Theo Franzbach holt Gedicht aus den 1990er-Jahren wieder ans Licht
Liebesgrüße an Nienborg

Nienborg -

Eigentlich waren die Zeilen schon tief in der Versenkung verschwunden – und mit ihnen die Namen ihrer Verfasser, Günter und Helga Mülders.

Freitag, 27.11.2020, 18:42 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 17:35 Uhr
Günter Mülders
Günter Mülders Foto: Bernd Schäfer

Vor 27 Jahren gab das Ehepaar, das damals in Nienborg wohnte, seiner Liebe zu der Dinkelgemeinde in einem Gedicht Ausdruck – das sogar im Rathaus- und Heimatspiegel veröffentlicht wurde.

„Wir sind an der Autobahnbrücke spazieren gegangen und haben von dort aus über die Häuser geschaut – da ist mir das in den Sinn gekommen“, erinnert sich Günter Mülders an den Augenblick, in dem die Idee zu der Ode an Nienborg entstand. Das dichterische Talent habe er wohl von seinem Vater geerbt, vermutet der gebürtige Kevelaerer, der mittlerweile in Metelen lebt.

Im Kulturgut-Stapel

Wiederentdeckt wurden die Zeilen, als Theo Franzbach und Hubert Steinweg im Haus Hugenroth bei der Vorbereitung zu einer Ausstellung Stapel von lokalem Kulturgut sichteten, die Heimatfreunde in vielen Jahren zusammengetragen haben.

Mit Hilfe seiner sorgfältig geführten Liste von im Rathausspiegel erschienenen Artikeln konnte Franzbach zwar das Erscheinungsdatum (1993, 35. Ausgabe, Seite 1534) ermitteln, die Auflösung der nur mit „ G. + H. Mülders“ abgekürzten Autoren erforderte dann allerdings echten Spürsinn.

„Das ist schon ein bisschen Detektivarbeit“, schmunzelt Theo Franzbach. „Einige Spuren führten auch einfach ins Leere.“ Dennoch blieb er immer weiter am Ball, schließlich hatte die Suche ja durchaus auch ihre guten Seiten: „Man bleibt mit den Leuten im Gespräch.“

Hilfreiche Info

Heinz Schaten, der langjährige Redakteur des Rathaus- und Heimatspiegels, erinnerte sich zwar an das Gedicht, konnte jedoch über weitere Details der Veröffentlichung keine Angaben machen.

Hermann Lütke Wissing vermutete, dass um 1990 eine Familie Mülders Achter de Stadt in Nienborg wohnte. Ulla Vinkelau ermittelte, dass ein G. Mülders, nämlich Günter Mülders, als Schiedsrichter bei Rot-Weiß Nienborg tätig war. Sie war es auch, die wusste, dass die Familie aus Metelen stammte und wieder dorthin zurückgezogen sein soll.

Diese Info erwies sich als hilfreich – der Metelener Heimatvereins-Kollege Josef Fleige wusste mit dem Namen etwas anzufangen: „Klar, den kenne ich!“ Kein Wunder, schließlich ist Günter Mülders seit 20 Jahren Mitglied im Metelener Heimatverein.

„Ich war echt überrascht“, sagt der Verfasser des Gedichts über den Moment, als er Theo Franzbach am Telefon hatte und der ihn auf die Nienborg-Zeilen ansprach. Und natürlich auch erfreut, dass sie nach 27 Jahren wieder jemand lesen kann: Eine Abschrift des Gedichts ist Teil der Ausstellung mit Nienborger Heimatmotiven im Haus Hugenroth.

 

Nienborg an der Dinkel

Wie schlägt mein Herz in Leib und Treu,

seh ich die Kirchturmspitzen

von Nienborg über uns aufs neu

in Gottes Sonnes blitzen!

 

Frisch wie der erste Morgentau,

schmuck wie die blühende Heide.

Ich grüße dich, mein Heimatau,

du Trost- und Augenweide!

 

Vom fernen blauen Himmelsrand

die Tannenwälder grüßen

durch Pappeln rauscht am Waldesrand

die Dinkel dir zu Füßen!

 

Wenn wieder klingt das ganze Holz

vom Nachtigallenliede,

und glücklich schreit ich und stolz

durch deine Erlenriede!

 

Und über weite Plätze dann

und durch vertraute Gassen,

wie man woanders wohnen kann,

ich kanns fürwahr nicht fassen!

 

ins Auge hab ich dir geschaut,

du Dorf im Münsterlande,

du bist für ich wie eine Braut,

die ich nur lieb alleine!

 

Wer da auf Freiersfüßen steht

und bliebt ein Junggeselle,

den weist, wenn er zum Himmel geht,

St. Petrus von der Schwelle!

 

Drum reich von fern ich dir die Hand

du liebes Dorf im Münsterland,

Nienborg an der Dinkel.

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