CDU-Politiker Ruprecht Polenz zu Gast in der Sekundarschule
„Demokratie ist kein Zuschauersport“

Schöppingen -

Sein Plädoyer ist ruhig und sachlich, dafür aber eindringlich. „Demokratie ist kein Zuschauersport“, sagt Ruprecht Polenz. Der langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses ist am Mittwoch anlässlich des Verfassungstags zu Gast in der Sekundarschule Horstmar-Schöppingen.

Donnerstag, 25.05.2017, 06:00 Uhr
Am Ende der Feierstunde verteilten Ruprecht Polenz und die Bürgermeister das Grundgesetz an die Schüler. Zuvor hatte der ehemalige Bundestagsabgeordnete dafür geworben, eine „fundierte Wahlentscheidung“ zu treffen.
Am Ende der Feierstunde verteilten Ruprecht Polenz und die Bürgermeister das Grundgesetz an die Schüler. Zuvor hatte der ehemalige Bundestagsabgeordnete dafür geworben, eine „fundierte Wahlentscheidung“ zu treffen. Foto: Rupert Joemann

Dass die Veranstaltung am 24. Mai und nicht am 23. Mai, dem eigentlichen Verfassungstag, stattfand, lag an einer Abschlussprüfung der Zehntklässler am Dienstag.

Der 70-jährige Polenz forderte die Zehntklässler auf, „zumindest eine informierte Wahlentscheidung abzugeben. Sonst läuft eine Demokratie nicht“, sagte Polenz. Information ist dabei für den Münsteraner entscheidend.

Er verzichtete auf die Floskel, dass sich alle Bürger politisch einbringen sollen. Sie sollen sich nach seiner Überzeugung aber informieren und so eine fundierte Wahlentscheidung treffen. Als Demokrat brauche es eine besondere Haltung, nicht nur im Privatleben und im Beruf.

„Es ist die beste Verfassung die Deutschland je hatte. Eine Verfassung, um die uns ganz viele Länder und Menschen auf der Welt beneiden“, betonte Ruprecht Polenz. In den weltweit 198 Ländern gebe es in etwa 30 bis 40 Ländern ähnlich demokratische Verhältnisse wie in Deutschland. „Dass das so bleibt, dafür müssen wir uns einsetzen“, sagte der Christdemokrat.

Wahlen verglich er ein wenig mit dem Daumen hoch oder Daumen runter im alten Rom. Die Bürger könnten die Amtsinhaber abwählen. Da die Bürgermeister Franz-Josef Franzbach (Schöppingen), Robert Wenking (Horstmar) und Peter Maier (Laer) neben ihm auf dem Podium saßen, nahm er ihre Bürgermeister-Ämter als Beispiel. „Sie müssen Rücksicht nehmen auf das, was die Bürger wollen“, so Ruprecht Polenz.

Er hob hervor, dass „keine Regel dem Grundgesetz widersprechen“ darf. An erster Stelle: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dass dieser Satz keine Selbstverständlichkeit sei, hätte sich in der Nazizeit gezeigt. Kardinal von Galen hätte in den 40er-Jahren gegen die systematische Ermordung von körperlich und geistig Behinderten gepredigt, so Ruprecht Polenz.

Ein Lob von dem erfahrenen Politiker bekam die Sekundarschule. „Ich bin das erste Mal bei einer solchen Veranstaltung“, sagte der 70-Jährige. Er kenne keine Schule, an der es eine solche Veranstaltung gebe. Dafür „muss man seinen Kalender frei räumen“, sagte er, dass er gerne kurzfristig zugesagt habe.

Während Polenz auf die Teilnahme an politischen Prozessen und die unantastbare Würde des Menschen einging, stellte Schülersprecher Tobias Ernst die Meinungsfreiheit in den Mittelpunkt seiner Rede. Kritik zu äußern, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen, das sei für ihn Meinungsfreiheit. Die vielen Beschwerden gegen die aktuelle Englisch-Abschlussprüfung sind für ihn ein Beispiel.

Als festes Fundament unserer Demokratie bezeichnete Horstmars Bürgermeister Robert Wenking das Grundgesetz. Mit Blick auf die Türkei und Nordkorea sei „der Verfassungstag ganz sicher ein Feiertag“, auch wenn er offiziell keiner sei.

Wie Ruprecht Polenz betonte auch Lehrer Andreas Heilborn, dass die Bürger etwas verändern könnten. Er glaubt, dass Politiker Kritik annehmen, wenn sie merkten, dass da was dran sein könne. Auch für Heilborn ist es wichtig, „ein fundiertes Urteil abzugeben“.

Er warnte davor, an einfache Lösungen mancher Politiker zu glauben: „Wer die einfache Lösung will, macht es sich zu einfach.“

Heilborn blickte auf das Scheitern der Weimarer Republik zurück. „Es gab zu wenig Demokraten. Die Weimarer Republik endete in der Barbarei der Nazis.“

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