Erzbischof Dr. Flavien Joseph Melki aus Beirut sprach über Christen in islamisch geprägten Ländern
Das Leben der Minderheit

Schöppingen-Eggerode -

Erzbischof Dr. Flavien Joseph Melki, Kanzler des Patriarchats der Syrisch-Antiochenisch-Katholischen Kirche in Beirut, feierte am Sonntag in einem Pontifikalamt die heilige Messe mit Eggerodern und Pilgerern in der Wallfahrtskirche. Es war eine Messe mit lateinischen Gesängen, die durch das „Vater unser“ auf Aramäisch; in der Sprache Jesu, zu einem besonderen Erlebnis wurde.

Montag, 19.08.2013, 18:08 Uhr

In seiner Predigt, die er in deutscher Sprache hielt, nahm Erzbischof Melki Bezug auf das Tagesevangelium nach Lukas 12,49 bis 53: „Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung“. Mit diesem Zitat leitete er auf die Situation der Christen im Orient über. „600 Jahre Christentum haben den Islam erst ermöglicht“, bekräftigte er. „Ein Wunder, dass es heute noch Christen bei uns gibt.“ Nach 140 Jahren Islam stellen Christen heute aufgrund von Verfolgung und Flucht eine Minorität in islamisch geprägten Ländern dar. Lediglich im Libanon und bislang auch in Syrien sei die Religionsfreiheit gesetzlich verankert.

„Vor drei Jahren hat der Mufti im Libanon entschieden, das Fest Mariä Verkündigung zusammen mit den Christen zu feiern“, informierte der Erzbischof mit sichtlicher Freude. „Und im Juli dieses Jahres haben fünf Patriarchen zu einem gemeinsamen Gebet für Frieden und Gerechtigkeit aufgerufen.“ Sowohl auf die Kirche im Osten als auch im Westen kämen große Aufgaben zu. Dabei könnten mit der Hilfe der Gottesmutter Maria Schwierigkeiten überwunden werden, so Melki.

Nach der heiligen Messe verabschiedete er sich im hinteren Teil der Kirche auf orientalische Art persönlich von allen Kirchenbesuchern und suchte zu einem kurzen Marienlob das Gnadenbild „Unsere Liebe Frau vom Himmelreich“ auf.

In einem Gespräch mit allen Interessierten im Pfarrheim ging der Erzbischof ausführlich auf die Situation der Christen in islamisch geprägten Ländern ein. Anders als Muslime in westlichen Ländern hätten Christen dort keine Freiheit. Politische Ämter dürfen von ihnen beispielsweise nicht ausgeübt werden. Das Recht der Scharia verhindere dies, erklärte Melki. Außerdem sei es nicht möglich, vom Islam zum Christentum zu konvertieren oder gar eine christlich-muslimische Ehe einzugehen. An den Bau christlicher Kirchen im Orient sei gar nicht zu denken. Nur der Präsident habe das Recht, Genehmigungen zu erteilen.

Neben der höheren Kinderzahl in muslimischen Familien sei die Flucht vieler Christen ein wesentlicher Grund, dass ihr Anteil an der Bevölkerung rapide abgenommen habe und weiterhin abnehme. Auf die Frage, was Europa dem entgegensetzen müsste, empfahl er eine kinderfreundliche Familienpolitik. Bei Verhandlungen mit islamischen Staaten müssten die Politiker auf Gleichberechtigung und Gleichbehandlung bestehen, damit Christen dort gleiche Rechte zugesichert werden, forderte Melki.

Christliche Einrichtungen wie Waisenhäuser, Schulen oder Krankenhäuser werden im Libanon sehr geschätzt. Erzbischof Melki unterhält dort unter anderem ein Waisenhaus, in dem zehn der 30 Kinder muslimischer Herkunft sind. Auf christlichen Schulen werden zudem oftmals Kinder aus muslimischen Familien angemeldet.

Sehr deutlich ging Melki auf die aktuellen Entwicklungen in Syrien und im Irak ein. Er sprach von „falscher Politik“ der Amerikaner. Dadurch sei der Irak zerstört worden und Gleiches entwickle sich zurzeit in Syrien. „Demokratie in muslimischen Ländern ist eine Illusion“, versicherte er.

Einer Aufklärung im Orient, wie sie im 19. Jahrhundert in Europa stattgefunden hat, gibt Melki keine Chance. Dagegen sprächen Ignoranz, Unkenntnis und 70 Prozent Analphabetentum in muslimischen Ländern. „Man kann einem Blinden keine Farben erklären.“ Mit der Anspielung auf Lukas 6, 39 beendete er das informative Gespräch.

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