Sorgen um Sekundarschulen
Schöppingen, Heek, Legden und Rosendahl sehen mittelfristig ihre Schulen gefährdet

Ahaus/Schöppingen/Heek -

Es klingt nach Friede, Freude, Eierkuchen. Aber bei genauerem Hinhören hört man das Knirschen im Gebälk der regionalen Schullandschaft, wenn die Stadt Ahaus über die neuerliche Sechszügigkeit ihrer Anne-Frank-Realschule (AFR) am Montag mitteilt: „Nachdem Konsenserklärungen von den Gemeinden Heek, Legden und Schöppingen nach intensiven Gesprächen erteilt wurden, hat die Bezirksregierung einer sechsten Eingangsklasse zugestimmt.“

Montag, 24.04.2017, 23:04 Uhr

Um die Gunst der Schüler werben die weiterführenden Schulen seit Jahren. Der demografische Wandel erschwert die Situation weiter.
Um die Gunst der Schüler werben die weiterführenden Schulen seit Jahren. Der demografische Wandel erschwert die Situation weiter. Foto: Felix Heyder/dpa

Doch dieses sah vor gut zwei Monaten noch ganz anders aus. Die Bürgermeister der drei Gemeinden und Rosendahls hatten ihre Zustimmung mit Schreiben vom 14. März noch verweigert. Grund für die ablehnende Haltung: Sie fürchteten, dass die vermehrte Anmeldung von auswärtigen Schülern an der AFR „auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung der Gemeinden mittelfristig zu einer Bestandsgefährdung auch dieser Schulen führen“. Gemeint sind die drei Sekundarschulen in Schöppingen , Heek und Legden .

Wie heikel das Thema ist, zeigt sich schon am zurückhaltenden Ton von Ulla Lütkehermölle: „Es laufen Gespräche“, so die Mitarbeiterin der Presseabteilung der Bezirksregierung. Mehr könne sie leider zum derzeitigen Zeitpunkt nicht sagen. Keine Stunde später, nachdem die WN-Redaktion ihr die Pressemittelung der Stadt Ahaus zugeschickt hatte, bestätigt Lütkehermölle: „Die im Text bezüglich der Bezirksregierung Münster getroffenen Aussagen sind zutreffend.“ Von anderer Seite ist zu hören, dass es am 9. Mai eine weitere Gesprächsrunde geben soll.

Die Stadt Ahaus und ihre Nachbarkommunen wollen „die bereits bestehenden örtlichen Schulentwicklungspläne mit einer überörtlichen gemeinsamen Schulentwicklungsplanung für die Sekundarstufe I und II . . . ergänzen. Die Bezirksregierung Münster hat diesen gemeinsamen Vorschlag der Kommunen ausdrücklich begrüßt und unterstützt“, heißt es in der Erklärung der Stadt Ahaus. Friede, Freude, Eierkuchen .

„Mit Sorge nehmen die vier Schulträger wahr, dass bei den letzten Anmeldeverfahren die Anmeldungen eher rückläufig waren und vermehrt Schülerinnen und Schüler an der Anne-Frank-Realschule Ahaus angemeldet wurden“, heißt es dagegn in dem von den Bürgermeistern unterschriebenen Brief. Die AFR meldet einen Zuwachs von 18 Schülern gegenüber dem Vorjahr.

Insgesamt 15 Schüler mehr sind für das Schuljahr 17/18 in den Eingangsklassen der Sekundarstufe I der Ahauser Schulen angemeldet worden als im Vorjahr. „Während die Anmeldungen von Ahauser Eltern . . . leicht rückläufig sind, haben die Anmeldungen aus den umliegenden Kommunen deutlich zugelegt“, erklärt die Stadt Ahaus. Das geht zu Lasten der umliegenden Schulen.

„Insbesondere die Sekundarschule Legden/Rosendahl ist dadurch aktuell im Bestand gefährdet. Für das kommende Schuljahr 2017/2018 wurden an der Schule nur noch 47 Schülerinnen und Schüler angemeldet. Gleichzeitig wollen 31 Schülerinnen und Schüler aus Legden zur Anne-Frank-Realschule Ahaus wechseln“, stellen die Bürgermeister fest.

Die Sekundarschule in Legden erhält nach Aussage von Ulla Lütkehermölle für das kommende Schuljahr, wie schon für das laufende Schuljahr, eine Ausnahmegenehmigung, da die erforderliche Zahl von 60 Schülern nicht erreicht wurde.

Doch auch für „die im Bestand nicht gefährdeten Sekundarschulen in Schöppingen und Heek birgt die Bildung einer sechsten Eingangsklasse . . . die Gefahr, dass zukünftig weitere Schülerinnen und Schüler aus Heek und Schöppingen diese Schule wählen“, so die Bürgermeister. Die Vergangenheit hätte gezeigt, dass vor allem Geschwisterkinder, Nachbarn oder Freunde der Schulwahl folgten.

Für die Bürgermeister ist „ein akuter Bildungsnotstand in der Region . . . nicht ersichtlich, da an den umliegenden Schulen ausreichend Aufnahmekapazitäten zur Verfügung stehen“.

In dem Schreiben weisen die Bürgermeister darauf hin, dass die AFR im Zusammenhang mit der Umverteilung der Schüler der Franziskus-Hauptschule zum Schuljahr 15/16 nicht die Möglichkeit geschaffen habe, differenzierte Bildungsabschlüsse anzubieten.

„Sollte die Schulform Sekundarschule als weiterführende Schule nicht mehr zur Verfügung stehen, könnte dies zukünftig dazu führen, dass insbesondere bildungsschwache Schülerinnen und Schüler zukünftig kein wohnortnahes Bildungsangebot in der jeweiligen Gemeinde in Anspruch nehmen können“, erklären die vier Bürgermeister.

Ab dem Schuljahr 18/19 sieht die Sache anders aus. Dann soll die Anne-Frank-Realschule höchstens fünfzügig laufen, so die Stadtverwaltung. Zu mehr reichten dann die Räume nicht.

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