Bluesfestival
Eine klasse Visitenkarte

Schöppingen -

Für einen Ort wie Schöppingen ist das Bluesfestival ein Aushängeschild. Über die Jahre immer größer geworden, ist es doch auf eine schöne Art und Weise auch irgendwie klein geblieben.

Samstag, 23.05.2015, 06:05 Uhr

Blues in Schöppingen: Vielleicht guckt der kürzlich verstorbene B.B. King – er hat einige der auftretenden Künstler zu Lebzeiten gefördert – von irgendwo zu?
Blues in Schöppingen: Vielleicht guckt der kürzlich verstorbene B.B. King – er hat einige der auftretenden Künstler zu Lebzeiten gefördert – von irgendwo zu? Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Genevieve Chadwick lehnt sich entspannt zurück und nippt an ihrem Kaffee. Im Gegensatz zu den anderen Musikern ist sie schon seit Donnerstag im Lande – und wirkt am Freitag ziemlich ausgeschlafen. „Es ist so wunderschön hier“, schwärmt die Australierin, „sieht alles aus wie auf einer Postkarte.“ Sie war zwar schon einmal in Deutschland , aber noch nie in dieser Ecke. Nun ist die Künstlerin vom anderen Ende der Welt ins Münsterland gereist – extra für das Bluesfestival in Schöppingen .

Sie ist nicht die Einzige, die einen weiten Weg hinter sich hat. Die meisten Bands, die am Pfingstwochenende am Vechtebad auftreten, kommen aus den USA. Auch England und Belgien sind vertreten. Und das afrikanische Mali. „Früher haben wir geguckt, wer gerade auf Tournee in der Nähe ist“, erzählt Organisator Richard Hölscher , der am Freitagmorgen die anreisenden Gruppen begrüßt. „Jetzt lassen wir die Künstler extra einfliegen.“ Manche Bands kommen nur für diesen einen Auftritt rüber, einige waren vorher noch nie in Europa, geschweige denn in Deutschland. Daran lässt sich schon ablesen, wie das Festival in den vergangenen Jahren gewachsen ist. Und welchen Stellenwert es in der Szene inzwischen hat.

So gelingt es den Veranstaltern inzwischen immer wieder aufs Neue, die Top-Acts der Szene an die Vechte zu holen. Bands, die auch auf den ganz großen Festivals in Amerika dabei sind. Die reihenweise Preise abräumen. Die mit den Legenden des Blues – wie dem jüngst verstorbenen B.B. King – zusammengearbeitet haben. Deren Alben in den Top Ten der Blues-Charts landen. Aber auch Bands, die noch echte Geheimtipps sind – auf dem besten Wege nach oben. Die Erfahrung hat‘s gelehrt: Mancher Künstler, der noch relativ unbekannt in Schöppingen auftrat, hat später eine steile Karriere hingelegt. Richard Hölscher, der das Programm zusammenstellt, hat da schon oft den richtigen Riecher bewiesen. Kein Wunder, dass das Bluesfestival in Schöppingen für viele Musikliebhaber zum Pflichttermin geworden ist. Ob aus Deutschland, der Schweiz, aus Belgien, den Niederlanden, England oder Irland. Natürlich hat der Termin auch für viele Schöppinger inzwischen einen festen Platz im Kalender.

Und doch ist das Festival auf eine schöne Art und Weise klein geblieben. Ein überschaubares Gelände, kein Gedrängel, eine lockere und friedliche Atmosphäre. Auch hinter den Kulissen geht es freundschaftlich und entspannt zu – und vollkommen unprätentiös. So übernachtet Genevieve Chadwick aus Australien zum Beispiel nicht etwa in einem Hotel, sondern im Zimmer von Richard Hölschers Sohn, der gerade verreist ist. Sie findet das prima: „Ist doch viel familiärer!“

Das Festival ist eine klasse Visitenkarte für einen Ort wie Schöppingen. Und das ist in erster Linie der Leistung von Ehrenamtlichen zu verdanken. Die sich jedes Jahr aufs Neue engagieren, um die Veranstaltung reibungslos über die Bühne zu bringen, ohne dafür einen Cent zu kassieren. Von den Shuttle-Fahrern des federführenden Kulturrings über die Sicherheitsleute vom Motorradclub und die Nachtwache der Pfadfinder bis hin zu den Campingplatzbetreuern vom Angelverein – die Liste ist noch viel länger, aber alle aufzuzählen, birgt die Gefahr, jemanden zu vergessen. Es ist eine große Aufgabe, die sie übernehmen.

Wenn heute also die 24. Auflage des Festivals startet, bleibt zu wünschen, dass es eine ebenso friedliche und pannenfreie Veranstaltung wird wie in den Vorjahren. Um es mit Genevieve Chadwicks Worten zu sagen: „Ich bin so gespannt – aber es wird bestimmt super!“

 

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