahl so sein.“ Später setzte er hinzu: „Am Ende des Tages muss man Entscheidungen treffen, damit Themen vom Tisch kommen und neue Sachen angegangen werden können.“

Dominanz nicht dramatisch

Außerdem sei die CDU-Dominanz gar nicht so dramatisch: „95 bis 98 Prozent der Abstimmungen gehen einstimmig aus.“ Das werde sich auch nicht ändern, wenn das Dinkelbündnis als dritte Fraktion in den Rat einzieht, prognostizierte Prof. Wigger. „Auch mit uns wird es so sein, dass 95 Prozent der Entscheidungen einstimmig fallen.“ Er versprach jedoch auch: „Aber über die verbleibenden fünf Prozent soll mehr diskutiert werden.“

Ratssitzungen sind derzeit wie ein Fußballspiel, bei dem vorher schon klar ist, wer gewinnt.

Pia Leusing, Dinkelbündnis

Mehr Gesprächsbereitschaft wünschte sich auch Matthias Alfert, dem es so vorkam, als ob die Union früher kompromissbereiter gewesen sei. „Heute kommt mir das nicht mehr so vor.“

Im Verlauf des Abends durfte sich jede Gruppierung zu jeweils vier von insgesamt zwölf Themengebieten äußern, etwa „Arbeit“, „Umwelt“, Schule & Bildung“, oder „Ordnung & Sicherheit“. Nicht immer blieben die (zukünftigen) Lokalpolitiker dabei innerhalb der thematischen Grenzen, etwa als Prof. Wigger beim Punkt „Umwelt“ aus dem Nähkästchen plauderte, dass er zwar erst seit Kurzem wieder in Heek lebe, aber nicht vorhabe, so bald wieder wegzugehen.

Mehr Transparenz

Den meisten Gesprächsstoff bot neben der CDU-Dominanz der Punkt Bauen und Wohnen in der Gemeinde. Bei der Vergabepraxis für Gewerbegrundstücke, für die sich die SPD mehr Transparenz wünscht, durfte natürlich der Sozi-Seitenhieb auf die von der CDU verhinderte Opwoco-Ansiedlung nicht fehlen. Für Wohnbebauung stünden demnächst rund 14 Hektar zur Verfügung (sechs in Heek, acht in Nienborg), berichtete Matthias Alfert von den aktuellen Vorbereitungen. Dennoch forderte Hermann-Josef Schepers eine stärkere Konzentration auf „intelligente Ansätze“ zur Verdichtung in den Ortskernen. Walter Niemeyer ergänzte, dass Pläne vorangetrieben würden, das ehemalige Spielfeld fünf des Dinkelstadions zu bebauen – unter anderem mit seniorengerechten Wohnungen.

Gegen 21 Uhr durfte jede Gruppierung ein kurzes Schlussstatement abgeben. „Ich glaube, das ist die spannendste Kommunalwahl, die Heek je erlebt hat“, sieht Matthias Alfert zum ersten Mal die Chance, die absolute Mehrheit zu ändern.

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