Nachwuchskräfte absolvieren Berufsfeuerwehrtag
24 Stunden im Dienst

Schöppingen -

Das Auto ist Schrott. Der Motorraum tief eingedrückt, die Frontscheibe geborsten und der Kofferraum weit aufgeklappt. Von der Straße abgekommen und vermutlich gegen einen Baum geprallt, hängt der blaue Kleinwagen nun schräg im linken Straßengraben. Am Steuer: eine eingeklemmte Person. Eine Übung – zum Glück. Die Jugendfeuerwehr hat am Wochenende verschiedene Einsätze geprobt.

Dienstag, 15.09.2015, 06:09 Uhr

Mit der Rettungsschere müssen die Jugendlichen den „Verletzten“ befreien.
Mit der Rettungsschere müssen die Jugendlichen den „Verletzten“ befreien. Foto: Sabine Sitte

Noch ahnen die 18 Jugendlichen des Feuerwehrnachwuchses nichts vom kommenden Alarm. Sie hocken im Gerätehaus, spielen Karten und rätseln, welche Herausforderung als nächstes auf sie wartet. Für 24 Stunden, von Samstag bis Sonntagmorgen, absolvieren sie einen Berufsfeuerwehrtag in Echtzeit. Begleitet von neun Ausbildern und zwei Berufskollegen haben sie am Vormittag bereits den ersten Alarm gemeistert. Ein „Feuer groß“ im Gewerbegebiet Süd. 15 Jungen und vier Mädchen im Alter von zwölf bis 17 Jahren sind größtenteils bereits von Beginn an in der Jugendfeuerwehr dabei. 2013 hat sich die Gruppe mit 13 Interessierten gegründet. Alle sind dabei geblieben.

15.42 Uhr: Die Pieper an den Gürteln geben Signal. Die Jugendlichen springen von den Stühlen und greifen im Laufschritt nach Jacken und Helmen im Regal. Vor dem Faxgerät drängen sich Einsatzleiter Emanuel Haring und die beiden Gruppenführerinnen Heike Stening und Marie Mensing . Surrend rutscht das Papier aus dem Gerät: „Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person“ liest Emanuel laut vor und nennt den Einsatzort: Ferienhof Wenker, Ramsberg.

Nur wenige Minuten nach dem Notruf verlassen drei Löschfahrzeuge den Hof. In einem Wagen sitzen sechs Jungen und ein Mädchen auf den Bänken und nesteln schweigend an Klettverschlüssen, Handschuhen und Helmriemen. Aus der Fahrerkabine teilt Marie Mensing die Teams ein und gibt erste Anweisungen für das Verhalten am Unfallort: „Denkt daran“, ruft sie nach hinten, „nach dem Absitzen vor dem Fahrzeug aufstellen.“ Das ist wichtig für die Einsatzbesprechung vor Ort. Immer unmittelbar dabei: die Ausbilder.

Nach der Ankunft geht alles rasend schnell, doch die Jugendlichen arbeiten ruhig und strukturiert: Die Straße wird gesichert, der Löschtrupp rückt aus und parallel wird die Menschenrettung eingeleitet. Ein „Notarzt“ ist vor Ort und bespricht mit Marie Mensing den Zustand des Patienten. Schnell wird klar: Die verletzte Person kann nicht ohne Weiteres aus dem Auto gezogen werden. Das Dach muss ab! Jetzt ist schweres Gerät gefragt. Auf einem gelben Folienpunkt haben die Einsatzkräfte alles deponiert, was in den kommenden Stunden gebraucht werden könnte. Den Erste-Hilfe-Koffer, einen Kanister Ölbindemittel, eine Auffangwanne für Motoröl, Kanthölzer für Unterbauten, um den Wagen zu stabilisieren, und die hydraulisch gesteuerten Geräte Schere und Spreizer.

Von der Seite hat sich ein „Gaffer“ eingeschlichen und nervt die Feuerwehrleute mit Fragen nach dem Unfallhergang. Den will allerdings auch die Polizei wissen, die kurz nach der Feuerwehr eingetroffen ist. „Haben Sie Kennzeichen oder Fahrzeugpapiere für uns?“, fragen die Kollegen aus dem Ahauser Revier den Einsatzleiter. Sie testen, ob Emanuel Haring belastbar ist. Nebenbei plärren Gesprächsfetzen aus den Funkgeräten. Trotzdem darf der 14-Jährige den Einsatz nicht aus den Augen lassen. Wieder setzt der Pieper einen Alarm ab: „Umgestürzter Baum“ auf der Straße nach Eggerode. Was nun? Welche Kapazitäten sind frei? Die Löschgruppe um Heike Stening rückt im Einsatzwagen ab.

Zu zweit hat der Feuerwehrnachwuchs inzwischen die massige Rettungsschere bedient und A- und B-Säulen des Daches durchtrennt. Vorsichtig entfernen die Einsatzkräfte das scharfkantige Blech. Nun kann der Patient gerettet und medizinisch versorgt werden. Der „Abschleppdienst“ ist jetzt ebenfalls vor Ort und will wissen, wann er das Fahrzeug bergen kann. Denn: Die Feuerwehr sichert bis zum Schluss den Gefahrenbereich. „Das kann dauern“, wissen die Kollegen. Vom Warten auf die Dekra bis zum Säubern der Straße kann so ein Unfall Stunden in Anspruch nehmen. Zurück im Löschfahrzeug ist die Erschöpfung der Jugendlichen spürbar nah. Jetzt wünschen sie sich eine lange Pause. Doch: „Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz“, weiß Ausbilder Thomas Herdt und kommandiert: Stiefel putzen, gelben Punkt säubern und Fahrzeugpflege. Die kommenden Stunden halten noch einige Einsätze parat.

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