Stipendiatin Stephanie Geißler
Jedes Wort stark aufladen

Schöppingen -

Im Sommer ist Stephanie Gleißners Romandebüt „Einen solchen Himmel im Kopf“ im Aufbau-Verlag erschienen. Jetzt ist die junge Autorin (Jahrgang 1983) für zwei Monate Stipendiatin im Künstlerdorf und arbeitet hier an ihrem neuem Roman.

Samstag, 20.04.2013, 06:04 Uhr

Stephanie Gleißner ist derzeit Stipendiatin im Künstlerdorf. Im Sommer erschien ihr erster Roman.
Stephanie Gleißner ist derzeit Stipendiatin im Künstlerdorf. Im Sommer erschien ihr erster Roman. Foto: Sigrid Winkler-Borck

Ihr gelegentlich als „Anti-Heimatroman“ tituliertes Debüt wurde in der Presse weitgehend positiv aufgenommen. Die Ich-Erzählerin kehrt nach dem Studium zu einem Besuch in die Enge einer dörflichen Gemeinschaft in den Bergen zurück. Ihre ehemalige Freundin Johanna, die zu Schulzeiten als „begabt und gefährdet“ galt, ist dort geblieben und begegnet der Erzählerin Annemut wie einer Fremden. Annemut erinnert sich an die jugendliche Johanna und gemeinsame Episoden aus dem Leben der einst innigen Freundinnen. Das Geschehen ist weder räumlich noch zeitlich genauer zu verorten. Die bergige, als „Hinterland“ bezeichnete Provinzlandschaft lässt sich mit hinterwäldlerisch assoziieren, aber auch als einerseits bedrohlichen, andererseits mystischen Rückzugsort wahrnehmen. Überhaupt erscheint einiges im Roman wie aus der Realität gefallen.

Gleißner lebt zwar seit einigen Jahren in Berlin , ist aber in Oberbayern aufgewachsen. Und so weisen beschriebene Landschaft und Natur durchaus biografische Elemente auf. „Das ist eben die Natur, die ich am besten kenne“, bekennt Gleißner. Manchmal vermisst sie die bayerische Natur und Landschaft auch, aber das ist derzeit für die junge Frau kein Grund für eine Rückkehr.

Die Romanfiguren jedoch sind fiktiv. „Ich kenne die beschriebenen Emotionen, aber die Erlebnisse sind nicht meine“, distanziert sie sich von den Figuren, mit denen sie im Kopf dennoch lange gelebt hat, ohne sie, wie Gleißner sagt, „ganz ausbuchstabiert zu haben“.

„Literarisch geschrieben habe ich schon, seit ich 14, 15 Jahre alt war“, erzählt sie. Es waren aber meist nur kurze Stücke beziehungsweise Fragmente. Erst während des Studiums der Literatur- und Religionswissenschaft in Tübingen nahm sie an einem lokalen Schreibwettbewerb teil und gewann. Bestärkt durch diese Bestätigung bewarb Gleißner sich 2008 um den „open mike“, ein von der Literaturwerkstatt Berlin organisierter Wettbewerb für Literaturnachwuchs. Gleich drei Verlage meldeten nach ihrer Lesung Interesse an. „Schreiben an sich ist ja eigentlich eine isolierte, zurückgezogene Angelegenheit. Um richtig mit dieser neuen Situation umgehen zu können, habe ich mir eine Agentin genommen“, erzählt Gleißner. Die erste richtige Begegnung mit dem Literaturbetrieb und seinen Netzwerkgepflogenheiten hatte Gleißner 2010 während des Klagenfurter Literaturkurses für junge Autoren.

„Ich schreibe sehr langsam, muss dann aber auch nicht mehr viel verändern“, sagt sie und erklärt, „der Rhythmus ist mir wichtig. Während des Schreibens spreche ich laut mit. Ich will jedes Wort stark aufladen.“

Auch jetzt, nach der ersten erfolgreichen Romanveröffentlichung mit den dazugehörigen Lesungen, steht Stephanie Gleißner fest mit beiden Beinen auf dem Boden der Tatsachen. Erst im März hat sie das Zertifikat für „Deutsch als Fremdsprache“ erworben, sodass sie unterrichten kann. Zudem möchte sie in Literaturwissenschaft promovieren. Die Bewerbungen für ein Promotionsstipendium sind verschickt und somit kann sie ihre Zeit jetzt in Schöppingen für das Schreiben an ihrem neuen Roman nutzen.

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