Schöppingen
„Halbzeit“ auf dem Berg

Freitag, 26.11.2010, 18:11 Uhr

Schöppingen /Metelen - Der Wind bläst kräftig am Schöppinger Berg an diesem kalten Novembermorgen. Die Spaziergänger an der Natostraße sind dick eingepackt, um sich gegen das unwirtliche Wetter zu schützen. Während sich manch anderer sicher lieber hinter den Kamin verkriechen würde, freut sich Heiner Konert über die kräftige Brise am Berg. Das verwundert nicht: Der Meteler Landwirt ist als Geschäftsführer am Windpark Schöppinger Berg beteiligt - so wie 66 weitere Gesellschafter auch.

Anfang der 1990er-Jahre gehörte der 52-Jährige zu den Pionieren in Sachen Erneuerbare Energien im Westmünsterland. Heute ist der Meteler nicht nur an mehreren Windparks beteiligt, sondern betreibt auf seinem Hofgelände in der Bauerschaft Naendorf auch eine Biogasanlage und setzt im großen Maßstab auf Photovoltaik.

1992 errichtet der Meteler einer der ersten Windkraftanlagen im Westmünsterland überhaupt - „direkt am Hof und ausschließlich zur Eigenversorgung“, erinnert er sich. Zusammen mit seinem Bruder Christoph, einem Dipl.-Ingenieur für Versorgungstechnik mit Studienschwerpunkt Energieerzeugungstechnik, avanciert der Meteler in den Folgejahren zu einem Vorreiter der Windenergie in der Region. Beide Brüder gründen 1994 die Konert Windstrom KG und errichten drei weitere Windräder am sechs Kilometer vom Hof entfernt liegenden Nordwesthang des Schöppinger Bergs.

Im Dezember 2000 - also fast genau vor zehn Jahren, ging das Projekt an den Start, das später Vorbildfunktion für viele weitere nachfolgende, ähnliche Vorhaben einnehmen sollte: Der Windpark Schöppinger Berg. 14 Anlagen mit einer Leistung von je 1,8 Megawatt zeugen seitdem von der exponierten Lage des Bergs in Sachen Windkraft. Auf 20 Jahre ist der Rückfluss aus der Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz ( EEG ) für den erzeugten Windstrom ausgelegt. 2010 bedeutet damit „Halbzeit“ für die Betreibergesellschaft sowie die 67 beteiligten Gesellschafter. Wie fällt das (Zwischen-)Fazit aus?

Für Heiner Konzert war und ist der Windpark auf dem Berg ein Erfolgsmodell. Viele Gründe seien dafür maßgebend. Der Wichtigste ist zweifelsohne der wirtschaftliche Erfolg. Dafür seien zum einen die seinerzeit relativ geringen Investitionskosten sowie das im selben Jahr in Kraft getretene EEG mit der Garantie auf feste Einspeisevergütungen die Grundlage.

Kaum weniger entscheidend sei aber auch die von Beginn an verfolgte Marschroute gewesen, die Grundstücksbesitzer vor Ort mit in das Projekt einzubinden. „Das Motto ,Aus der Region - für die Region hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Akzeptanz für die Windenergienutzung von Anfang an sehr hoch war“, blickt Konert zurück. Während sich anderswo Bürgerinitiativen bildeten, half das Konzept „Kooperation statt Konfrontation“ in Schöppingen dabei, dass parallel weitere Projekte nach dem Muster des Bürgerwindparks in den Vorrangzonen Haverbeck-Heven und Wersche verwirklicht werden konnten.

Auch wenn es noch heute Kritiker gebe, die zum Beispiel die Lärmemissionen oder die Verspargelung der Landschaft vorbrächten, so habe sich die doch in der breiten Bevölkerung die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Vorteile der Windkraftanlagen die wenigen Nachteile bei Weitem überwiegen, so Konert. Die beteiligte Landwirtschaft werde gestärkt, das Geld bleibe vor Ort, es werde umweltfreundlicher Strom erzeugt und der Ausstoß von Treibhausgasen vermieden, und auch die Gemeinschaft profitierte - zum Beispiel über die eingenommene Gewerbesteuer der Gemeinde.

Nun drehen sich die Windräder seit zehn Jahren auf dem Berg - weitgehend problemlos, wie Konert erklärt. „Wir haben seinerzeit einen Voll-Wartungsvertrag mit dem Hersteller Enercon geschlossen,“ berichtet der Landwirt. Das garantiert der Betreibergesellschaft die reibungslose Funktion der Anlagen. Und sollte ein Windrad einmal wegen eines Defektes zu lange stehen bleiben, gibt es eine Ausfallentschädigung. Dinge, an die die Windkraft-Pioniere um Heiner Konert damals allesamt gedacht haben. „Die Planungsphase mit den zahlreichen Infoveranstaltungen, der Genehmigungsweg, die Verhandlungen über die Anpachtung der Flächen - alles hat im Vorfeld sehr viel Zeit gekostet“, weiß Konert.

Seit der Inbetriebnahme ist der Aufwand nun relativ gering. Die Buchführung muss erledigt werden, alles sechs Wochen kommt das Verwaltungsgremium zusammen, und ein Mal im Jahr findet die große Gesellschafterversammlung statt - das wars. Ansonsten freuen sich die Beteiligten über den Rückfluss des investierten Kapitals. 14 Millionen D-Mark mussten seinerzeit als Eigenkapitals aufgebracht werden, weitere 37 Millionen wurden als Kredit aufgenommen. Da dauert es natürlich, bis das Tilgungsende gekommen ist. 2015 wird es so weit sein, verrät Konert.

Und wie sieht die Zukunft des Windparks Schöppinger Berg über den Zeitraum 2020, wenn die Einspeisevergütung nach dem EEG ausläuft, aus? „Darüber nachzudenken, ist zurzeit noch etwas früh“, sagt Konert. Er gehe jedoch davon aus, dass der exponierte Standort auch weiterhin genutzt werden wird. Beim so genannten „Repowering“ werden alte Anlagen durch neue, effizientere ersetzt. Auch größere Windräder seien möglich. In diesem Fall würden jedoch weniger Windräder auf der zur Verfügung stehenden Fläche installiert. Aber wie gesagt, das alles ist noch Zukunftsmusik. Jetzt freut sich Konert erst einmal über den kräftigen Wind, der über den Schöppinger Berg hinwegbläst und trotz des trüben Wetters bei ihm für gute Laune sorgt.

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