Nienborger Feuerwehr war im Schneegestöber als Caritas-Taxi im Einsatz
In der Neustraße war Schluss

Nienborg -

Nichts geht mehr. Weder vor noch zurück. Die Schneemassen kennen kein Pardon. Der Pkw von Birgit Linnemann steckt fest. Es ist früher Sonntagmorgen, die examinierte Altenpflegerin mit palliativem Schwerpunkt ist für die Mobile Pflege der Caritas in Heek im Einsatz. Die Patienten warten.

Dienstag, 09.02.2021, 16:56 Uhr
Ohne die Hilfe der Feuerwehr hätte Birgit Linnemann
Ohne die Hilfe der Feuerwehr hätte Birgit Linnemann Foto: privat

„Einfach die Tour ausfallen zu lassen, das geht nicht. Die Patienten brauchen uns. Das war schon Stress. Aber es war klar: Irgendwie muss ich weiterkommen“, schildert Birgit Linnemann die Situation.

Glück im Unglück: Ein Bekannter, den die Altenpflegerin zufällig vor Ort trifft, hat eine Idee. Er ruft den Löschzug Nienborg der Freiwilligen Feuerwehr an. Wenig später rücken fünf Wehrkameraden mit einem Einsatzfahrzeug und Blaulicht aus, um Birgit Linnemann aus der misslichen Lage zu befreien.

Um 5.45 Uhr war Birgit Linnemann zu ihrer Tour gestartet. Nur mit tatkräftiger Hilfe ihres Sohnes Louis schaffte sie es überhaupt, das Auto in Bewegung zu setzen. „Er hat alles freigeschaufelt und ist samt Schaufel mitgefahren. Ohne ihn wäre ich gar nicht weggekommen.“

Endgültig festgesteckt

​Mehrmals bleiben die beiden auf dem Weg zum ersten Patienten in den Schneemassen stecken. Jedes Mal schaffen sie es, den Wagen wieder freizubekommen. Doch auf dem Weg zum zweiten Patienten ist dann Schluss. In der Neustraße geht nichts mehr. Der Wagen steckt endgültig fest.

Doch die Rettung naht mit Blaulicht. Der Löschzug Nienborg ist unter dem Einsatzstichwort „Technische Hilfeleistung klein“ ausgerückt. „Ich bin von einem Bekannten angerufen worden“, so Löschzugführer Reinhard Gesenhues . Die Option, privat zu helfen, habe er schnell verworfen. „Ich habe mich dann für einen kleinen Einsatz entschieden.“

​Dabei sei bewusst das Einsatzfahrzeug gewählt worden, das im Falle eines weiteren Einsatzes am ehesten zu entbehren gewesen wäre. Zunächst wurde Birgit Linnemanns Auto zur Seite geschoben, damit es nicht den Räum- und Streufahrzeugen vom Bauhof im Weg steht. Und dann ging es los.

Feuerwehr-Taxi

„Das war einfach unglaublich, einfach klasse“, blickt Birgit Linnemann zurück. Die Wehrkameraden hatten einfach kurzerhand entschlossen, die Altenpflegerin zu all ihren Patienten zu fahren. Geboren war das Feuerwehr-Taxi. „Es war ja absehbar, dass sie sich bei dem Wetter noch einmal festfahren würde“, so Reinhard Gesenhues.

​Und so kämpfte sich das Einsatzfahrzeug mit Birgit Linnemann durch die Schneemassen. „Alle dringlichen Patienten konnten wir so anfahren. Es war einfach Wahnsinn“, ist die Altenpflegerin hörbar beeindruckt von der Hilfe. Nach dem Ende ihrer Tour gegen 11 Uhr brachten die Wehrkameraden sie sogar noch sicher nach Hause. „Für uns war das eine Selbstverständlichkeit“, stellt der Nienborger Löschzugführer klar. „Wir helfen da, wo wir gebraucht werden.“ Und darum hat der Nienborger Löschzug Birgit Linnemann und allen vom Caritas-Team zugesichert, weiterhin diesen speziellen Fahrdienst anzubieten, so es die Wetterlage in der Dinkelgemeinde noch mal erforderlich mache.

Zusammenhalt gibt gutes Gefühl

„Ich darf direkt im Feuerwehrgerätehaus anrufen“, freut sich Birgit Linnemann. „Es ist so ein gutes Gefühl, wenn man sieht, wie die Menschen hier zusammenhalten.“ Das zeigte sich im Nachgang auch noch beim Abtransport ihres Autos. Ein weiterer Bekannter schleppte das Auto mit seinem Trecker ab.

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