Birgit Wüsten (Dinkelbündnis)
„Ich brenne für die Sache“

Heek/Nienborg -

Dass ihre politische Karriere so steil verlaufen würde, damit hatte Birgit Wüsten nicht gerechnet. Schließlich war eine Ratskandidatur für das Dinkelbündnis vor der Kommunalwahl im vergangenen Herbst nicht gerade ein Garantieschein dafür, auch wirklich politische Verantwortung in der Gemeinde übernehmen zu können.

Mittwoch, 03.02.2021, 19:44 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 19:50 Uhr
Birgit Wüsten
Birgit Wüsten Foto: privat

„Dass wir am Ende elf Sitze haben, das hat uns selbst überrascht“, blickt die 56-Jährige auf den geradezu spektakulären Wahlausgang zurück. Genauso viele Ratsmandate wie der ewige Platzhirsch CDU , damit hatte niemand gerechnet. Eines davon hat Birgit Wüsten . Und mehr noch: Bei der ersten Sitzung der neu gewählten Gemeindevertretung wurde sie gleich auch noch zur zweiten stellvertretenden Bürgermeisterin gewählt. „Das war so nicht geplant“, lacht die Ratsfrau.

Vor allem, da sie ja gleich Handicaps mitgebracht habe: „Ich bin eine Frau und ich bin zugezogen – also quasi mit Migrationshintergrund.“ Im gleichen Atemzug versichert sie aber auch: „Ich habe da ganz viel Lust drauf, ich brenne für die Sache.“

Unbelastet

Vor sieben Jahren ist die gebürtige Rheinländerin nach Heek gezogen. „Ich fand das Münsterland schon immer ganz toll. Hier wohne ich direkt an den Dinkelwiesen, das ist einfach nur schön.“

Dass sie keine ellenlange Heeker Ahnenreihe aufweisen kann, sieht sie nicht als Nachteil. „Es ist eine Chance, weil man unbelastet ist und neue Ideen entwickeln kann.“ Manchmal habe sie schon den Eindruck, dass in der Dinkelgemeinde alles etwas starr ist. „Da ist es auch mal gut, dass da jemand Frisches reinkommt“, schmunzelt sie.

Weil sie als Zugezogene das komplexe gesellschaftliche Geflecht in Heek und Nienborg nicht bis ins kleinste Detail kennt, sei sie hin und wieder etwas „unbedarft": „Ich weiß ja nicht, wem ich womit auf die Füße trete.“ Aber gerade für die politische Arbeit habe diese Unvoreingenommenheit auch ihre positiven Seiten.

„Flüsterkanäle“

Wobei sie das nicht als Pauschalkritik an den anderen Ratsfraktionen verstanden haben will. „Uns wird immer unterstellt, wir wollten alles auf den Kopf stellen. Das wollen wir nicht – und wir behaupten ja auch gar nicht, dass alles schlecht war, was die Politik in den vergangenen Jahren hier gemacht hat.“

Aus ihrer Erfahrung in Ehrenämtern – unter anderem als Geschäftsführerin des Reitvereins – und ihrem Beruf als Koordinatorin für die Offene Ganztagsschule hat sie für sich festgestellt: „Wenn man was bewegen will, muss man sich politisch engagieren.“ Allerdings hätte sie sich in der SPD oder der CDU nicht aufgehoben gefühlt. Als sie dann über „Flüsterkanäle“ von der bevorstehenden Gründung des Dinkelbündnisses erfuhr, fiel schnell die Entscheidung, dort mitzumachen.

Gelegenheit, ihr Amt als stellvertretende Bürgermeisterin wahrzunehmen, hatte sie noch keine, die Corona-Vorschriften verhindern seit ihrer Wahl mögliche repräsentative Einsätze.

Das bedauert Birgit Wüsten natürlich, andererseits gebe die Zwangspause ihr die Möglichkeit, sich intensiv in die Lokalpolitik einzuarbeiten. „Ich will alles genau wissen, ich recherchiere sehr viel. Das ist sehr zeitaufwendig.“

Dass Sitzungen und Gesprächsrunden ausfallen, sei dennoch sehr schade. Auch weil dadurch die Gelegenheit fehlt, sich mit den politischen Gegnern auszutauschen. „Ich habe im Moment den Eindruck, dass wir uns noch im Wahlkampf befinden und sich die anderen von uns angegriffen fühlen.“

Das werde sich mit der Zeit legen, hofft sie. Und nimmt sich dabei auch selbst in die Verantwortung. „Wir sind alle neu und unerfahren – da passieren bestimmt auch mal Fehler.“

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