Jugendliche bauen in der Werkstatt der Talenteschmiede eine Bergbahn
Sägen, bohren, tüfteln

Schöppingen -

„Meine Kinder dürfen hier handwerklich alles machen: Sie können sägen, bohren, schleifen, schrauben“, sagt Gottfried Wolf und schaut lächelnd in die Runde. „Seine Kinder“, das sind in diesem Fall acht Sechstklässler der Sekundarschule, die einmal wöchentlich im Rahmen der Technik-AG für eine Doppelstunde die Schulbank mit der Werkstatt der Talente­schmiede tauschen.

Mittwoch, 05.04.2017, 06:04 Uhr

Ausprobieren 
Ausprobieren  Foto: Susanne Menzel

Seit 2011 fördert der 77-jährige Diplom-Ingenieur Gottfried Wolf hier mit einem Team von Ehrenamtlichen technisch interessierten Nachwuchs. „Und da sind immer ein, zwei besonders gute junge Menschen dabei“, freut sich der Coesfelder, der früher als Technischer Leiter und Entwicklungsleiter im Unternehmen Axa-Entwicklung tätig war. „Ohne handwerkliche Arbeit, ohne die Herausforderung, mich an Projekten zu versuchen, kann ich gar nicht. Ich muss immer etwas in der Hand haben“, gibt Wolf zu. Die Jugendlichen danken es ihm. Sie kommen gerne hierher, teilen die Leidenschaft ihres Mentors nicht nur in der Schulzeit. Viele nehmen auch an den handwerklichen Angeboten nachmittags teil. „Leider haben wir nicht so viele Anleiter, um alle Anmeldungen abdecken zu können“, bedauert Gottfried Wolf.

Momentan betreut er die Schul-AG gemeinsam mit Leon Vördering, bei Axa im dritten Lehrjahr in der Ausbildung zum Mechatroniker. Die beiden Männer werkeln mit den Sechstklässlern an einer fünf Meter langen Bergbahn . Das hölzerne Grundgerüst steht bereits, ein Teil der Schienen ist angebracht. Auch zwei Waggons sind einsatzbereit. Die letzten Feinheiten, Weichen, auf denen die Wagen einander aus dem Weg fahren können, müssen allerdings noch konstruiert werden. Gottfried Wolf hat dazu an diesem Morgen Material mitgebracht und erklärt Jannick Blettrup, Tobias Wagner und Tobias Bunnefeld, wie es am besten montiert werden kann: „Wir machen die Werkstücke mit einem Föhn warm, dann können wir sie in Form biegen. Die behalten sie dann auch bei, wenn das Material abgekühlt ist.“

Im Nebenraum hat sich Leon Vörding mit seiner „Truppe“ am Tisch niedergelassen. Mit Max Wigger, Elias Hausmann, Jona Sunke und Alex Hayzel brütet er an der elektronischen Schaltung. Schließlich soll die Bergbahn getreu ihrer Bezeichnung auch bergauf fahren können. „Wir sind gerade bei den ersten Entwürfen“, erklärt der 22-Jährige Osterwicker. „Ein wenig Zeit bis zur Realisierung benötigen wir noch.“ Für die Jungs – Mädchen haben sich leider nicht angemeldet – kein Problem. Sie sind gerne hier, tüfteln und tauchen mit ab in die Welt der Technik und ein ins handwerkliche Experimentieren. Die meisten von ihnen haben über Mund-zu-Mund-Propaganda erfahren, „dass der Kurs hier echt cool ist.“ Einige von ihnen, wie Tobias Wagner, „basteln auch zu Hause gerne“. Elias interessiert vor allem der mechanische Bereich: „Mein Vater ist Kfz-Mechaniker“, erzählt der Junge. „Vielleicht möchte ich später einmal seine Werkstatt übernehmen. Da ist das hier eine gute Vorbereitung. Ich kann hier vieles selbst ausprobieren.“ Ein ehrgeiziger junger Mann.

Die Projekte, die die Gruppen hier verwirklichen, kommen zum Teil ihren eigenen Interessen sehr nahe, wie beispielsweise die Laserpistolen aus Holz, zum anderen gibt ihnen auch Gottfried Wolf viele Ideen an die Hand. So haben die Jugendlichen bereits ein altes Radio wieder flott gemacht, eine Verpackungsmaschine gebaut, ein Wasserwindrad ist in Arbeit. Das soll bis zum Berkelfest am 23. Juli startklar sein. Wolf: „Wir werden dann mit diesem besonderen Wasserwerk Strom für eine mit LED-Leuchten bestückte Wandtafel liefern. Auf dieser Tafel ist der Berkel-Verlauf geometrisch von der Quelle bis zur Mündung aufgebracht.“

Den Standort Schöppingen hat Gottfried Wolf für die Talenteschmiede seinerzeit bewusst gewählt. Nicht nur, weil er ihn durch sein Berufsleben kannte. „Wir haben hier eine sehr enge Kooperation zu den Schulen, aber auch zu den Schöppinger Unternehmen, die uns gerne mal für kleines Geld Materialien überlassen. Darüber hinaus gibt es einen jahrelangen Kontakt zum Pictorius-Berufskolleg in Coesfeld.“ Besser als auf diesem Weg, so ist der Diplom-Ingenieur überzeugt, „kann man die jungen Menschen eigentlich gar nicht an Berufe heranführen und ihnen damit eine Orientierung erleichtern.“

Die Talenteschmiede an der Amtsstraße 12 wird unterstützt von der KIT-Initiative Deutschland. Gottfried Wolf, ✆ 0160 8048673, arbeitet mit neun ehrenamtlichen Trainern in der Talenteschmiede. Thematisch im Angebot sind dabei Holztechnik, Elektrotechnik, Kfz-Technik, Metallbau sowie zweimal Metall-Elektro-Holz. Weitere Unterstützer werden gesucht. „Gerne Rentner aus allen beruflichen Sparten“, sagt Gottfried Wolf. Auch Frauen sind natürlich willkommen. Ebenso Mädchen, die die 33-köpfige männliche Nachwuchs-Gruppe im Alter zwischen neun und 16 Jahren unterstützen.

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