Gisela Sendfeld will eine Kombination aus klassischer Trauerarbeit und handwerklichem Arbeiten anbieten
Vor dem Mut machen muss sie Mut haben

Nienborg -

Eigentlich war Gisela Sendfeld aus Wessum auf der Suche nach einer neuen Wohnung, als sie durch Zufall und private Kontakte auf eine alte Schreinerei im Schatten der Burg in Nienborg stieß.

Dienstag, 17.11.2020, 22:34 Uhr
Gisela Sendfeld will in Corona-Zeiten Mut machen.
Gisela Sendfeld will in Corona-Zeiten Mut machen. Foto: privat

Es sei wohl Liebe auf den ersten Blick gewesen, sagt sie. Eine, die plötzlich ein neues Projekt in ihr reifen ließ: Die Idee von einer „Mut-Mach-Werkstatt“.

Daraus ist ein konkretes Projekt geworden: In dem alten Gemäuer findet ab Januar eine Kombination aus klassischer Trauerarbeit und handwerklichem Arbeiten statt, sozusagen die Fortsetzung der Trauerarbeit. Mit Hand und Herz. Nach dem Umbau bietet die Schreinerwerkstatt genügend Raum für gemeinsames Töpfern oder das Bemalen von Keramik zum Beispiel, aber natürlich vor allem für Gespräche und Emotionen.

​Vorher musste einige Überzeugungsarbeit geleistet werden. Vor allem bei ihr selbst. Auf dem Heimweg vom Arbeitsplatz bei einem Bestatter in Gronau kam es ihr in den Kopf: „Wie soll ich das bloß alles stemmen?“ Schließlich war auch der Eigentümer, Bauunternehmer Hajo Elsbernd , sich zuerst unschlüssig, was er von dem Sendfeld-Projekt halten soll.

Eigener Mutmacher

Der hatte den Gebäudekomplex, zu dem neben einem Wohnhaus auch die besagte Werkstatt gehört, gekauft und eine neue Nutzung angestrebt. Und erneut fügten sich die Dinge: In der Zeitung stieß sie auf eine kleine Anzeige, in der Unterstützung für kreative Ideen angeboten wurde. Gisela Sendfeld bewarb sich und bekam den „Zuschlag“. Der Sponsor, der sie und ihr Vorhaben seitdem ideell und finanziell unterstützt, möchte allerdings im Hintergrund bleiben. Für Gisela Sendfeld ist es ihr Mutmacher.

Diese außergewöhnliche Unterstützung hat auch Hajo Elsbernd überzeugt, ab 1. Januar ist er ihr Vermieter. „Er nimmt während der Bauphase sehr viel Rücksicht auf meine Wünsche“, sagt Gisela Sendfeld. Noch steckt man aber noch mitten in der Sanierung des Gebäudes. Klar ist aber, dass man bei der Einrichtung bewusst auf Nachhaltigkeit setzt. Auf gebrauchtes Mobiliar. „Mit Patina, ganz wie die Lebensgeschichten der Menschen“, sagt Gisela Sendfeld.

Wird wieder andere Zeiten geben

​Warum aber eine „Mut-Mach-Werkstatt“? Und das ausgerechnet in Zeiten von Corona? Dazu gehört schließlich auch Mut. „Ich weiß, dass ich da ein Exot bin, aber es wird auch wieder andere Zeiten geben, und ich glaube fest an das Morgen“, sagt die 56-Jährige.

Aus ihrer Erfahrung als Trauerbegleiterin weiß sie, dass es den Trauernden gut tut, wenn sie in die Aktion gehen. Und so wird die „Handarbeit“ einen wichtigen Teil in der „Mut-Mach-Werkstatt“ bekommen. Ein zusätzliches Puzzleteilchen auf dem Weg zurück ins Leben.

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