Fraktionsvorsitzender der Wählergruppe Dinkelbündnis
Bernhard Holtkamp will Erfrischungskur für die Gemeindepolitik

Nienborg/Heek -

Bernhard Holtkamp und Berthold Wigger kennen sich schon seit Kindesbeinen. „Sein Großvater war oft bei uns auf dem Hof und brachte ihn mit – und dann haben wir zusammen gespielt“, erinnert sich Holtkamp an die Zeit vor rund 45 Jahren. Jetzt sitzen beide für die Wählergruppe Dinkelbündnis gemeinsam im Gemeinderat.

Freitag, 12.02.2021, 17:19 Uhr
Bernhard Holtkamp ist Ur-Nienborger, war aber trotz einiger Anfragen bis vor Kurzem nie politisch organisiert.
Bernhard Holtkamp ist Ur-Nienborger, war aber trotz einiger Anfragen bis vor Kurzem nie politisch organisiert. Foto: Bernd Schäfer

Später trennten sich ihre Wege der eine blieb in Nienborg, der andere zog in die Welt hinaus und ist heute Professor für Volkswirtschaftslehre. Erst im vergangenen Mai kreuzten sich ihre Wege wieder, als Bernhard Holtkamps Mutter nach der morgendlichen Zeitungslektüre fragte: „Guck mal, der Berthold will hier Bürgermeister werden. Kennst du den noch?“

Natürlich tat er das – und schrieb ihm eine E-Mail. „Seitdem hat sich zwischen uns wieder eine echte Freundschaft entwickelt“, sagt der 53-jährige Ur-Nienborger. Klar, dass dabei auch die Gründung des Dinkelbündnisses zur Sprache kam. Er sei schon vorher immer wieder angesprochen worden, ob er sich nicht in der Gemeinde politisch engagieren wolle, sagt Holtkamp. „Aber ich persönlich habe die Politik hier immer als sehr verkrustet erlebt, es hat mich da nie hin gezogen.“ Bei der Anfrage der Wählergemeinschaft war das offenbar anders – und schnell war auch klar, dass er eine führende Rolle spielen würde. Dass er auch persönlich trotz des coronabedingt verhaltenen Wahlkampfs ein so deutliches Ergebnis einfahren würde, hätte er nicht gedacht. „Ich war über die 56 Prozent der Wählerstimmen in meinem Wahlkreis völlig überrascht.“

Als Chef einer der beiden größten Ratsfraktionen bewegt er sich auf Neuland. Deshalb nehmen er und andere Ratsneulinge seiner Fraktion regelmäßig an Kursen und Fortbildungen von Stiftungen und Akademien teil, die auf die Arbeit in Stadt- und Gemeinderäten vorbereiten. „Ich bin schließlich nicht so blauäugig, zu denken, dass ich die Weisheit gepachtet hätte – da gibt’s natürlich auch eine Lernkurve.“ Dennoch steht für ihn auch fest: „Wir gehen da nicht naiv ran, sondern mit gesundem Menschenverstand. Wenn wir bei etwas zustimmen können, tun wir das. Aber wenn wir eine andere Auffassung haben, sagen wir das auch.“

Dafür ist ihm und seinen Mitstreitern gleich in den ersten Wochen der neuen Ratsperiode schon der eine oder andere heftige Gegenwind um die Ohren geweht. „Dass wir nicht freudestrahlend aufgenommen werden, war uns klar. Aber wir hätten uns schon eine etwas freundlichere Atmosphäre und mehr Zusammenarbeit gewünscht“, hofft er, dass sich das politische Geplänkel mit der Zeit legt und die Fraktionen konstruktiver miteinander arbeiten. Der Weg werde auf jeden Fall spannend. „Wir sind nicht einem Bus zugestiegen, von dem wir wussten, wo er hinfährt. Jetzt sitzen wir selbst mit am Steuer“, freut er sich darauf, die Geschicke seiner Heimatgemeinde mitlenken zu dürfen. Mindestens in den nächsten vier Jahren. Bis zur nächsten Wahl wünscht er sich, die politische Grundstimmung in Richtung mehr Transparenz und Offenheit gesteuert zu haben. „Ob wir dann wiedergewählt werden, ist für mich fast schon zweitrangig. Wichtig ist, dass wir bis dahin etwas positiv verändert haben.“

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