Studentin Lucy Fuchs arbeitet in einer afrikanischen Grundschule
Namibia – krasser Gegensatz

Schöppingen -

„Du hast die Gelegenheit zu trainieren und dich dadurch zu entwickeln – Train-Occasion“. Besser hätte der Name für die Grundschule in Otjiwarongo (Namibia), an der die Schöppingerin Lucy Fuchs seit September ein Praktikum absolviert, nicht gewählt werden können.

Mittwoch, 16.11.2016, 06:11 Uhr

Für ein Selfie sind die Jungs in Otjiwarongo für jeden Spaß zu haben. Die Schöppingerin Lucy Fuchs absolviert derzeit ein Praktikum in Namibia.
Für ein Selfie sind die Jungs in Otjiwarongo für jeden Spaß zu haben. Die Schöppingerin Lucy Fuchs absolviert derzeit ein Praktikum in Namibia. Foto: Lucy Fuchs

24 Mädchen und Jungen – überwiegend mit Entwicklungsstörungen und -verzögerungen, aber auch mit geistiger Behinderung, werden hier von vier fest angestellten Lehrern unterrichtet. Drei Praktikanten helfen ihnen dabei. Eine davon ist momentan Lucy Fuchs .

Im Rahmen ihres Studiums „Soziale Arbeit“ an der Katholischen Hochschule in Münster hat sich die 23-Jährige für das Praxissemester im südlichen Afrika entschieden. „Lucy wusste, dass sie in Namibia eine andere Lebensweise erwartet“, sagt Mutter Maria Fuchs . „Aber zum Teil sind es schon krasse Gegensätze, mit denen sie konfrontiert wurde.“

„Jedes Kind hier in der Schule hat seine eigene Geschichte“, hat Lucy ihren Eltern berichtet: „Die Kinder haben teilweise Dinge erlebt, die für uns in Deutschland kaum vorstellbar sind. Mir gehen die Schicksale sehr nahe.“ Wie das des Jungen Filemon beispielsweise.

Filemon ist mit seinen 16 Jahren eigentlich zu alt für die Grundschule . Trotzdem wurde er aufgenommen, da er in einer Regelschule mit rund 40 Kindern pro Klasse untergegangen wäre. Filemon spricht kaum, obwohl er eigentlich sprechen kann. Niemand weiß, was dem Jugendlichen widerfahren ist. Seine Eltern sind tot, er lebt in einem Heim drei Kilometer von der Schule entfernt. Zu Fuß legt er den Weg täglich zurück. Der Junge besitzt kaum Kleidung, wenig eigene Sachen.

„Über die Zustände im Heim bin ich sehr schockiert“, erzählt Lucy: „15 bis 20 Stockbetten aus Metall stehen in jedem Zimmer mit grauen, schmutzigen Wänden. Die Kinder schlafen auf dreckigen Matratzen und unter verdreckten Decken. Von Wohlfühlatmosphäre kann hier keine Rede sein.“

Mit anderen Praktikanten hat Lucy Filemon zumindest für einen Tag aus seiner trostlosen Umgebung herausgeholt, mit ihm und einem anderen Jungen einen Ausflug unternommen und ihm ein neues T-Shirt gekauft.

Auch die siebenjährige Pinky hat die Schöppingerin in ihr Herz geschlossen. Das Mädchen ist so klein und zierlich, dass ihr Kleidung von Zweijährigen passt. Obwohl Pinky mit ansehen musste, wie ihre Mutter auf offener Straße ermordet wurde, ist die Kleine aufgeweckt und fröhlich. Sie lebt bei ihrer Großmutter. Viel Geld hat die Familie nicht. Pinky trägt jeden Tag den gleichen Pullover und den gleichen Rock.

Neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit in Otjiwarongo versucht Lucy Fuchs, den Kindern immer mal wieder zumindest eine kleine Freude zu machen: „Die Dankbarkeit in den Augen der Kinder ist einfach unbeschreiblich“, sagt die 23-Jährige.

Noch bis Ende Januar bleibt sie in Namibia. Sie wohnt privat bei einer Familie, zahlt Unterkunft und Verpflegung – wie auch den Flug – aus eigener Tasche. Die Gastfamilie kann durch das Geld, das ihnen Lucy zahlt, wiederum das Schulgeld für ihre beiden eigenen, behinderten Kinder begleichen.

Im Dezember, wenn die Schule für ein paar Wochen schließt, will die Schöppingerin noch einmal durch Namibia reisen, um ein wenig mehr von Land und Leuten kennenzulernen. Tiere in freier Wildbahn sehen, die es in Deutschland nur im Zoo zu bestaunen gibt. Um dann noch einmal für einen Monat zurückzukehren: „Mir gefällt die Arbeit hier gut“, bekräftigt die junge Frau: „Ich merke, dass meine Hilfe gebraucht wird und ankommt.“

Am 2. Januar setzen sich Maria und Norman Fuchs in den Flieger, um ihre Tochter zu besuchen. „Lucys Schilderungen haben uns dazu bewogen, Spenden für die Kinder mitzunehmen“, sagt Maria Fuchs.

Ein Problem besteht darin, dass jeder nur 23 Kilo Gepäck mit sich führen darf. Die beiden selbst werden ihre Kleidungsstücke so auswählen, dass sie sie vor der Rückreise verschenken können.

Normans Vater hat Leibchen organisiert, die die Kinder im Sportunterricht tragen können. Außerdem würde Maria Fuchs gerne Matchbox-Autos, Karnevalsschminke, Lego- und Playmobilfiguren einpacken. „Es nimmt wenig Platz weg. Dieses Spielzeug ist für die Eltern dort unerschwinglich.“

Wer noch Kleinteile dieser Art übrig hat, Maria und Norman Fuchs, ✆ 02555 98831, nehmen Sachspenden gerne entgegen. Auch Geldspenden sind willkommen. Maria Fuchs: „Jeder Cent zählt.“ Allerdings können die Privatleute keine Spendenquittung ausstellen. Die Schöppinger würden vor Ort Kleidung und das Nötigste, das die Kinder brauchen, von dem Geld kaufen.

Eine andere Möglichkeit der Hilfe besteht darin, eine Kinderpatenschaft zu übernehmen. Maria Fuchs: „Wir werden dies als Familie vermutlich für Pinky tun.“

Die von der Deutschen Jenny Köstel geleitete Schule kann bei Vermittlungen von Patenschaften behilflich sein und darf bei Geldspenden auch Spendenquittungen auszustellen. 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4438304?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F103%2F156%2F4848853%2F4848855%2F
Nachrichten-Ticker