Hungertuch
Mit Bügeleisen, Seilwinde und Handy

Schöppingen -

Pünktlich zu Aschermittwoch ist es wieder im Altarraum von St. Brictius zu sehen: das Hungertuch. Die Paramentengruppe der Kirchengemeinde hat das mit 14 Motiven bestickte Leinen am gestrigen Dienstag aufgehängt. Eine Aktion, für die es viele helfende Hände braucht – sowie ein Bügeleisen, eine Seilwinde und ein Handy.

Mittwoch, 18.02.2015, 07:02 Uhr

Das Hungertuch hängt pünktlich zu Aschermittwoch – die Paramentengruppe und ihre Helfer sind zufrieden.
Das Hungertuch hängt pünktlich zu Aschermittwoch – die Paramentengruppe und ihre Helfer sind zufrieden. Foto: Anne Alichmann

„Links noch etwas weiter nach oben!“ Matthias Kortüm steht unter der Orgel von St. Brictius , den Blick konzentriert auf den Altarraum gerichtet, und spricht in sein Handy. Er telefoniert mit seinem Vater Andreas Kortüm , der gerade auf dem Gewölbeboden der Kirche steht. Dort kurbelt der Küster an zwei Winden und steuert so die Länge der beiden Drahtseile, die in den Altarraum hängen. An deren Enden wiederum ist das Hungertuch befestigt. Und das gilt es an diesem Dienstag möglichst gerade aufzuhängen. Schließlich wird das Leinen mit den 14 Motiven die gesamte Fastenzeit über in der Kirche zu sehen sein.

„Die Unterkante des Tuchs soll von hier aus gesehen etwa auf Höhe der Oberkante des Altarbilds sein“, erklärt Matthias Kortüm dem Besuch von der Presse. Das ist gar nicht so einfach: Vater Andreas muss mehrmals korrigieren, bis per Handy der Bescheid kommt: „Jetzt hängt es gut. Das kann so bleiben.“ Matthias ist zufrieden – und der Rest der Gruppe auch. Denn es waren nicht nur Vater und Sohn, die an diesem Nachmittag in St. Brictius werkelten, bis das Hungertuch an Ort und Stelle war. Dahinter stecken viele helfende Hände.

Alle packen mit an.

Alle packen mit an. Foto: Anne Alichmann

In erster Linie ist es die „Paramentengruppe“ von St. Brictius: Zuständig für sämtliche Stoffe in der Kirche (Gewänder zum Beispiel), zeichnet sie auch für das Aufhängen des Hungertuchs verantwortlich. Zehn Frauen sind es an diesem Nachmittag, die das Tuch zunächst in Form bringen – es wird mit Dampfbügeleisen geglättet – und schließlich an den Karabinerhaken befestigen.

Auch Pfarrer Diedershagen und Pastor em. Böcker sind zugegen. Letzterer erinnert sich noch genau an den Ursprung des Hungertuchs in Schöppingen: Es wurde 1984 nach seiner Idee von 16 Frauen der Pfarrgemeinde gestickt – die sich dafür in einem Kurs extra die alte Filettechnik aneigneten. Den Entwurf hatte Winfried Schirok aus Münster geliefert, begleitet wurde das Projekt von der Textilgestalterin Editha Fischer. Aschermittwoch 1985 wurde das Tuch erstmals aufgehängt.

Von den 16 Stickfrauen – also den Gründungsmitgliedern der Paramentengruppe – leben heute noch sechs. Und die helfen noch immer gerne beim Aufhängen des Hungertuchs mit. Zur Gruppe dazugestoßen sind über die Jahre noch viele weitere Mitglieder. Sie alle begutachten das Ergebnis an diesem Nachmittag – und sind schließlich zufrieden. „Da muss nur eine winzige Falte sein“, stellt eine von ihnen lachend fest, „die würde mir in jeder Messe auffallen!“

Mit Dampfbügeleisen wird das Tuch geglättet.

Mit Dampfbügeleisen wird das Tuch geglättet. Foto: Anne Alichmann

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