Clique Limo-Ludolfs
Eigene Stretch-Limousine: Fahren unterm Sternenhimmel

Schöppingen -

Neun auf einen Streich. Für die Jungs der Clique Limo-Ludolfs ist das kein Problem. Das Zauberwort heißt Lincoln Town Car. Die 20- bis 22-jährigen Schöppinger passen alle in die weiße amerikanische Stretch-Limousine aus dem Jahr 1996. Es war eine spontane Idee der Freunde.

Samstag, 13.05.2017, 06:05 Uhr

Viel Platz haben die Cliquen-Mitglieder in ihrer Limousine. Das Anziehen der weißen Handschuhe gehört für Frederic Berghaus beim Fahren dazu.
Viel Platz haben die Cliquen-Mitglieder in ihrer Limousine. Das Anziehen der weißen Handschuhe gehört für Frederic Berghaus beim Fahren dazu. Foto: Rupert Joemann

Innerhalb einer Woche stand das 8,60 Meter lange Gefährt auf dem Hof Schultewolter in Gemen. Dienstags gründeten sie eine Whats-App-Gruppe, donnerstags trafen sie sich zum ersten Mal und schon freitags ging‘s ab nach Hamburg zum Kauf. Einen Namen haben sie für ihre Clique auch, die Limo-Ludolfs, „wegen der Schrottis im Fernsehen“, sagt Simon Große Lutermann.

Limo steht dabei wohl eher für Limousine statt Limonade. Das Fassungsvermögen des Kofferraums kennen sie genauso – sechs Kisten Bier.

Ganz geheuer war den jungen Männern die Übergabe in Hamburg wohl selbst nicht. „Das war so, als wenn du in Schöppingen abends auf dem Hallenbad-Parkplatz unter einer Funzel im Dunklen ein Auto kaufst“, erinnert sich Johannes Berghaus . Doch das Auto lief. Mittlerweile sind sie schon 7000 Kilometer gefahren. Gekauft haben sie das 209-PS-Auto mit 186 000 km.

Sie finden alle Platz in der Limousine.

Sie finden alle Platz in der Limousine. Foto: Rupert Joemann

Als Kennzeichen wählten die Freunde AH-LL 46. LL steht für Luxus-Limousine, die 46 für die 4,6 Liter Hubraum des Motors. Als besonders umweltfreundlich dürfte der Straßenkreuzer nicht unbedingt gelten. 25 Liter benötigt der Lincoln auf 100 Kilometer, „wenn man normal fährt“, sagt Torben Schultewolter schmunzelnd. „Du darfst nicht aufs Tacho gucken“, fügt Johannes Berghaus mit einem Lächeln hinzu.

Doch den Schöppingern ist das egal. Schließlich wollen sie nicht täglich die Brötchen mit dem Lincoln kaufen. „Wir wollten ein Auto, mit dem viele Leute mitfahren können“, erzählt Simon Große Lutermann.

„Ein Problem ist kleiner geworden“, gibt Daniel Woestmann freimütig zu: „Es muss nur noch einer fahren.“ Durch den Neunsitzer haben sie ein Auto gespart, wenn sie unterwegs sind.

Ein Bus und ein T3-Transporter kamen nicht in Frage, den haben schon andere Cliquen. So entschieden sie sich für die Luxus-Limousine. Sie wollten einen Wagen, den alle mit ihrem Führerschein fahren dürfen. So schieden einige Modelle, wie zum Beispiel Bundeswehr-Fahrzeuge, aus. „Der Wagen ist ein echter Blickfang“, sagt Simon Große Lutermann.

Kaum stand der Lincoln auf dem Hof, rückten die Freunde dem Ami mit schwerem Gerät auf die Pelle. Da die Stretch-Limousine auf keine Hebebühne passt, nutzten die Schöppinger einen Gabelstapler und Frontlader, um die Karre aufzubocken. So konnten sie Traggelenk und Sperrstandköpfe sowie zwei Räder wechseln.

Demnächst wollen die Freunde noch das Dach überarbeiten und den geräumigen Innenteil etwas aufpeppen. Vielleicht mit einer Nebelmaschine. „Wenn dann das Dach auf ist, sieht das aus wie eine Dampflok“, sagt Große Lutermann grinsend.

Der Sicherheit täte das keinen Abbruch. Zur Fahrerkabine hin gibt es eine elektrische Trennwand. Hinten kann gefeiert und vorne ruhig gefahren werden. „Man fährt automatisch langsamer“, sagt Frederic Berghaus. „Ein Lkw ist wendiger“, erklärt Torben Schultewolter. Man müsse vorher gut überlegen, wo man hinfahre, so Hendrik Roosmann. Der Lincoln ist ein Wagen zum Genießen, nicht zum Jagen.

Bei den Karpaten erhalten sie mittlerweile auf dem Busparkplatz einen Stellplatz. Die Jungs fallen mit ihrem 8,60-Meter-Schlitten auf. Häufig würden andere denken, was denn da für Schnösel mit der protzigen Stretch-Limousine vorfahren, erzählen die Freunde. Einmal hielten sie in Epe an einer Pizzeria und stiegen in Arbeitsklamotten aus, da machte die Bedienung große Augen.

Den Wagen nutzen sie nur selbst. Vermieten wollen sie den Lincoln nicht. Demnächst wollen die neun Freunde eine Wochenendtour zu einem See oder einem Musikfestival unternehmen. Den roten Teppich und den mit Lichtern projizierten Sternenhimmel im Wagen haben sie bereits.

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