Weltgeistliche in Schöppingen
Eine Feier freundlicher Menschen

Schöppingen -

(Generationen-)Wechsel in der Gemeinde St. Brictius. Für den 34-jährigen Pater Prasad tritt der 63-jährige Pfarrer Eberhard eine Stelle als Weltgeistlicher an. Das diesjährige Weihnachtsfest ist für Pfarrer Eberhard aber nicht das erste in Deutschland.

Samstag, 24.12.2016, 06:12 Uhr

Während Pater Prasad (r.) die Pfarrgemeinde bald verlässt, lebt sich Pfarrer Eberhard als sein Nachfolger gerade ein.
Während Pater Prasad (r.) die Pfarrgemeinde bald verlässt, lebt sich Pfarrer Eberhard als sein Nachfolger gerade ein. Foto: Rupert Joemann

Während Schöppingen für den indischen Pater Prasad die erste Station in Deutschland war, hat Pfarrer Eberhard aus Tansania schon in über 20 Pfarreien ausgeholfen.

Mit Pfarrer Eberhard kommt ein ausgesprochener Bibelexperte ins Vechtestädtchen. Der Tansanier hat sechs Jahre lang in Rom studiert und seinen Doktortitel erworben. Aus dieser Zeit stammen auch seine guten Deutschkenntnisse. „Wir mussten drei europäische Sprache können“, erzählt Pfarrer Eberhard. Englisch als Amtssprache Tansanias wurde ihm angerechnet. Er lernte noch Deutsch und Französisch. Dazu kam natürlich Italienisch.

Während seiner Zeit in Rom verbrachte er jedes Jahr zwei bis drei Monate in Deutschland. Pfarrer Eberhard arbeitete aber auch schon ein Jahr lang in Nordhorn. Zuletzt lehrte der 63-Jährige in seiner Heimat an einer Universität katholische Theologie. Über den Wechsel nach Schöppingen freut er sich: „Das ist gut für mich, neu aufzutanken.“

Wenn er nach Tansania zurückkehrt, vermutlich in zwei Jahren, soll Pfarrer Eberhard mit einigen anderen Priestern, die derzeit in der Schweiz, Italien und den USA arbeiten, seine seelsorgerischen Erfahrungen zusammentragen und ein Konzept erstellen.

Doch nicht nur in der Seelsorge gibt es Unterschiede. Die Christmette am heutigen Samstag um 17 Uhr in der St.-Brictius-Kirche wird Pfarrer Eberhard vermutlich eher als eine kurze Messe empfinden. In Tansania dauern besondere Messen wie zu Weihnachten schon mal gerne drei Stunden. Normale Messen dauern eineinhalb bis zwei Stunden. „Wir haben Zeit“, sagt er mit einem Grinsen im Gesicht.

Der Grund für die Länge: „Jeder muss etwas vorbereiten.“ So gibt es Familiengruppen, die den Gottesdienst mitgestalten. Und dazu gehört auch das Tanzen und Singen. Ein tansanisches Sprichwort sagt: „In einem Dorf, in dem man nicht tanzt, herrscht Trauer oder Streit.“ Und Weihnachten ist schließlich das Fest der frohen Botschaft der Geburt Jesu.

Und noch etwas ist anders: die Krippenfiguren sind meistens dunkel. Das liegt allerdings nicht daran, dass die Tansanier glauben, Jesus sei ein Farbiger gewesen, sondern hat ganz praktische Gründe. Das Holz, aus dem die Figuren sind, ist dunkel. Die Tansanier fragen den Doktor der Theologie manchmal, warum die Figuren dunkel seien, Jesus sei doch Israelit gewesen. „Darauf habe ich keine gute Antwort“, sagt er schmunzelnd.

Obwohl Pfarrer Eberhard Deutschland schon gut kennt, ist er „gespannt, wie man in Schöppingen Weihnachten feiert“. Der Grund für seine Neugier: Er sei von den Schöppingern besonders freundlich aufgenommen worden. „Wie feiern so freundliche Menschen Weihnachten?“, fragt er sich.

Pater Prasad weiß es. Nach zwei Jahren verlässt er die Gemeinde. Am 19. Januar fliegt er bis zum 3. März in den Heimaturlaub. Dann kommt er bis Juni noch einmal nach Schöppingen, ehe es für ihn weitergeht nach Dinslaken.

„Jedes Land feiert Weihnachten anders“, sagt der 34-Jährige. In seiner Heimatstadt treffen sich die Gläubigen am Meer, singen und tanzen.

Auch Pater Prasad lobt die besondere Freundlichkeit der Schöppinger. Er habe ein bisschen Zeit gebraucht, sich einzuleben. „Wenn die Leute einen besser kennen, haben sie ihre Herzen geöffnet“, hat der Inder festgestellt.

Anfangs hatte er Sprachprobleme. Gemeindemitglieder haben ihm mit ehrenamtlichem Sprachunterricht geholfen, diese abzubauen. „Ohne diese Leute könnte ich nicht hier sein“, sagt Pater Prasad dankbar.

Beide haben die Erfahrung gemacht, dass es den Gemeindemitgliedern egal ist, dass sie nicht aus Deutschland kommen. „Sie haben Vertrauen zu dir als Priester“, sagt Pfarrer Eberhard.

Toll finden die beiden Weltgeistlichen auch das Miteinander im Seelsorge-Team. „Es wird viel miteinander diskutiert“, loben sie den Führungsstil von Pfarrer Thomas Diedershagen.

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