Serie zum Advent: Biblische Berufe
Tante Emma 2.0

Schöppingen -

Auf dem Weg von der Mühlenstiege zum Haus der Familie Blick duftet es weihnachtlich nach Früchten und frischen Waffeln. Ein großes, grünes Schild weist an der Straße darauf hin: Hier soll es hausgemachte und extravagante Spezialitäten geben. Und zwar von Doris Blick in einer kleinen Marmeladen-Manufaktur.

Donnerstag, 08.12.2016, 08:12 Uhr

Wer den Laden von Doris Blick betritt, unternimmt eine Reise in eine scheinbar längst vergangene Zeit der traditionellen, kleinen Geschäftslokale.
Wer den Laden von Doris Blick betritt, unternimmt eine Reise in eine scheinbar längst vergangene Zeit der traditionellen, kleinen Geschäftslokale. Foto: Yannick Dietrich

Auf dem Weg von der Mühlenstiege zum Haus der Familie Blick duftet es weihnachtlich nach Früchten und frischen Waffeln . Ein großes, grünes Schild weist an der Straße darauf hin: Hier soll es hausgemachte und extravagante Spezialitäten geben. Nach einigen Metern ist der kleine Laden erreicht, in dem Doris Blick ihre Gäste mit heißem Glühwein und herzlichen Worten empfängt. Seit 2013 betreibt sie eine Marmeladen-Manufaktur als „One Woman Show“, wie sie selber sagt. Anfangs in Hamburg, jetzt in Schöppingen .

„Schön hast du’s hier“, sagen viele Besucher. Der Raum ist Produktionsstätte und urgemütlicher Laden zugleich. Eine Küche im Landhausstil, eine antike Vitrine und Kisten mit der fetten Aufschrift „Müller Bräu Schöppingen“ – alles wirkt wie aus einer anderen Zeit, aber kein bisschen angestaubt, eher zeitlos und modern.

Das passt perfekt zu den Marmeladen, Backzutaten und Leckereien, die Doris Blick in Bio-Qualität und nach modernen Rezepten herstellt und verkauft.

Es gibt sie also noch, die charmanten Kaufläden mit persönlicher Rundumbetreuung. Aber wie sieht die Arbeit in so einer Manufaktur im Jahr 2016 aus? Was ist über die Jahrtausende aus den kleinen Händlern geworden?

Eines ist jedenfalls klar: Bio waren die Lebensmittel vor 2000 Jahren auch schon. „Es ging ja gar nicht anders“, sagt Doris Blick und lacht. Zugegeben, in den Genuss von Rhabarber-Ketchup oder Schöppinger Apfelstrudel-Marmelade ist damals wohl noch niemand gekommen. Diese ausgefallenen Kreationen stammen aus der Feder der Schöppingerin: „Aber im Prinzip mache ich heute nichts anderes als die Menschen früher.“

Früchte sammeln, waschen, entstielen, einkochen, abfüllen, etikettieren – alles macht Doris Blick in ihrer Manufaktur mit dem passenden Namen „Gartenblick“ von Hand. Technische Helferlein braucht sie dafür so gut wie gar nicht. „Es ist viel Arbeit“, stellt die gebürtige Bayerin fest, „aber mir geht es dabei auch nicht ums Geld, sondern um die Sache.“

Denn waren selbst gemachte Lebensmittel zum Beispiel bei den alten Römern, im Mittelalter oder noch für unsere Eltern oder Großeltern selbstverständlich, sind sie heute zu Luxus geworden. Industrielle Massenproduktion hat liebevolle Handarbeit abgelöst. „Dementsprechend unbewusst ernähren sich viele Menschen“, erklärt Doris Blick.

Das möchte die zweifache Mutter ändern. Deshalb legt sie viel Wert auf regionale und nachhaltige Zutaten und darauf, zu wissen, wo die Rohstoffe herkommen. „Ich kann zum Beispiel zu jedem Produkt genau sagen, wo ich die Früchte gepflückt habe“, erzählt sie stolz. Und so kaufen ihre Kunden nicht nur köstliche Leckereien, sondern lernen sofort die Entstehungsgeschichte hinter dem Produkt kennen.

Das ist Bestandteil des Marketingkonzepts für „Gartenblick“. Doris Blick hat zwar im Kommunikationsbereich studiert und ihr kleiner Laden ist natürlich auch auf Facebook zu finden, aber auch in Zeiten des Internets und der ultraschnellen Kommunikation setzt sie vor allem auf die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda. Früher war das für Händler die einzige Art und Weise, ihre Produkte und Dienstleistungen einem breiten Publikum bekannt zu machen.

Ein Leben als Händler ist damals wie heute also nicht unbedingt leicht. Vieles ist gleich geblieben, vieles hat sich verändert. Mit ihrer kleinen Manufaktur ist Doris Blick im Zeitalter von Discountern und Supermärkten heute eine absolute Ausnahme. Gegen deren Konkurrenz kommt die Schöppingerin nicht an.

Das ist aber auch nicht ihr Ziel. „Mir geht es darum, die Welt im Kleinen zu verbessern“, sagt sie. Deshalb steckt Doris Blick so viel Herzblut in ihr Marmeladen-Business. Und ohne das geht es nicht.

Händler waren die Lebensadern antiker Gesellschaften

Dass für die antike Welt der Handel und damit auch Händler unabdingbar waren und zu den Lebensadern antiker Gesellschaften gehörten, ist eine Binsenweisheit. Dass sie in die Bibel Eingang gefunden haben und dabei beiläufig ihre Arbeit beschrieben wird (vgl. etwa 1 Kön 10,15), wundert nicht. Auffällig sind demgegenüber zwei Erzählungen aus dem Neuen Testament, die zwei sehr unterschiedliche Perspektiven auf die Krämer des 1. Jh. n. Chr. werfen. Im Matthäus­evangelium (13,45f.) findet sich das Gleichnis von einem Perlenhändler, der auf der Suche nach Spitzenqualität ist und beim Entdecken einer Top-Perle alles auf eine Karte setzt, sein gesamtes Vermögen verkauft, um diese eine Perle zu erwerben. Ein Gleichnis, das den Händler zum positiven Vorbild für die Leserinnen und Leser nimmt, die mithilfe dieser Erzählung etwas über das Himmelreich lernen sollen, für das es sich ebenso lohnt, alles auf eine Karte zu setzen. Ganz anders im Jakobusbrief (4,13–17), der echte Krämerseelen im Blick hat. Dort begegnet eine eindringliche Warnung an alle Händler, die auf schnellen Gewinn aus sind: „Ihr aber, die ihr sagt: Heute oder morgen werden wir in diese oder jene Stadt reisen, dort werden wir ein Jahr bleiben, Handel treiben und Gewinne machen.“ Solch gierigen Händlern ruft der Brief in Erinnerung: „Ihr wisst doch nicht, was morgen mit eurem Leben sein wird. Rauch seid ihr, den man eine Weile sieht, dann verschwindet er.“

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Vom 10. Dezember bis Weihnachten öffnet Doris Blick ihren kleinen Laden an der Mühlenstiege jeden Mittwoch- und Samstagvormittag. Odern nach telefonischer Absprache unter ' 0178 8464738.

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