Schöppingen
„Man steht mit Respekt vor dem Bild“

Samstag, 03.04.2010, 17:04 Uhr

Schöppingen - Wer an diesem Osterfest die St. Brictius-Kirche betritt, ahnt nichts von den Arbeiten, die momentan noch in dem Gotteshaus stattfinden. Extra für die hohen Feiertage wurde das Gerüst abgebaut, von dem aus die Diplom-Restauratorin Katja Harmeling die Wandbilder im Chorraum restauriert. Abgeschlossen sind dagegen die Arbeiten am Altarbild, die die Münsteranerinnen Elke Sigrist und Kristine Karstens vorgenommen haben.

„Man steht schon mit Respekt vor dem Bild. Es ist ein sehr altes, ehrwürdiges Objekt“, sagt Restauratorin Sigrist fast mit einer Portion Ehrfurcht. Es sei eine besondere Arbeit gewesen. „Jeden Morgen stand man da und hat gedacht, welche Leistung die Künstler damals erbracht haben.“ Schließlich hat auch Sigrist nicht alle Tage mit einem Bild aus der Mitte des 15. Jahrhunderts zu tun.

Bevor die beiden jedoch an die Restaurierung gehen konnten, mussten Vorarbeiten im Labor erledigt werden. Zwischen 50 und 65 Prozent Luftfeuchtigkeit sind ideal für das Altarbild. „Teilweise war es in der Kirche jedoch mehr Feuchtigkeit ausgesetzt“, sagt Sigrist. So bildeten sich Mikroorganismen. Auch gab es Beschädigungen am Holz, die dem wertvollen Kunstwerk schadeten. Außerdem setzte sich der Kerzenruß in die feinen Farbrisse und ließ diese mit den Jahren breiter werden. Alles Veränderungen, die eine Restaurierung erforderlich machten.

Neben den Laborarbeiten informierten sich Sigrist und Karstens aber auch über die damals verwendeten Materialien. Eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Restaurierung. Dabei wollten sie keine museale Konservierung, sondern eine funktionale Restaurierung. „Schließlich soll das Altarbild ja auch weiter in der Liturgie genutzt werden.“ Um das zu erreichen, wurde auch die Blase des Störs eingesetzt. „Daraus wird ein spezieller Leim hergestellt“, erklärt Elke Sigrist. Der sei elastisch und glänze nicht. So kommt der Goldgrund des dreiteiligen Altarbildes herrlich zum Tragen.

Damit der neue Glanz des kirchlichen Schmuckstücks lange erhalten bleibt, empfiehlt die Expertin, das Bild alle zwei Jahren kontrollieren zu lassen. Gleichzeitig lobt Sigrist die Verantwortlichen um Pfarrer Wolfgang Böcker: „Man ist viel sensibler geworden, als das früher noch der Fall war.“ Ein Fenster wird extra etwas abgeschottet, um den rechten Flügel vor zu viel Sonne zu schonen. Zudem sei eine spezielle Abluft für die Opferkerzen installiert worden, so die Münsteranerin, die sich mit dem Ergebnis der Arbeit zufrieden zeigt.

So weit ist Katja Harmeling noch lange nicht. Zwei bis drei Monate, so die 29-Jährige, werden die Arbeiten an den Wandmalereien noch dauern. Dabei geht sie von links nach rechts vor, fängt bei Paulus an und hört bei Karl dem Großen auf. Wichtig ist ihr, dass die Restaurierung reversibel, umkehrbar ist. „Deshalb benutze ich wasserlösliche Farben, die leicht löslich sind.“

Mit weißen, dünnen Kompressen entfernt sie letzte Reinigungsmittel-Rückstände. Wenn es sein muss, werden auch Wattestäbchen benutzt, um das Milcheiweiß Kasein zu entfernen. Das Protein sorgt für eine Spannung der Farben und das Vergilben. Offensichtlich wurde so viel Kasein verwendet, dass die Arbeiten in der Schöppinger Kirche möglicherweise interessant sind für eine Masterarbeit an der Fachhochschule Köln . „Mal schauen, ob das etwas wird“, sagt die Stadtlohnerin.

Nach dem Säubern malt die 29-Jährige die Fehlstellen aus. Dazu verwendet sie die Gouache-Maltechnik. Die sehr deckenden Farben werden aus Pigmenten wie Kreide und tierischem Hautleim als Bindemittel hergestellt. Die Farben müssen sehr dünn aufgetragen werden, fast wie bei einem Aquarell. „Aus der Nähe sieht man die feinen Pinselstriche, aus einer Entfernung von zwei Metern erscheint es als Ganzes“, erklärt die Fachfrau. Und die genaue Farbauswahl? „Die habe ich im Kopf, das ist Erfahrungssache. Ich kann dabei aus einer Palette an Farben mischen.“

Doch das Ergebnis können die Besucher an diesem Osterfest noch nicht in seiner ganzen Pracht bewundern. Vorher muss auch wieder das Gerüst aufgebaut werden.

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