Bluesfestival
„Das ist ein tolles Miteinander“

Schöppingen -

Kaum ist das Festival vorbei, kümmert er sich schon um das Line-Up für das nächste Jahr: Richard Hölscher vom Kulturring – hinter dem ein großes Team an engagierten Organisatoren steht – ist hauptverantwortlich für das musikalische Programm.

Donnerstag, 12.05.2016, 06:05 Uhr

Feiernde Fans vor der Bühne, hier im Jahr 2007.
Feiernde Fans vor der Bühne, hier im Jahr 2007. Foto: Bernd Liesenkötter

WN-Redakteurin Anne Alichmann traf ihn zum Interview.

Das Bluesfestival findet zum 25. Mal statt: Was war für dich persönlich der Höhepunkt in der Geschichte der Veranstaltung?

Hölscher : Der Moment, als Genevieve Chadwick im letzten Jahr gespielt hat. Was da für Emotionen bei den Leuten hochkamen! Das war so unglaublich und für mich ganz aufregend.

Sie hat ja auch nach dem offiziellen Ende des Festivals noch mal gespielt . . .

Hölscher: Genau. Mit ihr war es auch menschlich ein ganz tolles Erlebnis. Sie hat ja auch bei uns zu Hause gewohnt, und sie kommt demnächst wieder nach Deutschland. Da freuen wir uns schon riesig drauf. Es ist schon toll, dass man zu einigen Leuten auch Beziehungen aufbauen kann.

Macht das auch den Charme des Festivals aus, die familiäre Atmosphäre?

Hölscher: Ich denke ja. Wir haben zu den meisten Musikern direkten Kontakt und geben uns sehr viel Mühe, dass sie sich bei uns wohlfühlen. Da kommt auch sehr viel Positives zurück, man hält den Kontakt. Viele, die einmal da waren, möchten gerne noch einmal bei uns spielen. Im Prinzip müsste ich gar keine neuen Künstler suchen . . .

Einige werden ja auch tatsächlich zu Wiederholungstätern. Henrik Freischlader zum Beispiel tritt zum vierten Mal auf.

Hölscher: Mit Henrik ist es etwas ganz Besonderes. Wir haben inzwischen ein recht freundschaftliches Verhältnis. Als er das erste Mal bei uns auftrat, hatte den noch keiner auf den Schirm. Jetzt hat er sich so gemausert – er gehört inzwischen zu den angesagtesten Gitarristen Deutschlands. Dieses Mal haben wir etwas ganz Spezielles mit ihm vor. Aber das verraten wir noch nicht.

Wie mancher Künstler, so hat sich auch das Festival mit den Jahren immer weiter entwickelt. Wie hat denn eigentlich alles angefangen?

Hölscher: Die Initiative lag damals bei den Jungs vom Motorradclub Schöppingen , und mit denen haben wir vom Filmclub und Kulturring uns gut verstanden. Es ging damals darum, ein neues Kulturangebot im Ort zu schaffen. Wir wollten da was Neues auf die Beine stellen.

Die erste Ausgabe war ja noch sehr viel kleiner.

Hölscher: Das war noch auf lokaler Ebene, wir hatten damals ja noch kein Geld. Was die Künstler angeht, haben wir uns die ersten Jahre im Münsterland umgeguckt, dann mal in den Niederlanden, und irgendwann kam der erste Musiker aus England. Später haben wir uns an amerikanische Künstler gewagt. Das ist alles ganz langsam gewachsen. Wenn mir einer vor 25 Jahren gesagt hätte, dass ich das heute noch mache . . .

Inzwischen hat das Festival eine ganz ordentliche Dimension erreicht.

Hölscher: Ja, wobei das Festival an sich ja gar nicht so groß ist: Mehr als 1500 Leute können wir ja gar nicht aufs Gelände lassen. Aber die Logistik zu bewerkstelligen, ist in einem 7000-Einwohner-Ort nicht ganz so leicht.

Hinter all der Arbeit steht ja auch ein großes Team an Ehrenamtlichen.

Hölscher: Ja, und es ist so toll, mit welcher Begeisterung und Selbstverständlichkeit alle dabei sind. Egal, wen man hier im Ort sonst noch fragt: Man kann immer auf Unterstützung zählen. In der Beziehung lass ich nichts auf Schöppingen kommen. Das ist ein tolles Miteinander und kein Gegeneinander. Dafür kann man nur Danke sagen!

Gab es in 25 Jahren auch Momente, in denen es nicht so gut lief?

Hölscher: Ganz viele. Wir hatten zum Beispiel einige Regen-Festivals, bei denen wir dann auch finanziell an die Grenzen gestoßen sind. Irgendwie kamen wir aber dank gewisser Förderer wieder auf die Beine. Ich erinnere mich, wie einmal ein Besucher abends spontan noch 500 Mark gespendet hat: „Ihr macht aber nächstes Jahr weiter!“

Weitermachen ist ein gutes Stichwort.

Hölscher: Ja, gut, jetzt müssen wir erst mal dieses Festival hinter uns bringen (lacht). Das ist dieses Jahr schon eine ziemliche Herausforderung.

Was wünschst du dir für die Zukunft des Festivals?

Hölscher: Puh, das weiß ich nicht. Ich hoffe einfach, dass ich auch weiterhin die Zeit finde, mich dafür zu engagieren – und dass es auch weiter kleine, glückliche Momente mit tollen Künstlern gibt.

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