Wiljo Krechting über seinen zweiten Krimi „Leichenernte“
Ein Dorf voller Geheimnisse

Schöppingen -

Nur ein Jahr nach seinem Krimidebüt hat Wiljo Krechting alias Wilhelm J. Krefting nachgelegt: Mit „Leichenernte“ ist im Sommer das zweite Werk des Schöppinger Autors als E-Book erschienen. Diesmal dreht sich die Geschichte aber nicht um islamistischen Terror in der Hauptstadt Berlin, sondern um einen Mordfall direkt vor der Haustür – im beschaulichen Münsterland. WN-Redakteurin Anne Alichmann hat den Schreiberling zum Interview getroffen.

Samstag, 25.10.2014, 08:10 Uhr

Autor Wiljo Krechting auf der Promenade in Münster: Hier geht Kommissar Wilfried Kötter, Protagonist aus dem Krimi, gerne joggen.
Autor Wiljo Krechting auf der Promenade in Münster: Hier geht Kommissar Wilfried Kötter, Protagonist aus dem Krimi, gerne joggen. Foto: Anne Alichmann

Wiljo, kurz zusammengefasst: Worum geht es in deinem neuen Buch?

Wiljo Krechting : Rodenfeld, ein fiktives Dörfchen, wird Schauplatz eines grausigen Verbrechens. Der größte Bauer im Ort wird brutal ermordet in einem Maisfeld aufgefunden. Das ruft Kommissar Wilfried Kötter aus Münster auf den Plan, der gemeinsam mit dem Dorfpolizisten ermittelt. Schnell stellt sich heraus, dass fast jeder Einwohner Rodenfelds ein Motiv gehabt hätte, den „Maisbaron“ zu töten. Während Kötter so manch gruseliges Geheimnis lüftet, gerät er auch noch selbst in Lebensgefahr.

Du bist selbst auf dem Dorf aufgewachsen. Wie viel von deinem Heimatort Schöppingen steckt in Rodenfeld?

Wiljo Krechting: Rodenfeld ist ein fiktiver Ort. Ich habe bewusst darauf geachtet, es möglichst wenig nach Schöppingen aussehen zu lassen – nicht, dass noch irgendwelche Gerüchte aufkommen . . .

Der eine oder andere Charakter kam mir beim Lesen aber schon ziemlich bekannt vor. . .

Wiljo Krechting: (lacht) Ich bin nun mal auf dem Dorf groß geworden, da gibt es Personen und Einflüsse, die einen prägen. Das wird man nicht los. Aber es ist nicht so, dass ich bewusst jemanden zum Vorbild genommen habe. Die Charaktere sind vielleicht auch etwas überzeichnet – aber das macht den Charme letztlich auch aus.

Hat sich denn schon jemand auf den Schlips getreten gefühlt, weil er fand, dass die Figuren doch etwas hinterwäldlerisch rüberkommen?

Wiljo Krechting: Nein, noch nicht. Aber damit muss man auch leben können. Man sollte sich selbst nicht so ernst nehmen und alles etwas entspannter sehen. Viele in Westfalen wohnende Leute haben auch gesagt, dass ich das Leben auf dem Dorf in meinem Buch schon ganz gut getroffen hätte: „Genau so trägt es sich zu!“

Welches Feedback hast du sonst noch bekommen?

Wiljo Krechting: Abgesehen von „Wann gibt’s das auch in Papierform?“: Viele fanden besonders den kritischen Aspekt – das Thema extensiver Maisanbau – gut.

Ist das ein Thema, das dir auch persönlich am Herzen liegt?

Wiljo Krechting: Ich bin jetzt nicht der totale Gegner, aber ich finde es schon falsch, wie in unserer Gesellschaft mit Lebensmitteln umgegangen wird. Das fängt bei Spekulationen auf Lebensmittelpreise an und hört bei der Nutzung von Mais als Energiepflanze auf. Davon ist der Kreis Borken ja besonders betroffen.

Wie viele Leute haben dein Buch schon gekauft?

Wiljo Krechting: Bei „ Leichenernte “ sind es um die 5000. Mein erstes Buch, „Am siebten Tage sollst du sterben“, hat mittlerweile 10 000 Leser und eine ISBN.

Die Story deines ersten Buchs spielte in Berlin. Warum hast du dich dieses Mal für einen Lokalkrimi entschieden?

Wiljo Krechting: Weil ich einfach Lust dazu hatte. Ich hatte schon die ganze Zeit ein Bild im Kopf: von einer Stalltür, die im Sturm auf- und zugeschlagen wird, und von jemandem, der dahinter gruselig ermordet wird. Um diese Eingangsszene hat sich der Rest der Geschichte gesponnen. Als ich dann auf Seite 20 war, hatte ich so viel Lust zum Weiterschreiben, dass ich die Fortsetzung meines Berlin-Krimis erst einmal auf Eis gelegt habe.

Wusstest du auf Seite 20 schon, wer der Mörder ist?

Wiljo Krechting: Ja. Bei diesem Roman war es so, dass ich vor dem eigentlichen Schreiben schon alle Kapitel im Kopf hatte, und die Seiten dann nur noch mit Inhalt füllen musste. Bei meinem ersten Krimi – der über fünf Jahre entstanden ist – war das anders, da habe ich häufiger noch Szenen oder Handlungsstränge umgeschmissen. Dieses Mal habe ich das stringenter durchgezogen. Das macht wahrscheinlich die Erfahrung.

Dein zweiter Krimi war ja nun wirklich schnell fertig: Nur ein Jahr hast du gebraucht. . .

Wiljo Krechting: Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich ein konkretes Ziel hatte: Ich wusste, dass ich das fertige Buch nach dem Lektorat direkt elektronisch veröffentlichen kann und es sofort online sichtbar ist. Als ich mit meinem ersten Krimi begonnen habe, gab es diese Möglichkeit noch gar nicht. Da dachte ich immer, ich würde das Skript irgendwie, irgendwann an einen Verlag schicken.

Und auf die Veröffentlichung als E-Book willst du auch weiterhin setzen?

Wiljo Krechting: Ich denke darüber nach, den zweiten Krimi vielleicht auch in Printform herauszubringen. Denn es fragen immer wieder Leute danach. Und im Internet gibt es inzwischen die Möglichkeit, ein Dokument hochzuladen, ausdrucken zu lassen und ein paar Tage später ist es da. Das ist nicht mal teuer. Also: Möglicherweise gibt es „Leichenernte“ demnächst auch in Papierform – zumindest in einer Testauflage. Mein Berlin-Krimi folgt dann vielleicht in der Kombiausgabe, wenn die Fortsetzung fertig ist.

Nummer drei ist also schon in der Mache?

Wiljo Krechting: Ja, beim Schreiben des Berlin-Krimis hatte ich die Fortsetzung schon im Kopf. Es geht um eine Verschwörungstheorie, die sogenannte Chem-Trail-Theorie. Die besagt, dass die Luftwaffe und die zivile Luftfahrt aluminiumhaltige Chemikalien in der Luft versprühen, durch die das Sonnenlicht reflektiert und die Klimaerwärmung aufgehalten werden soll. Ein Berliner Professor will herausgefunden haben, dass die Aluminiumpartikel aber mit der Zunahme von Alzheimererkrankungen in Verbindung stehen. Und dieser Professor wird eines Tages ermordet. Was der Journalist Wolf Steeler und Peter Relow von der Polizei daraufhin herausfinden, sprengt deren Erwartungen. . .

Das klingt, als wärst du schon relativ weit.

Wiljo Krechting: Ja, ich bin schon auf Seite 100. Ich möchte mich selbst nicht unter Druck setzen, gehe aber davon aus, dass ich Mitte des nächsten Jahres fertig bin.

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