Heeker Georadar-Experten helfen bei Tunnelerkundung in Frankreich
Die Toten behalten ihre Ruhe

Heek/Nienborg -

Der Winterberg-Tunnel im Norden Frankreichs, in dem mehr als 200 deutsche Soldaten im Ersten Weltkrieg ihren Einsatz an der Westfront mit dem Leben bezahlten, war jetzt eine Woche lang Ort einer besonderen Mission:

Montag, 03.05.2021, 18:51 Uhr aktualisiert: 03.05.2021, 19:00 Uhr
Die Ausgrabungsarbeiten wurden durch unzählige Munitionsfunde erschwert. Spezialisten des deutschen und französischen Militärs kümmerten sich um die Entsorgung.
Die Ausgrabungsarbeiten wurden durch unzählige Munitionsfunde erschwert. Spezialisten des deutschen und französischen Militärs kümmerten sich um die Entsorgung. Foto: privat

Unter der Regie des Volksbunds deutsche Kriegsgräberfürsorge wurde der Versuch gestartet, das über 100 Jahre verschüttete dunkle Kapitel deutsch-französischer Vergangenheit zu lüften. Mit dabei waren Mitarbeiter des Heeker Unternehmens Georadar.

Die deutschen Kämpfer hatten unter Artilleriebeschuss der Franzosen in dem Stollen Zuflucht gesucht, als ein Granateneinschlag am 4. Mai 1917 den Zugang verschüttete und damit das Schicksal der Eingeschlossenen besiegelte. Deren schreckliches Ende, aber auch der „Tunnel der Toten“, wie er in der Nachbarschaft des Orts hieß, geriet in Vergessenheit.

Jede Menge Waffen und Munition

Bis es vor rund zwei Jahren durch Hobbyforscher erste Hinweise auf den Zugang gab und der Volksbund tätig wurde. Und Winfried Leusbrock mit seiner Firma Georadar. Schon im Juni vergangenen Jahres hatte Leusbrock sich einen Überblick über den Einsatzort verschafft und die entsprechenden Vorbereitungen getroffen. Schließlich musste das Team damit rechnen, dass noch jede Menge Waffen, Munition, vielleicht sogar Giftgas dort lagern. Mit Unterstützung von deutschem und französischem Militär sowie Beteiligung örtlicher und staatlicher Behörden begann der Weg in den Untergrund. Immer wieder mussten die Arbeiten gestoppt werden, wenn mal wieder eine Granate im Weg lag und erst geräumt werden musste. Der Zugang konnte schließlich mit dem Bagger freigelegt werden. Nicht geklappt hat dann aber der Versuch, mit einem Bohrer in den größeren der beiden Hohlräume, die entdeckt wurden, vorzustoßen. So aber sei auch klar geworden, dass ein vermuteter Grabräuber, der behauptet hatte, das Tunnel-Innere betreten zu haben, das niemals geschafft haben konnte.

Totenruhe wird dauerhaft gewahrt

Auch das hat wohl zu der nüchternen Erkenntnis beigetragen, die Thomas Schock vom Volksbund so formuliert: „Die Grablage ist nicht gefährdet.“ Heißt: Der Zugang bleibt verschlossen, wird nochmal zusätzlich gesichert, und die Totenruhe wird dauerhaft gewahrt.

In Abstimmung mit den französischen Gedenken soll demnächst eine Gedenkstätte die Vergangenheit festhalten. „Wir kennen alle Namen der Toten, die auf einer Tafel dann zu lesen sein werden.“ Eine neue historische Erkenntnis sei durch eine Öffnung des Stollens nicht mehr zu erzielen gewesen.

Vielleicht hätten nachfolgende Generationen eine andere Einschätzung, das sei dann aber auch ihr Auftrag, andere Entscheidungen zu treffen. Schock vermutet, dass die Gedenkstätte Winterberg-Tunnel demnächst sogar auch ein im positiven Sonne touristisches Ziel werden könne. Schon jetzt sei die Region mit ihrer belasteten Vergangenheit immer wieder Ziel für Besucher.

Auch Winfried Leusbrock ist froh, dass dieser gefährliche Auftrag einen guten Abschluss gefunden hat: „Es war eine schwierige Aufgabenstellung und wir sind froh, dass wir eine gute Leistung erbringen konnten.“

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