Anlage soll ins Gewerbegebiet Heek-West
Gemeinde Heek will Klärschlamm verwerten

Heek -

Klärschlamm wird in der Regel entsorgt, sprich verbrannt. Das kostet Geld. Die Gemeinde Heek will den Spieß umdrehen und den bisherigen Abfall verwerten. Das soll zum Nutzen aller Heeker sein.

Freitag, 15.01.2021, 17:44 Uhr aktualisiert: 15.01.2021, 18:04 Uhr
800 bis 1000 Tonnen Klärschlamm werden jährlich in der Kläranlage in Wichum produziert.
800 bis 1000 Tonnen Klärschlamm werden jährlich in der Kläranlage in Wichum produziert. Foto: Sarah Vortkamp

Rund zwei Jahre liefen die Planungen unter dem Radar. Jetzt geht die Verwaltung in die Offensive und berichtet über ein Projekt, das im Gewerbegebiet Heek-West entstehen soll: Am äußersten Rand des Areals ist der Bau einer Klärschlamm-Verwertungsanlage (KVA) geplant.

Im Klärwerk in Wichum wird das Abwasser der Dinkelgemeinde gereinigt und aufbereitet. Zurück bleibt dort sogenannter Klärschlamm. Eine Masse, für deren Entsorgung die Gemeinde jedes Jahr eine Stange Geld in die Hand nehmen muss.

Pro Tonne Klärschlammentsorgung werden je nach ausgehandeltem Vertrag 60 bis 100 Euro fällig. Zwischen 800 und 1000 Tonnen fallen pro Jahr im Klärwerk in Wichum an. Bald soll dieser Abfall verwertet statt entsorgt werden. Verantwortlich für Realisierung und Betrieb der KVA wird die Projektgesellschaft für Energiegewinnung und Materialrecycling (GEM) aus Rinteln sein.

Über Kosten und das Finanzierungskonzept werden zum derzeitigen Planungsstand allerdings noch keine Angaben gemacht. Bürgermeister Franz-Josef Weilinghoff sieht in der geplanten Anlage großes Potenzial – für die Umwelt, unter anderem in Form von CO-Reduzierung sowie Rohstoffrückgewinnung, die Gemeindekasse und den Geldbeutel eines jeden Heekers.

Für die Gemeinde soll nämlich neben dem Verkauf des Grundstücks, der Gewerbesteuer und Arbeitsplätzen vor allem eines herausspringen: eine auf Dauer kostenlose Entsorgung des eigenen Klärschlamms. Ein hoher fünfstelliger Betrag könnte so im Jahr eingespart werden.

„Mit der Anlage wollen wir dafür Sorge tragen, dass sich die Abwassergebühren in den kommenden Jahren nicht erhöhen werden“, stellt der Bürgermeister klar.

Mit Blick auf den Verwertungsstart berichtet Hans-Werner Bieder, geschäftsführender GEM-Gesellschafter: „Bei einem optimalen Verlauf könnte die Anlage im dritten oder vierten Quartal 2022 im Vollbetrieb sein.“

Doch bis dahin gilt es noch, einige Hürden zu nehmen. Allen voran ist die Genehmigung durch die Bezirksregierung Münster notwendig. Und auch der Rat muss noch grünes Licht geben. In den entsprechenden Ausschüssen war die KAV schon Thema in den nicht öffentlichen Teilen.

In der Anlage werden aus entwässertem Klärschlamm Wertstoffe gewonnen, zum Beispiel Phosphor. Das chemische Element kommt zwar relativ häufig auf der Erde vor, doch die Ressource ist endlich. Der Verkauf der zurückgewonnenen Rohstoffe liegt in der Hand von GEM. Die Anlage sei, so Bieder, mit Blick auf den Strombedarf zudem autark.

Der Verwertungsprozess auf der 3000 Quadratmeter großen Anlage soll unterirdisch ablaufen. Lkw liefern den Klärschlamm an und kippen diesen in einen Annahmebunker, der sich in einer Halle befindet. Der Bunker selbst soll laut GEM mit einem hydraulischen Deckel stets verschlossen und nur für die Anlieferung geöffnet sein. Zudem liege die KVA gut einen Kilometer Luftlinie von der nächsten Bebauung entfernt.

Bei den Vorteilen der KVA gehört aber auch die Tatsache dazu, dass die GEM eine Vollauslastung der Anlage, also 17 000 Tonnen Klärschlammverarbeitung pro Jahr, anstrebt. Somit ist klar, dass 16 000 Tonnen von außerhalb kommen.

Das soll laut Hans-Werner Bieder über einen externen Dienstleister laufen. Er rechnet durchschnittlich mit vier Lkw-Anlieferungen pro Tag. Woher der Klärschlamm kommen wird, könne er nicht sagen. Aber: „Es wäre natürlich wünschenswert, wenn sich Nachbarkommunen oder welche aus der Region bei uns melden würden. So könnten die Transportwege kurz gehalten werden.“

Trotz aller Innovation bleibt am Ende des Verwertungsprozesses doch noch etwas übrig: Kondensat. Das soll laut Planung wieder dem Klärwerk in Wichum zugeführt werden.

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