Zeitreise ins Spätmittelalter
Heimatverein enthüllt Wandbild mit Gedenktafel

Schöppingen -

„Wer ist bloß auf die Idee gekommen, diese wuchtige, massive Backsteinwand mit dem Profil eines spätmittelalterlichen Fachwerkturmes aufzulockern?“ Willi Kappelhoff schmunzelte bei dieser (rhetorischen) Frage. Selbstredend war es der Heimatverein, der die Silhouette nicht nur in Person von Willi Kappelhoff entworfen und angebracht hatte, sondern das Wandbild samt Gedenktafel auch feierlich enthüllte.

Mittwoch, 03.05.2017, 06:05 Uhr

Der Vorsitzende des Heimatvereins, Wilhelm Münch, hat am Sonntag die Turmsilhouette enthüllt. Sie erinnert an einen Turm, der Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Die Feuerwehrkapelle startete am Obertor ihren Maigang und sorgte so für musikalische Begleitung.
Der Vorsitzende des Heimatvereins, Wilhelm Münch, hat am Sonntag die Turmsilhouette enthüllt. Sie erinnert an einen Turm, der Anfang des 15. Jahrhunderts errichtet wurde. Die Feuerwehrkapelle startete am Obertor ihren Maigang und sorgte so für musikalische Begleitung. Foto: Susanne Menzel

Unter den Klängen der Feuerwehrkapelle, die das Obertor musikalisch als Ausgangspunkt für ihren Maigang nahm, und im Beisein zahlreicher Schöppinger – allen voran Bürgermeister Franz-Josef Franzbach sowie Pastor Thomas Diedershagen und Pastor i.R Wolfgang Böckers – gab es bei herrlichem Frühlingswetter sogar noch einen kleinen geschichtlichen Exkurs obendrein.

„Denn über die Existenz des Gefängnisturmes wissen in Schöppingen nur die wenigsten“, musste Heimatvereins-Vorsitzender Wilhelm Münch eingestehen. „Gut, dass sich deshalb der Heimatverein darum bemüht, hier ein wenig zu forschen und den Menschen die historischen Hintergründe näher zu bringen“, lobte Franz-Josef Franzbach.

Willi Kappelhoff hatte diese Aufgabe übernommen und war dazu mehrfach zum Münsteraner Stadtarchiv gereist. „Hier, direkt neben dem Osttor der Stadt, also innerhalb des befestigten Bezirkes, befand sich im 15. Jahrhundert ein selbstständiger Burgmannshof der Herren von Asbeck . Zu diesem Hof gehörte ein Turm, den Johann von Asbeck Anfang des 15. Jahrhunderts dort hatte errichten lassen“, fand Kappelhof heraus. Der Turm besaß ein massives Kellergewölbe sowie einen imposanten Fachwerkaufbau.

„Fürstbischof Heinrich von Münster machte 1435 den Ritter Johann von Asbeck zu seinem und seines Stiftes Burgmann in seiner Stadt Schöppingen und verlieh ihm dort ein Burglehen mit den üblichen Burglehenrechten. Damit übernahm Johann neben vielen anderen Aufgaben auch die Verpflichtung, den Turm zu unterhalten und jederzeit den Keller dem bischöflichen Richter oder dem Amtmann für die Unterbringung von Gefangenen zur Verfügung zu stellen. Als Entschädigung dafür erhielt er jährlich zu St. Martin ‚acht molte Wynter roggen Schöppinger mate‘ aus den Abgaben der Mahlgäste der beiden bischöflichen Mühlen in Schöppingen“, hat Willi Kappelhoff weiter herausgefunden.

Vermutlich, so nimmt das Heimatvereins-Mitglied an, „hat der Turm auch als Wachturm seine Funktion gehabt. Man baute ja auch damals nicht einfach zum Vergnügen Türme in die Landschaft. Aus den Fenstern hatte man einen ungehinderten Blick in die Landschaft, was wohl in den damals unruhigen Zeiten überlebenswichtig war.“

Zudem besaß Schöppingen auch keine eigene Gerichtsbarkeit, wie Geschichtskenner Lothar Tietmeyer kommentierte: „Die unterlag dem Fürstbischof.“

Der Turm selbst wurde übrigens dann 400 Jahre nach seiner Errichtung – also zu Anfang des 19. Jahrhunderts – wegen Baufälligkeit abgerissen.

Der Heimatverein verbindet mit der nun angebrachten Silhouette „die Hoffnung, etwas mehr Licht in die oft unverständliche Vergangenheit zu bringen. Getreu dem Grundsatz: Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann vieles in der Gegenwart nicht verstehen“, schloss Kappelhoff seine Ansprache. Und apropos Licht: „Abends ist der Blick auf die Turmsilhouette am Schönsten“, so Münch. „Dann scheint das Licht der Straßenlaterne so auf das Bild, dass man meint, das dritte Stockwerk des Turmes sei erleuchtet.“ Lebendige Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes.

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