Martin Ramschulte fährt mit dem Rad nach Berlin
Im Herzen noch immer Landwirt

Schöppingen -

„Die größte Befürchtung, die ich hatte, war die, dass meine Füße abfrieren“, gesteht Martin Ramschulte. „Aber nachdem mir eine Verwandte versichert hatte, das würde bestimmt nicht passieren, habe ich es gewagt.“ „Es“, das war die Radtour nach Berlin. Mitten im Winter. Bei Schnee und Minusgraden. Aber mit viel Spaß und Motivation.

Mittwoch, 25.01.2017, 06:01 Uhr

Auch als Rentner will Martin Ramschulte weiter für die Belange der Landwirte eintreten. Deshalb fuhr er am Wochenende mit dem Fahrrad nach Berlin.
Auch als Rentner will Martin Ramschulte weiter für die Belange der Landwirte eintreten. Deshalb fuhr er am Wochenende mit dem Fahrrad nach Berlin. Foto: Susanne Menzel

Die Demonstration der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) am Samstag letzter Woche war das eigentliche Ziel des Schöppinger Landwirts. „Wir haben es satt“ hatten die Organisatoren ihre Veranstaltung betitelt. Ein Aufruf, der Ramschulte aus der Seele spricht. „Ich bin zwar seit ein paar Monaten Rentner, ich bin und bleibe aber im Herzen Bauer“, bekräftigt er. „Und als solcher trete ich natürlich auch für die Belange der Landwirte ein. Auch in Berlin .“

Es war nicht die erste größere Radtour des 63-Jährigen. Berlin war bereits zuvor schon einmal sein Ziel, aber auch Rom und Santiago de Compostela hat er sich bereits erradelt. Aber halt im Sommer. „Ich habe schon vorher immer mit bangem Gefühl auf die Wetter-App meines Handys geschaut“, gibt Ramschulte lachend zu. „Aber da ich nun einmal die Genehmigung meiner Familie hatte, die Strecke zu fahren, bin ich halt auch an den Start gegangen.“ Mit Funktionswäsche ausgerüstet, das Rad mitunter dick eingeschneit, ging es über die mit Schnee bedeckten Straßen. „Manche Radwege waren gar nicht passierbar. Zweimal habe ich mich auch abgelegt“, gibt Martin Ramschulte zu. „Dann habe ich halt meine Warnweste übergestreift und bin auf den Bundesstraßen gefahren. Die waren weitestgehend geräumt. Und die Autofahrer waren sehr achtsam.“

Sonntagabend ist er gestartet, die Endstation war am Donnerstagabend erreicht. „Eigentlich eine gute Leistung“, ist der Ramsberger schon stolz auf sich. Allein durch Feld und Flur, „mitfahren wollte leider niemand“, hat er vor allem die landschaftlichen Eindrücke in sich aufgesogen. „Aber es war teilweise schon krass zu sehen, wie steril manche Landstriche geworden sind. Nur Äcker – und Krähen. Eine vielfältige Vogelwelt war kaum zu sehen und zu hören“, bedauert er.

Demo in Berlin

Demo in Berlin Foto: Martin Ramschulte

Unterwegs hat er sich vor Ort ein Hotel zum Übernachten gesucht, manchmal war’s auch nur eine Art Jugendherberge. „Da bin ich dann morgens neben einem Japaner aufgewacht“, schmunzelt Martin Ramschulte. Internationale Begegnungen, nette Kontakte. So manche Überraschung, mit der er nicht gerechnet hatte, gab’s trotzdem: „Klar, ich hatte mich mit Wasser versorgt. Dass die Flasche allerdings bei den Minustemperaturen einfriert, hatte ich vorher nicht einkalkuliert.“ Aber er habe an fast jeder Ecke einen Discounter oder eine Tankstelle gefunden.

In Berlin habe er dann die Tage mit seinen Landwirts-Kollegen sehr genossen: „Man hat ja sofort ein gemeinsames Gesprächsthema. Und ich bin als einziger Radfahrer am Samstag bei der Demonstration vor dem Treckerzug geradelt“, erzählt er. „Abends haben wir noch gefachsimpelt. Es herrschte schon eine große Einigkeit darüber, dass die Agrarindustrie nicht komplett ins Industrielle übergehen sollte, sondern es auch Ziel sein muss, die bäuerliche Landwirtschaft mit ihrer Artenvielfalt zu erhalten.“ Er selbst sei auch früher den Beratern gefolgt und habe beispielsweise Wiesen und Zwischenhecken beseitigt. „Das war ein Fehler. Heute weiß ich das.“

Auf dem Rückweg ist Ramschulte nicht mehr in die Pedale getreten, sondern hat auf den Zug gesetzt. Erst in Bad Bentheim ist er für die letzten Kilometer noch einmal aufs Rad gestiegen. „Und da ist mir doch glatt 500 Meter vor meiner Haustür die Pedale abgefallen.“

Das nächste Ziel hat Ramschulte schon vor Augen: „Ich möchte 2018 noch einmal nach Santiago de Compostela. Diesmal inklusive Rückweg. 5000 Kilometer sind das zusammen. Momentan bin ich auf der Suche nach Mitstreitern.“ Ach so: Die Genehmigung für die Tour hat er übrigens bei seiner Familie noch nicht eingeholt. „Meine Frau Maria erfährt das jetzt aus der Zeitung.“

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