Weltreise zu Fuß
Höhlenmenschen am Mittelmeer

Schöppingen -

Welch eine Freude, wieder Vagabund zu sein! Nachdem sich meine Abreise in der Provinz Cadiz in Andalusien um einige weitere Wochen verzögert hat, folge ich nun seit dem 9. Dezember der Mittelmeerküste nach Westen.

Samstag, 27.12.2014, 08:12 Uhr

Sascha Rubert findet Unterschlupf in einer Höhle.
Sascha Rubert findet Unterschlupf in einer Höhle. Foto: Sascha Rubert

Mein vorläufiges Ziel ist, auf dem Wasserweg Italien , dann Griechenland und die Türkei zu erreichen. Dort lasse ich mich überraschen, auf welchem Wege Ägypten zu erreichen ist.

Die ersten Tagesetappen meinten es gut mit mir. Ich hatte aufgrund meiner langen Wanderpause Bedenken ob meiner Kondition. Die Schmerzen, die ich zu Beginn meiner Reise im April 2013 in Deutschland erlitten habe, weil ich Zeit meines Lebens gänzlich unsportlich war, habe ich nur zu gut in Erinnerung. Zu meiner Freude jedoch war es möglich, die andalusischen Berge von Weitem zu betrachten. Teils unterwegs mit der Warnweste auf Autobahnen, teils auf Wanderwegen, das Meer immer zu meiner Rechten, schob ich mein Gepäck einhändig vor mir her bis ich Nerja , den Balkon von Europa in der Provinz Málaga, erreichte. Dort erheben sich die Felsen direkt an der Küste und Strände gibt es nur noch in kleinen Buchten. Bisher hatte ich oft am Strand unter Palmen übernachtet. Was mich dann in Nerja erwartete, war ein kleines Abenteuer für sich.

Ich saß am späten Abend zum Essen auf einer Parkbank. Stundenlang war ich schon erfolglos in der schönen Stadt umhergeirrt, um ein ungestörtes Nachtlager auszumachen. Als ich von einem jungen Mann angesprochen wurde, der den gleichen Frisör hat wie ich, fragte ich ihn, ob er mir weiterhelfen könne. Er und seine vier Begleiter musterten mich eingehend und entschieden dann, mir eine Höhle zu zeigen, in der ich so lange bleiben konnte, wie es mir beliebte. Es ist hier in der Gegend kein Geheimnis, dass Menschen in den vielen kleinen Grotten leben – ganz im Gegenteil, ich habe erlebt, dass Touristen kommen und wie im Zoo die Felsspalten absuchen, um die Habitate auszumachen.

Die Menschen, die darin leben, ziehen es vor, zurückgezogen für sich allein zu sein. Das ist auch trotz des Tourismus möglich, denn wenn man nicht eingeweiht wird oder stundenlang herumklettert, sind die Grotten kaum auszumachen. Auch meine Herberge hätte ich nicht gefunden, wenn ich nicht dorthin begleitet worden wäre. Ich war nicht der erste Bewohner, denn es gab bereits Feuerstellen, eine provisorische Wäscheleine und ausgelesene Bücher. Zu meiner Verwunderung war es hier im Gegensatz zu meinen vorigen Nachtlagern ausgesprochen warm und trocken, unsere Schritte auf dem Felsen wirbelten sogar Staub auf. Unsere Anwesenheit verscheuchte diverses Getier. Da ich nur mit einer Grubenlampe ausgestattet die Umgebung beleuchtete, konnte ich es nur meiner Fantasie überlassen, was mir fluchtartig um die Ohren flatterte. Das hielt mich jedoch nicht davon ab, mich hier zwei Nächte überaus wohl zu fühlen.

Während meines dortigen Aufenthaltes erkundete ich die Gegend auf dem Weg zu einer kleinen Bucht am Meer, wo man an einer natürlichen Quelle gutes Wasser schöpfen kann. Mein nun geschulter Blick machte auf dem Weg dorthin viele bewohnte Felsüberhänge und Grotten aus. Je tiefer ich in die Schluchten vordrang, desto grüner wurde es und die Menschen kultivieren hier Avocados, Mangos, Bananen und vieles mehr.

Kurz bevor ich die Bucht erreichte, war es nur gebückt möglich zu gehen und ich kam mir vor wie im Dschungel. Dankbar für diese Erfahrung zog ich nach zwei Tagen weiter, die unbeschreibliche Kraft der Felsen habe ich förmlich aufgesogen.

Jetzt ist es allerdings erst mal vorbei mit den einfachen Etappen. Ich knechte wie ein Ackergaul, um mein Gepäck durch die Berge zu bugsieren. Die Feiertage verbringe ich wandernd, tatsächlich gibt es für mich kein größeres Geschenk als das. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue des Lebens, ob nun Weihnachten ist oder nicht. In Gedanken bin ich bei Freunden und Familie und wünsche allen Lesern ein gesundes neues Jahr.

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