Schöppingen
Der direkte Draht

Montag, 23.06.2008, 16:06 Uhr

Schöppingen . Das ungestörte Arbeiten in geschützer Atmosphäre war die Philosophie, die die Stiftung Künstlerdorf lange Zeit für ihre Stipendiaten vertreten hat. Das hat sich geändert: Sich der interessierten Öffentlichkeit zu öffnen, lautet seit einiger Zeit verstärkt die Devise. Bestes Beispiel: Am Wochenende öffneten gleich sechs Stipendiaten der Kunst ihre Ateliers: Alexandra Kürtz , Tassilo Sturm und „Brandstifter“ aus Deutschland , Satoshi Morita aus Japan, Qiaoling Qu aus China und Xuan Huy Nguyen aus Vietnam. Bis auf Sturm werden alle ihr Domizil in Schöppingen zum Ende des Monats räumen, da ihr Stipendium endet. Anfang Juli kommen neue Stipendiaten, die ebenfalls wieder ein globales und künstlerisch vielschichtiges Bild der aktuellen Kunst zeichnen werden.

Morita ist der Klangkünstler unter ihnen. In seinem Atelier gibt es mehr zu hören als zu sehen. Er brachte im April bei seiner Ankunft eine Idee mit, deren Umsetzung sein Beitrag zu einem Wettbewerb der Klangkunst in Berlin sein wird. Das Thema des Wettbewerbs lautet „Reichskristallnacht“. „Als Ausländer habe ich einen ganz anderen Zugang. In meinem Klangkunstwerk wollte ich auf die Ästhetik des Wortes fokussieren“, erläutert er seine Assoziationen zu dem Wort.

Natürlich hat er sich erst mit der Geschichte zu dem Wort beschäftigt, denn davon hat er in Japan noch nie etwas gehört. Erst dann hat er sich zwei ganz normale Glasscheiben unterschiedlicher Dicke besorgt. Zwei Mikrofone nehmen die Geräusche auf, wenn er die Scheiben mit dem Hammer zertrümmert. Mal laut, mal leise, mal reibt er die Splitter aufeinander, mal lässt er sie aufeinander fallen. Am Computer werden die Klangergebnisse bearbeitet. Mal schiebt er sie übereinander, mal kettet er sie aneinander, dann untermalt er sie mit elektronischer Musik.

Während der Wahl-Berliner Morita im Atelier experimentiert, öffnet sich Alexandra Kürtz den Menschen im Ort. Sie lebt seit November 2007 im Künstlerdorf. Die Kinder des Elisabeth-Kindergartens in Schöppingen machte die Kölnerin für ihr Projekt zu Kinderarbeitern. Sie fertigten die roten Ballen der Trachtenhüte im Schwarzwald an. Kürtz stellt den Besuchern die Fotos des Projekts vor. Wären es richtige Kinderarbeiter, hätten sie von dem möglichen Verkauf der Bollen ihre Familien miternähren müssen, erläutert sie. Die Idee dazu ist älter. Zur Fußball-WM 2006 wurde Kürtz von Meldungen berührt, die über Kinderarbeiter in Pakistan berichteten. Sie fertigten Fußbälle, die auch in Deutschland gekauft werden konnten.

Viele Besucher machten sich am Wochenende ein Bild von den Stipendiaten, unter denen es auch Maler und Bildhauer gibt. Der „direkte Draht“ zu den Künstlern brachte die meisten der modernen Kunst ein großes Stück näher. Eine Fortsetzung der Tage der offenen Ateliers wäre daher wünschenswert . . .

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