Dr. Antonius Hamers, Dozent für Berufsethik, referierte über die Verankerung von Religion im Grundgesetz
Gehört Gott in die Verfassung?

Schöppingen -

Gehört Gott in die Verfassung? Dieser Frage ging Polizeidekan Dr. Antonius Hamers in seinem Vortrag im Rahmen der St. Brictiuswoche nach.

Mittwoch, 14.11.2012, 17:11 Uhr

Dr. Antonius Hamers, Dozent für Berufsethik, referierte über die Verankerung von Religion im Grundgesetz : Gehört Gott in die Verfassung?
Gespannt lauschten die zahlreichen Zuschauer dem Referenten Dr. Antonius Hamers, der seinen Vortrag mit einer Powerpoint-Präsentation untermalte. Foto: Alfons Körbel

Seine Ausführungen zu dem Thema des Gottesbezugs unterfütterte er zunächst mit statistischen Daten über Religionszugehörigkeit in der Bundesrepublik. Demnach sind 25,1 Prozent der Bevölkerung evangelisch, 25,7 Prozent katholisch und 23,8 Prozent gehören andern Kirchen an. Der Rest gehört nicht dem christlichen Glauben an.

Die Frage nach Gott in der Verfassung stelle sich heute insbesondere vor dem Hintergrund aktueller Anlässe, wie den antireligiösen Aktivitäten der Partei der Linken oder Piraten, dem Kruzifixurteil, der Diskussion um Sonn- und Feiertagsschutz oder jüngst dem Beschneidungsurteil, führte er aus.

Die Präambel des Grundgesetzes von 1949 beginnt mit der Formulierung: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen…“. Dieser Gottesbezug findet sich ebenso in den Landesverfassungen von Baden Württemberg , Bayern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen. In den anderen Bundesländern ist er nicht verankert.

In Europa gebe es sowohl Staaten mit starker laikaler Tradition wie Frankreich als auch Staaten mit einer Tradition der Kooperation von Staat und Kirche wie in Deutschland, berichtete Hamers den interessierten Zuhörern. In den Europäischen Verträgen finde sich zudem kein Gottesbezug.

„Warum taucht Gott in der Verfassung von 1949 auf“, stellte sich der Referent die Frage. Zwei Faktoren führte er zur Beantwortung an. Zum einen sei es die Geschichte des Christlichen Abendlandes und zum anderen der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 mit 80 Millionen Toten und unermesslicher Zerstörung, der den Vätern des Grundgesetzes noch vor Augen war. So etwas dürfe sich niemals wiederholen. Zu diesem Gedanken zitierte er den russischen Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski: „Wenn es keinen Gott gibt, dann ist alles erlaubt“.

Im Anschluss an den Vortrag stand der Referent noch zu einem angeregten Gespräch zur Verfügung.

Dr. Antonius Hamers, promovierter Jurist, begann 2001 mit dem Studium der Theologie. Nach der Priesterweihe war er drei Jahre in Mettingen als Kaplan tätig und übernahm danach an der Hochschule der Polizei in Hiltrup die Aufgabe des Dozenten für das Fach Berufsethik.

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