Heeker Unternehmen hatte polnische Werkvertragsarbeiter in Billerbeck untergebracht
FIT fühlt sich zu heftig kritisiert

Heek -

21 Mitarbeiter des Heeker Unternehmens Farm Innovation Team (FIT), das sich auf die Produktion von FFP2-Masken spezialisiert hat, wurden Mitte März positiv auf das Coronavirus getestet. In allen Fällen handelte es sich um Polen, die von FIT mit Werksverträgen ausgestattet worden waren. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat jetzt das Unternehmen kritisiert.

Mittwoch, 31.03.2021, 16:54 Uhr
Im vergangenen Sommer hat die Firma, die eigentlich technische Geräte für die Geflügeltierhaltung liefert, eine Masken-Produktionshalle in Heek eingerichtet.
Im vergangenen Sommer hat die Firma, die eigentlich technische Geräte für die Geflügeltierhaltung liefert, eine Masken-Produktionshalle in Heek eingerichtet. Foto: Bastian Becker

21 Mitarbeiter des Heeker Unternehmens Farm Innovation Team (FIT), das sich auf die Produktion von FFP2-Masken spezialisiert hat, wurden Mitte März positiv auf das Coronavirus getestet. In allen Fällen handelte es sich um Polen, die von FIT mit Werksverträgen ausgestattet worden waren.

Die Polen waren in einem Gebäude in einem Billerbecker Industriegebiet untergebracht. Ohne Sondergenehmigung darf eine solche Immobilie nicht zum Wohnen genutzt werden. Außerdem hätten die Bewohner sich bei der Stadt Billerbeck anmelden müssen.

Marion Dirks , Bürgermeisterin der Stadt Billerbeck, erklärte am Mittwoch: „Wir prüfen derzeit, ob ein Verstoß gegen das Meldegesetz vorliegt. Sollte das der Fall sein, droht dem Unternehmen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren.“

Normalerweise hätte eine sofortige Räumung gedroht, so Dirks. Weil aber bei 21 Bewohnern das Coronavirus nachgewiesen worden war, entschied der Kreis Coesfeld, die Quarantäne abzuwarten. Die obligatorischen 14 Tage sind nun um. „Alle 21 Bewohner konnten aus der Quarantäne entlassen werden“, so die Bürgermeisterin.

Nach Informationen des Kreises Coesfeld befinden sich die Polen wieder in ihrer Heimat. Der Zwangsräumung, die ab dem 4. April gedroht hätte, ist man damit aus dem Weg gegangen.

Für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) ist die Sache damit aber noch nicht erledigt. „Der Kreisverband kann sich nicht vorstellen, dass bei der illegalen Unterbringung von circa 25 polnischen Leiharbeitnehmern die geltenden Gesetze und Verordnungen eingehalten worden sind“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Der DGB-Kreisvorsitzende Ortwin Bickhove-Swiderski fordert die Aufklärung der „ungeheuerlichen Vorgänge zur illegalen Unterbringung“. Gegen die Verantwortlichen müsse „mit aller Härte“ vorgegangen werden. Laut DGB liege der Verdacht nahe, dass auch beim Brandschutz Mängel bestünden.

Der geschäftsführende FIT-Gesellschafter Jens Rudolph räumt einen Fehler ein: „Was wir uns vorzuwerfen haben, ist die Nutzung des Gebäudes als Wohnraum. Das haben wir ein Stück weit zu naiv betrachtet. Wir werden die Konsequenzen akzeptieren.“ Die Kritik an seinem Unternehmen geht ihm aber dennoch deutlich zu weit. „Ich finde es ein Unding, dass wir mit einigen fleischverarbeitenden Betrieben in einen Topf geworfen werden. Eine differenzierte Betrachtung fehlt komplett, stattdessen wird an vielen Stellen vorverurteilt“, so Rudolph.

Es handle sich eben nicht, wie vom DGB behauptet, um polnische Leiharbeiter. „Alle Mitarbeiter hatten Verträge, die ihnen eine Bezahlung deutlich über dem Mindestlohn garantiert haben. Dass nun vom DGB und örtlicher SPD so getan wird, als seien Polen Beschäftigte zweiter Klasse, ist befremdlich. Es widerspricht dem Kern des europäischen Gedankens“, sagt Jens Rudolph.

Zur Unterbringung sagt er: „Die Wohnverhältnisse dort waren sehr gut. Von prekären Bedingungen kann keine Rede sein. Alles war renoviert, es gab genug Sozialräume und Feuermelder in jedem Zimmer.“ Als „Frechheit“ bezeichnet Jens Rudolph den Vorwurf, man habe von den Arbeitern ein sogenanntes Matratzen-Geld bezogen. „Wir haben keine Miete verlangt. Unsere Absicht war es, dass die Mitarbeiter einen höheren Nettolohn haben und ihr Geld nicht für eine Mietwohnung ausgeben müssen.“

Eine Rückkehr gibt es für die Polen nicht. Das Unternehmen hat entschieden, künftig nicht mehr auf Mitarbeiter mit Werksverträgen zu setzen. Konsequenz: Die Produktion, unter anderem von FFP2-Masken, wird bei FIT nicht mehr auf dem alten Niveau ankommen, sondern dauerhaft reduziert.

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