Glücklich in Schöppingen
Kolonialismus in der Kunst

Schöppingen -

Das zweimonatige Stipendium in Schöppingen ist für Youssef Tabti jetzt beendet. „Ich habe hier erstmals einen Teil meines Projekts umsetzen können und ich bin vielen offenen und netten Menschen begegnet“, sagt er. Aber eigentlich, fügt er bedauernd hinzu, sei die Zeit viel zu kurz gewesen, um alle Pläne zu verwirklichen. 

Dienstag, 26.03.2013, 11:03 Uhr

Konzeptkünsltler Youssef Tabti in seinem Atelier – mit Fahnen, Adlerskulptur und Stadtplan.
Konzeptkünsltler Youssef Tabti in seinem Atelier – mit Fahnen, Adlerskulptur und Stadtplan. Foto: Sigrid Winkler-Borck

Ein mehrere Quadratmeter großer Stadtplan haftet an der Wand des Ateliers von Youssef Tabti . Auf den ersten Blick ist nur „Swakop River“ zu lesen. Daneben sind vier große, jeweils an einer Ecke aufgehängte Fahnen im Schwarz-Weiß-Rot, der Nationalflagge des Deutschen Kaiserreichs, angebracht. Sie sind teilweise mit Texten in Frakturschrift bedruckt beziehungsweise zeigen einen Ochsenkopf auf blauem Grund.

Eine kleine Mineraliensammlung, eine Adlerskulptur, alte und aktuelle Fotos komplettieren die Installation, die die Besucher während des Tags der offenen Ateliers im Künstlerdorf zunächst etwas ratlos und auch irritiert davor stehen lässt. Fotos werden angeschaut, Kommentare abgegeben und Fragen in die Runde gestellt. Zurückhaltend, aber sehr aufmerksam gibt der Künstler bereitwillig Auskunft, und schnell entwickelt sich ein Gespräch.

Swakopmund heißt die Stadt und liegt in Namibia, Afrika. Vor 100 Jahren hieß das Land Deutsch-Südwestafrika. Das Interesse der Besucher ist geweckt. Weitere Fragen werden gestellt, die zu kurzen Diskussionen führen. Die deutsche Kolonialgeschichte ist aber wenig präsent; schließlich dauerte sie nur kurz und endete mit dem Ersten Weltkrieg .

Youssef Tabti, der in Hamburg lebende Konzeptkünstler mit französisch-algerischen Wurzeln, freut sich über die Resonanz. „Meine Projekte sollen auf mehreren Ebenen funktionieren, und der erste Zugang zum Thema ist gelegt“, meint Tabti, der mit seiner Arbeit nicht nur erfahrene Museumsgänger ansprechen möchte. Sein Themen, die sind: Geschichte, Politik und Unterdrückung.

Seit 2011 liegt sein Schwerpunkt auf der deutschen Kolonialgeschichte. „ Kolonialismus mit seiner Ausbeutung der Bodenschätze und der Menschen zerstörte jahrhundertealte Strukturen und trieb in Abhängigkeit“, sagt er und sieht als eine immer noch nachwirkende Folge die Migration. Tabti ist sich natürlich auch bewusst, dass es vielfach arme Leute waren, die damals Deutschland verließen, um ihr Glück in einem an Mineralien reichen Land in Afrika zu suchen.

Zur Verdeutlichung präsentiert der Künstler auch einige Bergkristalle und Turmaline aus der Umgebung von Swakopmund. Wie lange die deutsche Kolonialzeit gerade in Swakopmund noch nachgewirkt hat, zeigt Tabti ebenfalls: Erst mit der endgültigen Unabhängigkeit des Landes 1990 wurden die letzten deutschen Straßennamen wie Kaiser-Wilhelm-Straße durch englisch-afrikanische Bezeichnungen ersetzt.

Youssef Tabti betont, dass es sich bei seiner Arbeit um eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Kolonialismus handelt. „Ich bin kein Historiker.“ So kann seine Art der Konzeptkunst mit interdisziplinärem Anspruch einerseits natürlich als Pseudowissenschaft kritisiert werden, andererseits bietet wahre Wissenschaft aber in der Regel keinen so einfachen, ersten und optisch herausfordernden Zugang zu so einem komplexen Thema wie Kolonialismus.

Das zweimonatige Stipendium in Schöppingen ist für Youssef Tabti jetzt beendet. „Ich habe hier erstmals einen Teil meines Projekts umsetzen können und ich bin vielen offenen und netten Menschen begegnet“, freut er sich. Aber eigentlich, fügt er bedauernd hinzu, sei die Zeit viel zu kurz gewesen, um alle Pläne zu verwirklichen. 

»Ich bin vielen offenen und netten Menschen begegnet.«

Youssef Tabti

»Ich bin vielen offenen und netten Menschen begegnet.«

Youssef Tabti über Schöppingen
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