Schöppingen
Urteil: Lebenslänglich

Donnerstag, 18.03.2010, 15:03 Uhr

Schöppingen / Münster - Er wusste, was auf ihn zukam. Ohne ein äußeres Zeichen der Regung nahm der 28-jährige Asylbewerber aus Schöppingen das Urteil des Schwurgerichts Münster entgegen, das den Angeklagten wegen heimtückischen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilte.

Der aus dem Irak stammende Mann hatte am 21. August vergangenen Jahres für große Aufregung in der 7 500 Einwohner zählenden Gemeinde gesorgt, als er den 18-jährigen Kevin mit einem Messerstich in den Rücken tötete. Die Klinge der Tatwaffe traf das Herz und die Lunge des Schülers, der trotz notärztlicher Versorgung keine Chance hatte und noch am Tatort verblutete.

Der Vorsitzende Richter Michael Skawran ließ in seiner Urteilsbegründung das Tatgeschehen nochmals Revue passieren. Demnach geschah die Bluttat am Rande einer Party auf dem Spielplatz am Kohkamp. Dort hat der 28-Jährige nach einem verbalen Streit dem Schüler das Messer mit großer Wucht von hinten in den Rücken gestoßen.

Die Einlassung des Angeklagten, er sei als „Retter“ aufgetreten, weil er annahm, dass der Schüler ein 16 Jahre altes Mädchen sexuell belästigte und es vergewaltigen wollte, sei eine Schutzbehauptung. Es habe laut Aussage des Mädchens und weiterer Zeugen keine Belästigung stattgefunden. Kevin habe das Mädchen, dem aufgrund des Alkoholkonsums übel geworden sei, lediglich nach draußen zu einer Sitzgruppe gebracht, damit sich die Schülerin wieder besser fühle. Dort sei der Angeklagte erschienen, der von Kevin aufgefordert wurde, den Ort zu verlassen. Es habe dann eine verbale Auseinandersetzung und auch ein kleines Gerangel gegeben. Dann sei der Angeklagte weggegangen und Kevin habe die Situation als erledigt betrachtet. Der 28-Jährige sei dann zurückgekommen und habe dann überraschend auf den arg- und wehrlosen Kevin eingestochen, der nicht mit einem Angriff rechnete und keine Abwehrmöglichkeit gehabt habe.

Die Aussage des Angeklagten, er habe vor der Tat ein Viertel Liter Wodka und acht Flaschen Bier getrunken, hielt die Kammer für unwahrscheinlich. Die Rückrechnung habe ergeben, dass der 28-Jährige zur Tatzeit rund 1,6 Promille im Blut hatte. Das sei für einen Alkohol gewöhnten Mann - das habe auch der Gutachter bestätigt - keine erhebliche Beeinträchtigung seiner Steuerungsfähigkeit. Der Asylbewerber sei also im vollen Umfang schuldfähig.

Als Tatmotiv nahm das Gericht Frust an. Der 28-Jährige hatte am Tattag die Mitteilung erhalten, dass sein Asylantrag abgelehnt worden war. Auch sei der Angeklagte, der im Verlauf der Hauptverhandlung mehrfach die Unwahrheit gesagt habe. verärgert gewesen, dass er bei der Party nicht mitfeiern durfte.

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