Schöppingen
Eine Eremitage an der Vechte

Donnerstag, 17.07.2008, 18:07 Uhr

Schöppingen . Münster – Schöppingen – Paris . In diesem geografischen Dreieck lebt, denkt und fühlt Tassilo Sturm . Der gebürtige Unnaer war Meisterschüler bei Ulrich Erben an der Kunstakademie in Münster bis 2006. Ein Stipendium der Cité Internationale des Arts führte ihn danach nach Paris. Nach der Rückkehr nach Münster holte ihn ein Stipendium Anfang Mai ins Künstlerdorf nach Schöppingen. Bis Ende Juli wird er hier leben und arbeiten.

In Gedanken ist er allerdings weniger in Münster, sondern schon wieder in Paris. Ob ihm der nahtlose Übergang gelingen wird, steht noch in den Sternen. Dennoch hofft er schon jetzt auf ein zweites Stipendium. „Es gibt dort viele Kontakt- und Ausstellungsmöglichkeiten. Viele Kollegen zieht es nach Köln und Berlin, mich nach Paris“, schwärmt der aufstrebende Künstler.

Für die Gruppenausstellung mit anderen Stipendiaten schuf er damals in Paris die „Eremitage für Paris“, die er aus Pappe zeltartig errichtete. Die Pappe sammelte er auf der Straße auf, so wie die Obdachlosen es auch tun, die direkt vor der Tür der Ausstellung sich damit zudeckten. „Die Veranstalter fanden es anfangs nicht so gut. Es erinnerte sie zu sehr an die Obdachlosen“, erwähnt Sturm. „Dani Caravan fand es dagegen toll“, schwärmt Sturm von dem israelischen Künstler, mit dem er ganz zwanglos in der Ausstellung ins Gespräch kam, ohne zu wissen, mit wem er sprach. Erst später gab sich Caravan zu erkennen.

In Schöppingen baut Sturm an einer „Eremitage für Schöppingen“. Der hohe und weite Atelierraum mit dem offenen Gebälk hat ihn dazu inspiriert. Nicht wenige Besucher staunten während der offenen Ateliers von sechs Stipendiaten über das Konstrukt aus Stangen, die sich wie ein Globus formierten. Die Stangen erwarb er im Baumarkt. Normalerweise sind sie Rohre zum Verlegen von Elektrokabeln. Durch Sturms Hände und durch seine Idee werden sie zu Details eines Kunstwerks, dass er kurz vor Ende seiner Stipendiatenzeit in vollendetem Zustand noch einmal der Öffentlichkeit vorstellen will (Termin wird noch bekannt gegeben). Wenn das Gerippe steht, will er es mit Silberfolie verkleiden, von innen und außen beleuchten und mit Guckfenstern einsehbar machen.

Gleichzeitig entwickelt er neue „Eremitagen“ für Ausstellungen in Magdeburg und Kamen. Immer verbaut er eigene Erfahrungen: „Vieles ist mir im Verhalten meiner Mitmenschen aufgefallen, was mir so nicht gefiel. Das möchte ich mit meiner Kunst aufdecken.“

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