Der Schöppinger Wilhelm J. Krefting veröffentlicht seinen ersten Krimi: „Am siebten Tage sollst du sterben“
Dem Terror auf der Spur

Schöppingen -

Ein Schöppinger und früherer WN-Mitarbeiter ist unter die Krimi-Autoren gegangen. „Am siebten Tage sollst du sterben“ heißt das erste E-Book von Wilhelm J. Krefting. Den kennen Sie nicht? Kein Wunder: Ist ja auch ein Pseudonym. Warum er seinen richtigen Namen weder auf dem Buchtitel noch in der Zeitung lesen möchte, hat der Autor im Gespräch mit WN-Redakteurin Anne Alichmann erzählt. Aber vielleicht kriegt der eine oder andere beim Lesen des Interviews ja doch noch heraus, wer der geheimnisvolle Schreibling ist. . .

Samstag, 24.08.2013, 08:08 Uhr

Worum geht es in deinem Krimi?

Krefting : Ein Schiffscontainer mit unbekanntem Inhalt gelangt von Pakistan nach Berlin. Zur gleichen Zeit taucht in der Hauptstadt eine Leiche mit einem mysteriösen Brandzeichen auf. Der Journalist Wolf Steeler nimmt zusammen mit zwei Freunden von der Berliner Kriminalpolizei die Ermittlungen auf. Bald finden die drei heraus, dass sie es mit Salafisten zu tun haben, die am Tag der Bundestagswahl im Regierungsviertel einen Terroranschlag planen. Damit beginnt eine spannende und nervenaufreibende Jagd durch Berlin.

Eine packende Geschichte, die aber offenbar nicht nur unterhalten soll. Denn du stimmst ja auch nachdenkliche Töne an.

Krefting: Genau. Es geht in meinem Roman nicht nur um den islamischen Extremismus, auch die brandaktuellen Themen NSA-Abhörskandal und Drohnen werden behandelt. Ich möchte in meinem Buch auch nützliches Wissen vermitteln – das habe ich mir nicht selbst ausgedacht, da steckt viel Recherche dahinter.

Ein weiteres Thema im Buch ist ja die Unabhängigkeit der Presse.

Krefting: Ja, die liegt mir auch sehr am Herzen. Ich habe ja selbst eine journalistische Ausbildung.

Wie viel von dir steckt denn in der Figur des Wolf Steeler?

Krefting: Es gibt ganz klar autobiografische Züge, das will ich nicht verleugnen. Aber es ist nicht so, dass ich mich hundertprozentig mit dem Protagonisten identifiziere. Vielmehr finde ich mich in jeder Person, die in diesem Buch auftaucht, ein Stück weit wieder. Wolf Steeler ist vielleicht am ehesten Wilhelm J. Krefting: Er hat dieselbe Neugier und den Willen, hinter die Sachen zu schauen und Dinge öffentlich zu machen.

Haben die anderen Figuren in deinem Buch weitere reale Vorbilder?

Krefting: Es gibt viele Charaktere, die Bezug nehmen auf Figuren im wahren Leben. Das betrifft sowohl die Kollegen von Wolf als auch die böse Seite, die Salafisten. Denn die Geschichte beruht ja zum Teil auf wahren Begebenheiten.

Was davon hast du selbst erlebt?

Krefting: Als ich bei der Rheinischen Post in Mönchengladbach gearbeitet habe, gab es dort eine islamistische Vereinigung, die eine Islamschule aufbauen wollte. Wir von der Presse haben natürlich darüber berichtet, wie es unsere Pflicht ist – und das auch kritisch. Das hat dieser Gruppe nicht gefallen. Sie hat langsam angefangen, Druck auf uns aufzubauen, und das artete irgendwann in Anrufe mit Morddrohungen aus. Der Verlag hat sehr gut reagiert und uns Sicherheitsleute zur Verfügung gestellt, die uns zum Beispiel nach Feierabend zum Auto gebracht haben. Es gab natürlich Gespräche, ob wir die Berichterstattung einstellen – aber wir waren uns alle einig, dass wir uns da nicht beeinflussen lassen.

Du beschreibst die Schauplätze im Buch sehr detailliert, zum Beispiel den Bundestag . Woher hast du die Ortskenntnis?

Krefting: Ich habe zum einen Politikwissenschaften studiert, zum anderen habe ich vor einigen Jahren selbst ein Praktikum im Bundestag gemacht. Außerdem bin ich für das Buch mehrmals nach Berlin gefahren und habe mir an den Orten, die eine Rolle spielen, Notizen gemacht beziehungsweise bin mit meinem Diktiergerät dahergelaufen.

Hast du noch weitere Quellen genutzt?

Krefting: Ich habe zum Beispiel beim Zoll angerufen, weil ich wissen wollte, wie die Containerkontrollen vonstattengehen. Für eine Szene im Hamburger Hafen hat sich mein Bruder als gute Quelle erwiesen: Wie funktioniert das Löschen der Ladung? Und wenn man abends zufällig einen Polizisten in der Kneipe trifft, fragt man natürlich auch: Wie läuft das eigentlich bei euch?

Wann hast du dich eigentlich entschlossen, den Krimi zu schreiben?

Krefting: Ich habe während der Schule und während des Studiums schon vier oder fünf Mal angefangen, ein Buch zu schreiben. Es waren immer andere Geschichten, die ich nie zu Ende geführt habe. Nach drei oder vier Seiten war immer Feierabend, da fehlte das Durchhaltevermögen. Aber diese Geschichte fand ich so gut, dass ich mich jedes Mal wieder an den Computer gesetzt habe. Insgesamt hat das fünf Jahre gedauert.

Wie bist du auf die Geschichte gekommen – hattest du irgendwann eine Art Geistesblitz?

Krefting: Ja, ich erinnere mich, dass ich irgendwann in Berlin an der Spree saß. Da spielte sich eine dem Buch­ende sehr ähnliche Szene ab: Ein Schiff fuhr durch den Spreebogen, und weil es wohl ein bisschen zu groß war, donnerte es gegen die Spundwand. Da habe ich gedacht: Der Bundestag betreibt so großen Aufwand, um terrorsicher zu sein, aber wenn jemand über das Wasser einen Anschlag plant, ist da eine Sicherheitslücke. Das war das Ereignis, das am Anfang des Buches stand und um das sich die ganze Geschichte spinnt.

Der Zeitpunkt für die Buchveröffentlichung ist günstig, im September steht die nächste Bundestagswahl an. Hast du den Termin bewusst gewählt?

Krefting: Als ich vor fünf Jahren anfing zu schreiben, hatte ich noch die Bundestagswahl 2009 im Auge. Das ist aber nichts geworden, und ich habe mir vorgenommen: Vor der nächsten Bundestagswahl wird es fertig. Deswegen habe ich es nun auch als E-Book herausgebracht. Einen Verlag zu suchen, dauert Monate.

Warum hast du das Buch unter einem Pseudonym veröffentlicht?

Krefting: Das hat zwei Gründe. Erstens habe ich noch einen richtigen Job als Pressesprecher bei einem Schöppinger Unternehmen. Ich möchte nicht, dass das miteinander kollidiert. Zweitens möchte ich es für die Salafisten, mit denen ich damals zu tun hatte, nicht zu offensichtlich machen. Ein bisschen Risiko ist natürlich noch dabei.

Welche Reaktionen hast du bislang auf dein Buch bekommen?

Krefting: Die Rezensionen auf Amazon.de sind top, und auch Freunde und Verwandte sind begeistert. Selbst Profis, zum Beispiel Germanistikabsolventen, finden das Buch objektiv ziemlich gut. Es scheint also wirklich spannend zu sein. Das spiegelt sich auch in den Downloadzahlen wider: Bis jetzt wurde das Buch 3200 Mal heruntergeladen.

Könntest du dir vorstellen, den Roman auch noch als klassisches Buch zu veröffentlichen?

Krefting: Es ist viel Aufwand, sich an Agenten beziehungsweise Verlage zu wenden, und den werde ich aktiv nicht betreiben. Aber es kommt immer häufiger vor, dass auch E-Book-Autoren von Verlagen entdeckt werden. Wenn irgendjemand mal auf mich zukäme, würde ich wahrscheinlich nicht nein dazu sagen, den Roman auch als Printausgabe zu veröffentlichen.

Hast du ein bestimmtes Vorbild? Du nimmst im Buch mehrfach Bezug auf den Bestsellerautor Dan Brown.

Krefting: Ja, aber Dan Brown ist kein Vorbild für mich. Seine Charaktere sind in einigen Fällen überzeichnet. Ich halte mich mit Personenbeschreibungen im Buch bewusst zurück, weil ich jedem Leser die Möglichkeit geben will, sich die Figur selbst zu formen. Vom Spannungsaufbau gibt es vielleicht Ähnlichkeiten zu Dan Browns Büchern – aber in der Hinsicht habe ich eher andere Vorbilder. Zum Beispiel Frederick Forsyth, den Autor von „Der Schakal“ und „Der Afghane“.

Wird es eine Fortsetzung deines Krimis geben?

Krefting: Viele haben mich darauf angesprochen, dass sie sehr traurig waren, als das Buch zu Ende war. Daraufhin habe ich angefangen, mir das Konzept für eine Fortsetzung zu überlegen. Wolf Steeler und seine Kollegen werden wieder dabei sein, aber die Geschichte wird in einem anderen Umfeld spielen. Es wird um einen Luftwaffenskandal gehen – aber mehr kann ich noch nicht verraten. Es bleibt spannend!

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