35-jähriges Bestehen
Der Stolz der Gemener

Schöppingen -

Die grünen und roten Trainingsleibchen hängen ordentlich an den Haken. Die Kabine am Gemener Sportplatz ist super sauber. Hier können sich Fußballer wohlfühlen. Das tun sie auch – und das seit nunmehr schon 36 Jahren.

Montag, 22.05.2017, 06:05 Uhr

Am 28. Juni 1981 wurde die Anlage in Gemen mit einem Freundschaftsspiel offiziell eröffnet.
Am 28. Juni 1981 wurde die Anlage in Gemen mit einem Freundschaftsspiel offiziell eröffnet. Foto: Privat

Am 28. Juni 1981 wurde der Platz freigegeben. „Er war eigentlich für die Landjugend gedacht“, erzählt Alois Naber . Der damalige Landjugend-Vorsitzende Josef Wolbeck habe sich dafür sehr engagiert, so Naber.

Alois Naber erinnert sich noch an die Zeit, bevor es den Sportplatz gab. Damals kickten die Gemener auf Kockmanns Kuhweide. Die Tore waren aus Holz zusammengezimmert. „Die Netze haben wir selber aus Strohbändern geflochten“, sagt der 57-Jährige mit einem Grinsen im Gesicht.

Die widrigen Umstände vergrämte den Jungs das Fußballspielen nicht. Im Verein aber spielten sie nicht. Nur zwei, so Naber, hätten für Germania Asbeck die Schuhe geschnürt. Das war‘s. Die Gemener hatten damals eigentlich eher einen Bezug nach Heek als nach Schöppingen. Erst durch den Fußball und die Schulen veränderte sich das. „Dadurch haben die Kinder mehr Kontakt nach Schöppingen“, sagt der 49-jährige Berthold Schulze Wilmert, Vorsitzender der Sportfreunde.

Mit dem neuen Platz und dem sportlichen Erfolg des ASC Schöppingen änderte sich auch in der Bauerschaft einiges. 1982 stiegen die benachbarten Grün-Weißen in die Oberliga auf. „Da herrschte eine Euphorie“, erzählt Alois Naber. Eine Euphorie, die die Gemener anstachelte. Sie fuhren nicht nur ins Vechtestadion, sondern wollten selbst gegen das Leder treten.

Zu den Pfeilern der Sportfreunde gehören (v.l.) Alois Naber, Hubert Wigger und Berthold Schulze Wilmert.

Zu den Pfeilern der Sportfreunde gehören (v.l.) Alois Naber, Hubert Wigger und Berthold Schulze Wilmert. Foto: Rupert Joemann

Es gab sogar Überlegungen, einen eigenen Verein zu gründen. Doch aufgrund zu weniger Jugendlicher hätten die Gemener keine Jugendmannschaft stellen können. Das wiederum hätte zu Strafen durch den Fußballkreis geführt. Nach einem Gespräch mit dem ASC-Vorsitzenden Ernst Sasse wurde eine andere Idee umgesetzt: Die Gemener traten dem ASC bei und spielten als eigenständige vierte Mannschaft. Noch heute sind die Sportfreunde Mitglieder im ASC. Das erste Spiel bestritten die Gemener am 22. August 1982: Dank Treffer von Josef Große Leusbrock (2), Bernhard Janning und Werner Gausling schlugen sie DJK Dülmen III mit 4:2. Von 1982 bis 1996 nahm die Mannschaft aus der Bauerschaft am Spielbetrieb teil.

Und das durchaus erfolgreich. Die Eggeroder können davon ein trauriges Lied singen. „Oh ist das bitter, Eggerode ist Dritter“, wiederholt Hubert Wigger den Spruch, mit dem die Gemener 1989 singend durch den Wallfahrtsort fuhren.

Gerade hatten die Gemener durch ein Tor von Karl Limberg im Entscheidungsspiel in Rorup Vorwärts Lette III 1:0 bezwungen. Auf der Rückfahrt ging‘s mit der Fahne hupend im Autokorso durch Eggerode, die in der Liga nur Platz drei belegt hatten. Zurück in Gemen läutete Pastor Strickmann die Glocken der St.-Antonius-Kirche, ähnlich wie am 19. November 1969 in Brasilien zu Pelés 1000. Tor. Später schafften die Gemener noch einmal den Aufstieg von der C- in die B-Kreisliga.

Doch der sportliche Erfolg verflog aufgrund der überschaubaren Größe Gemens. Von 1997 bis 2015 spielten sie noch als aktive Altherren-Mannschaft, seitdem nennen sich die Fußballer Sportfreunde Gemen. „Das Umbenennen war ein voller Erfolg“, sagt Alois Naber. Jetzt fühlten sich auch Jüngere angesprochen, die vorher vom Namen Alte Herren abgeschreckt worden seien, so der gebürtige Eperaner Berthold Schulze Wilming, der die Sportfreunde seit 20 Jahren leitet. 15 bis 20 Kicker kommen nun mittwochs um 19.30 Uhr zu den Trainingsabenden – und finden beste Voraussetzungen vor.

Für die sorgt vor allem Hubert Wigger. Ohne den 80-Jährigen könnten sich die Fußballer wahrscheinlich gar nicht mehr in einer Kabine umziehen. „Der Gemeinderat hatte beschlossen, das Gebäude für 10 000 Mark abreißen zu lassen. Unter anderem war das Flachdach undicht“, erinnert sich Wigger an längst vergangene Zeiten. Als er davon hörte, lud er prompt die CDU-Fraktion und die Landjugend zum Grillen ein. Wigger machte einen Vorschlag: Die Gemeinde gibt die 10 000 Mark und die Gemener renovieren damit das Gebäude. So kam‘s und so ist es noch heute. „Die Anlage war schon immer unser stolz“, betont Alois Naber.

Die Gemener packen heute immer noch kräftig mit an. „Man muss nur einen Anruf tätigen, dann kommen sofort fünf bis zehn Leute“, sagt Alois Naber. Das Gemener Fußball-Urgestein hat in akribischer Fleißarbeit mit seiner Frau Ulla und Heike Ewering alte Fotos und Unterlagen digitalisiert und zu einem Album zusammengefasst. Auch wenn Alois Naber seit vielen Jahren in Schöppingen lebt, ist er im Herzen weiter ein echter Gemener Sportfreund.

Hubert Wigger hebt die gute Zusammenarbeit mit der Gemeindeverwaltung hervor. Die wissen, dass sie sich auf die Gemener verlassen können. Das Rasenmähen übernimmt seit 18 Jahren Hubert Wigger. Je nach Witterung sitzt er ein- oder zweimal pro Woche zwei Stunden auf dem kleinen Rasentrecker und dreht seine Runden. Manchmal helfen auch Familienmitglieder aus, sogar die Enkelin. Nur selten muss die Gemeinde einspringen.

Aber auch die Anlagen sind in einem ausgezeichneten Zustand. Zunächst kam ein Zaun, später wurden in zwei Etappen die vier Flutlichtmasten aufgestellt. Die ersten beiden organisierte Hubert Hölscher, die anderen beiden die Gemeinde. Den Rest erledigten natürlich die Mitglieder.

Die Platzqualität schätzen nicht nur die Gemener und Schöppinger. Auch SW Holtwick und Matellia Metelen haben hier oft trainiert. Oldenburg Ahaus hielt hier Trainingscamps ab. Nur der Jugend des FC Schalke 04 war die Anlage nicht fein genug. Trotz starker Regenfällen hatten die Gemener für ordentliche Platzverhältnisse gesorgt. Doch die Schalker ließen sich nicht wieder blicken. Den Gemenern ist das egal. Die Schalker gehen, die Gemener bleiben.

Feier- und Vatertagsturnier

Ihr 35-jähriges Bestehen feiern die Sportfreunde Gemen an Christi Himmelfahrt (25. Mai) ab 11 Uhr mit einer Geburtstagsfeier auf der Sportanlage. Um 14 Uhr beginnt dann das Vatertagsturnier mit acht Cliquen-Mannschaften.

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