In den vergangenen 100 Jahren verhinderten Wirtschaftslage und Kriege einige Schützenfeste
Spielball der Geschichte

Nienborg -

Aktuell ist es die Corona-Krise, die den Schützenvereinen einen Strich durch die Fest-Rechnung macht. Die ersten für dieses Jahr geplanten Schützenfeste sind bereits abgesagt.

Freitag, 26.02.2021, 19:32 Uhr aktualisiert: 26.02.2021, 19:40 Uhr
1936 fanden Schützenfest und Kirmes zum letzten Mal vor dem Krieg in gewohnter Form statt – kurz darauf wurden die Vereine aufgelöst. Im gleichen Jahr wurde Josef Fabry (r.) Ehrenvorsitzender.
1936 fanden Schützenfest und Kirmes zum letzten Mal vor dem Krieg in gewohnter Form statt – kurz darauf wurden die Vereine aufgelöst. Im gleichen Jahr wurde Josef Fabry (r.) Ehrenvorsitzender. Foto: Martin Mensing

Anfang bis Mitte des vorigen Jahrhunderts hatten die Vereine mit den Kriegswirren und der wirtschaftlich schlechten Lage zu kämpfen. 1921, also vor genau einhundert Jahren, feierte der Allgemeine Bürgerschützenverein Nienborg 1520 sein erstes Schützenfest nach dem Ersten Weltkrieg.

Bedingt durch den von 1914 bis 1918 dauernden Krieg blieb die Tätigkeit im Vereinsleben mehrere Jahre unterbrochen. Am 27. Juni 1920 wurde der Verein neu ins Leben gerufen, Josef Fabry übernahm den Vorsitz. Damals wurde der Beschluss gefasst, zum Schützenfest vom Schützenverein Wext, Wichum, Ammert eine Deputation zu entsenden, wie es auch noch heute guter Brauch ist.

Sieben Häuser abgebrannt

1921 fand erstmalig nach dem Krieg ein Schützenfest statt, das von der gesamten Bevölkerung gefeiert wurde. König wurde Theodor Schulz, der seine Ehefrau Elisabeth Schulz zu seiner Königin nahm. Wegen der Inflation kam das Vereinsleben danach erneut fast zum Erliegen. Nachdem die Deutsche Rentenbank 1923 die Währung wieder stabilisieren konnte, nahm der Verein ein Jahr später seine Tätigkeit wieder auf. Neuer Oberst wurde Bernhard Wigger gt. Lütke-Lembeck. Ihm folgte von 1926 bis 1928 Heinrich Lammers, ehe Lütke-Lembeck bis 1936 das Offizierskorps erneut anführte.

1926 wollte man zuerst von der Feier eines Schützenfestes absehen, da Anfang Juli fünf Häuser in der Hauptstraße und zwei Häuser auf der Burg abgebrannt waren. Da jedoch niemand ums Leben gekommen war, entschloss sich der Verein, das Schützenfest doch zu feiern. In dieser Zeit wurde alljährlich zu den Festen eine Bierzeitung mit dem Festprogramm, Liedertexten und nicht ganz ernst gemeinten Anzeigen erstellt. (Die Beispiele sind aus dem Jahr 1924.) Die Tanzgruppe „Fidelitas“ des Schützenvereins sorgte stets für beste Unterhaltung. Im Sommer 1928 nahm der Verein auch an der Jubiläumsfeier zum 300-jährigen Bestehen der Bürgerschützengilde St. Georgi in Epe teil.

Bescheidenes Jubelfest

Wegen der weiterhin schlechten Wirtschaftslage entschloss sich der Verein, sein 250-jähriges Bestehen im Jahr 1930 ohne größeres Fest zu feiern. Lange wurden die Anfänge des Vereins nämlich auf das Jahr 1680 datiert: Aus dem Jahr stammt das älteste erhaltene silberne Schild der Schützenkette von König Bernardus Hermannus (von) Billerbeck. Erst 1991 fand Heimatforscher Josef Wermert eine Rechnung aus dem Jahr 1520, die belegt, dass schon da ein Schützenfest gefeiert wurde.

Das Jubelfest im Jahr 1930 wurde in der gewohnten Form gefeiert. Hierzu waren die Schützenvereine Callenbeck und Wext, Wichum und Ammert geladen. Jubelkönig wurde Gerhard Fiebach. Königin war seine spätere Ehefrau Ludowika Fiebach, geborene Nacke. In den Folgejahren fertigte der König den Vogel für das Schützenfest an.

Staatstrauer nach Hindenburg-Tod

Das für 1932 geplante Schützenfest fiel wegen der schlechten Wirtschaftslage ganz aus. Stattdessen wurde ein eintägiges Sommerfest am Kirmesmontag gefeiert. Ein Jahr später errang Josef Kötte die Königswürde. Seine Königin war seine zweite Ehefrau Maria Kötte, geborene Albers. Josef Kötte war bereits König im Jahr 1908. Sein Vater hatte dieses Amt 1898 inne. Aufgrund des Todes von Reichspräsident Paul von Hindenburg und der angeordneten Staatstrauer musste das Sommerfest 1934 ausfallen. Die Kirmes konnte allerdings abgehalten werden. Im Jahr 1936 legte Kaufmann Josef Fabry sein Amt als Vorsitzender nieder – er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Zu seinem Nachfolger wurde sein Sohn Kaufmann Franz Fabry gewählt. Neuer Oberst wurde Otto Haase.

Durch Verfügung des Reichssportführers wurden 1936 alle Schützenvereine dem „Deutschen Schützenbund“ im „Reichsbund für Leibesübungen“ eingegliedert. Sämtliche andere Schieß- und Schützenverbände wurden aufgelöst. Der Nienborger Verein wurde dem Verband unter der Nummer 10612 angegliedert. Am 1. Januar 1937 übernahm der „Deutsche Schützenverband“ die Führung der Schützenvereine. Josef Kötte junior wurde die Bildung einer Schießgruppe übertragen. Ein Jahr später errang Franz Fiebach mit 110 Ringen den Titel eines Schützenmeisters.

Letzter Eintrag für zehn Jahre

1938 fand das letzte Schützenfest vor dem ein Jahr später beginnenden Zweiten Weltkrieg statt. Das Königspaar waren August Nacke und seine Ehefrau Maria Nacke, geborene Depenbrock. Die letzte Eintragung im Protokollbuch erfolgte am 21. August 1938. Danach schweigt das Protokollbuch genau zehn Jahre.

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