Einziger Biobauer in Schöppingen
Über Umwege zum Biobauern

Schöppingen -

Johannes Hillmann ist der einzige Biobauer Schöppingens. Am Samstag (22. Oktober) eröffnet er von 10 bis 17 Uhr erstmals einen eigenen Bioladen auf seinem Hof an der Straße zwischen Schöppingen und Eggerode. Bis dahin war es aber ein langer Weg.

Donnerstag, 20.10.2016, 06:10 Uhr

Die Ferkel bleiben lange bei den Muttertieren. Die Gänse halten sich dagegen auf der benachbarten Streuobstwiese auf.
Die Ferkel bleiben lange bei den Muttertieren. Die Gänse halten sich dagegen auf der benachbarten Streuobstwiese auf. Foto: Rupert Joemann

„So weit war mein Horizont gar nicht“, blickt der 52-Jährige zurück. Eigentlich hatte Johannes Hillmann eine „normale“ bäuerliche Ausbildung genossen. Er absolvierte die Ausbildung zum Landwirt, „in der konventionellen Landwirtschaft“, wie Hillmann betont. Anschließend besuchte er die Höhere Landbauschule und arbeitete später bei einer Raiffeisen-Genossenschaft in Recklinghausen . Nichts deutete auf eine Laufbahn als Biobauer hin.

Auch nicht, als Hillmann – nachdem sein Arbeitgeber sich spezialisierte und umfirmierte – ganz mit der Landwirtschaft aufhörte und noch eine Ausbildung zum Immobilien-Kaufmann absolvierte. „Damit war ich fertig als ich 40 war“, erzählt Johannes Hillmann. Zu dem Zeitpunkt standen nur ein paar Pferde zur Pension in den Ställen. Nach dem Tod seines Vaters Eugen 1998 lag der Hof mit den umliegenden 3,5 Hektar Land weitestgehend brach.

„Ich war zu faul, die Flächen zu schneiden“, gibt der 52-Jährige schmunzelnd zu. Er überlegte sich, wie er die eigene Fläche nutzen konnte. Dabei stieß er 2007 auf die Bunten Bentheimer – eine alte Schweinerasse, die wegen des sich ändernden Verbraucherverhaltens seit den 1950-Jahren kurz vor dem völligen Verschwinden stand.

Über das Interesse an den Bunten Bentheimern entstand der Kontakt zum Naturlandhof Büning in Laer . Schnell standen 40 Sauen auf Hillmanns Hof zur Ferkelzucht. Der erste Schritt in die Biolandwirtschaft war getan.

Mit der Zeit wurde es immer mehr. 2012 wickelte er zum letzten Mal eine Immobilie für einen Kunden ab. Jetzt setzt er mit seiner Frau Sandra ganz auf die Biolandwirtschaft. Auch hat er angefangen, selbst Schweine zu mästen.

Der Neustart bei praktisch null war für Johannes Hillmann eine glückliche Fügung. Er hatte nicht, wie viele konventionelle Bauern, vorher hohe Summen aufgenommen, um den von den Bauernverbänden propagierten Wachstum mitzumachen. „Ich hatte die nötige Flexibilität“, sagt der 52-Jährige. Er musste keine hohen Zins- und Tilgungsraten leisten. „Ich hätte das sonst nicht machen können“, sagt der Schöppinger.

Er weiß, dass es für viele Kollegen konventioneller Betriebe „eine schwierige Nummer ist, den Rückwärtsgang einzulegen“. Einfach mal so auf Biolandwirtschaft umzuschwenken, ginge nicht, weil die Kredite weiter bedient werden müssten.

Er selbst überlegt, sich ein Hühnermobil anzuschaffen. Denn die Nachfrage nach den Eiern der französischen Rasse Les Bleus ist weitaus größer als er bieten kann. Doch dann wird auch Johannes Hillmann eine stattliche Summe investieren müssen. Sein Ziel ist es, „den Betrieb zu optimieren und auszubauen“.

Während er mit zwei Teilzeitkräften die Arbeit in den Ställen und draußen erledigt, übernimmt Ehefrau Sandra die Büroarbeit. Dazu leben die fast zweijährige gemeinsame Tochter Emma und seine Mutter mit auf dem Hof.

Die Sauen, die die Wiese kurz halten sollten, musste Johannes Hillmann in den Stall holen. Die Angst des Veterinäramts vor der von Wildschweinen übertragenen Afrikanischen Schweinepest war zu groß. Die zu erfüllenden Auflagen wären zu hoch gewesen, so Johannes Hillmann.

Jetzt grasen sehr genügsame Heidschnucken dort. „Die haben wir in diesem Jahr zum ersten Mal verwertet.“ Die zehn, zwölf Tiere gingen aber mehr in Richtung Hobby.

Auf einer großen Streuobstwiese tummeln sich Gänse für die Weihnachtszeit. Die Streuobstwiese hat er 2008 als Ausgleichsfläche angelegt. Dort stehen viele alte Sorten wie Dülmener Rose, Jakob Lebel oder Boskop.

Die Hühner, die sowohl fürs Eierlegen als auch als Masthähnchen genutzt werden, laufen frei herum. „Weiter als 50 Meter laufen die nicht weg“, ist der 52-Jährige völlig entspannt.

„Auf dem Hof ist nichts automatisiert“, sagt Hillmann. Das Einstreuen, Misten und Füttern passiert von Hand. Rund 40 Arbeitsstunden pro Jahr rechnet der Bauer für jede Sau.

Mindestens 50 Prozent der verwendeten Mittel auf dem Hof müssen entweder vom eigenen beziehungsweise gepachteten Land oder von anderen Biolandwirten stammen. Mit anderen Biobauern hat er Bewirtschaftungsverträge über 25 Hektar abgeschlossen.

Johannes Hillmann nutzt Biertreber der Brauerei Pinkus. „Biertreber ist das, was beim Brauen übrig bleibt“, erklärt er. Der Schöppinger selbst gibt an Kollegen Mist ab. Mit Gülle, Mist und Gesteinsmehl düngen die Biobauern. Dazu kauft Johannes Hillmann speziell für die Biolandwirtschaft freigegebene Ergänzungsmittel. Die Quote von 50 Prozent erreicht Hillmann nach eigener Aussage mit 55 bis 60 Prozent deutlich.

All das hat für den Verbraucher seinen Preis. Doch von der hohen Qualität der Bunten Bentheimer und Les Bleus will Johannes Hillmann auf keinen Fall runter: „Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit. Wir haben eine klare Linie und damit eine Chance, uns von den anderen abzusetzen.“

Öffnungszeiten

Der Hofladen von Sandra und Johannes Hillmann, Heven 1, ist freitags von 14.30 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

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