Lesung im Künstlerdorf
Zwischen Fiktion und Erfindung

Schöppingen -

Aléa Torik, eine 30-jährige rumänische Studentin, promoviert in Literaturwissenschaft und schreibt nebenbei an ihrem zweiten Roman. Der Titel „Aléa Ich“ lässt es erahnen: Offensichtlich handelt es sich um eine Autobiografie der jungen Schriftstellerin. Was aber, wenn der Leser erfährt, dass nicht nur die Geschichten, die Aléa erzählt, sondern sogar ihre Figur selbst völlig frei erfunden ist?

Freitag, 11.04.2014, 13:04 Uhr

Was, wenn der Autor des Buches nicht Aléa, sondern Claus heißt und noch niemals wirklich in Rumänien war? Fragen über Fragen, die sich nach und nach aus dem Buch ergeben und die bei einer Lesung am vergangenen Dienstag aufgelöst wurden.

Der eigentliche Autor des Buchs „Aléa Ich“ heißt Claus Heck und stammt aus dem tiefsten Ruhrgebiet . Anfang des Jahres kam er ins Schöppinger Künstlerdorf, um sich dort für drei Monate voll und ganz seiner Arbeit als Schriftsteller zu widmen.

Das Publikum musste sich am Dienstag vor allem darauf konzentrieren, dem Inhalt von „Aléa Ich“ folgen zu können. Grund dafür: Claus Heck nutzt in seinem Roman die Technik der „Metafiktionalität“, bei der zwei Erzählfäden nahtlos ineinander übergehen und schlussendlich nicht mehr zu unterscheiden sind. So erzählt die Protagonistin zum Beispiel von einem Heimatbesuch, der vor vier Jahren stattfand. Auf dem Rückweg nach Berlin, der ja eigentlich noch in der Vergangenheit stattfindet, stellt sich aber plötzlich heraus, dass Aléa Torik zu diesem Zeitpunkt noch an ihrem Roman schreibt und im „Hier und Jetzt“ lebt. Das bedeutet, dass der Leser die Entstehung des Romans verfolgen kann, während er das Buch liest.

Grund für dieses Verwirrspiel ist eine Schreibkrise des Autors Claus Heck. Er entschied sich vor einigen Jahren, unter dem Künstlernamen Aléa Torik zu schreiben, um so frei von seiner bürgerlichen Persönlichkeit wahrgenommen zu werden. Diese komplizierte Konstruktion erwies sich als überaus erfolgreich. Begonnen hatte Heck mit einem Blog im Internet und einem Roman über einen Blinden. So wurde ein deutscher Professor für Literaturwissenschaften auf ihn aufmerksam und schickte seine Frau, die Bücher rezensierte, zu ihm. Auf diese Weise wurde der Roman „Aléa Ich“ zu dem, was er ist: ein ausgezeichnetes, aber komplexes Buch zwischen Realität und Fiktion.

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