Heeker SPD macht Vorstoß im Haupt- und Finanzausschuss
Herbert Moritz schlägt Abgabe auf unbebaute Grundstücke vor

Heek/Nienborg -

Die örtliche SPD tut ihm leid. „Die kriegt jetzt den Schwarzen Peter, weil sie das Thema angesprochen hat“, sagt Herbert Moritz und meint damit eine mögliche Einführung der Grundsteuer C, mit der brachliegende, aber eigentlich zur Bebauung freigegeben Grundstücke belastet werden könnten.

Dienstag, 23.03.2021, 19:23 Uhr aktualisiert: 23.03.2021, 19:30 Uhr
Der Heeker Naturschützer Herbert Moritz fordert bei der Bebauungsplanung eine ganz neue Denkweise
Der Heeker Naturschützer Herbert Moritz fordert bei der Bebauungsplanung eine ganz neue Denkweise Foto: Bernd Schlusemann

Die SPD hatte die Abgabe, die frühestens 2025 eingeführt werden dürfte, in der jüngsten Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses als Antrag auf den Tisch gebracht. Um schon einmal „ein klares Signal nach außen“ zu bringen, dass Grundstücke als Renditeobjekte angesichts langer Listen von Bauwilligen in der Gemeinde nicht gerne gesehen seien.

Auch wenn der Antrag ohne Beschluss blieb, hat der beim Nabu-Kreisverband unter anderem für Gewässer- und Landschaftsschutz zuständige Herbert Moritz mitbekommen, dass er im Ort für Aufregung gesorgt hat. Und versucht deshalb zu erklären, warum er auch aus seiner Sicht durchaus sinnvoll ist: Jedes neue Baugebiet bedeute einen massiven Eingriff in die Natur, sorge für weitere Flächenversiegelungen und Veränderungen im Wasserkreislauf, die zum weiteren Absinken des Grundwasserspiegels führten.

Liste könnte abgearbeitet werden

Mit den derzeit in der Gemeinde ungenutzten Baugrundstücken könnte wahrscheinlich locker die komplette Liste der Bauwilligen abgearbeitet werden – ohne ein einziges neues Baugebiet auszuweisen. „Der Flächenfraß ist nicht mehr klima- und gemeinschaftsverträglich“, sieht Moritz in der Praxis, einfach immer neue Baugebiete wie Pfingstfeld und Sanderskamp auszuweisen, eine Gefahr für jüngere Generationen.

Die gerade ein wenig in den Hintergrund gerate: „Durch die Corona-Epidemie redet keiner davon – dabei ist das die größte Bedrohung für die Welt.“ Vor dem Hintergrund des Nutzens einer solchen Abgabe würde sich der Nabu-Experte einen anderen Begriff als zum Beispiel „Strafsteuer“ wünschen – etwa „Klimasteuer“.

Denn: „Das Geld könnte die Kommune für ökologische Maßnahmen einsetzen“, wäre sein Vorschlag. Bei einer angenommenen Zahl von 150 unbebauten Grundstücken und einer jährlichen Steuer von 200 Euro kämen da direkt 30 000 Euro zusammen.

Neue Denkformen

Plus der Einsparungen für den Bau von Infrastruktur. Statt immer wieder neue Systeme zur Ver- und Entsorgung zu bauen, könnten die bestehenden Strukturen saniert werden.

„Wir brauchen neue Denkformen“, findet Herbert Moritz. Gerade im Hinblick auf die Alterung der Gesellschaft. In zehn, 15 Jahren würden viele aus der Generation der „Babyboomer“, die nach und nach ins Rentenalter kommen, ihre großen Häuser auf großen Grundstücken nicht mehr benötigen. Deshalb könnten vielleicht jetzt schon nach dem Vorbild „Jung kauft Alt“ Abmachungen getroffen werden, dass junge Leute in zum Beispiel 15 Jahren ein Haus übernehmen, dessen jetzige Besitzer ihre Wohnsituation dann verkleinern wollen. Und hätten dann 15 Jahre Zeit, genug Geld für den Kauf anzusparen.

Eine komplette Verteufelung von Einfamilienhäusern, wie sie jüngst von den Grünen ins Spiel gebracht worden ist, lehnt Herbert Moritz entschieden ab. „Das ist natürlich Quatsch, gerade hier im Münsterland.“

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