25 Jahre ZUE Schöppingen
Wie ein sicherer Hafen

Schöppingen -

Rückblicke, Ausblicke, innehalten, vorwärts schauen und Danke sagen. Welches Ereignis bietet sich dafür besser an als ein 25-jähriges Bestehen? So dachte sich auch Ingo Ochtrup, der gestern als Vertreter des Betreibers European Homecare zahlreiche Ehrengäste auf dem Gelände der ZUE begrüßen konnte.

Samstag, 08.07.2017, 06:07 Uhr

Reihenweise Ehrengäste begrüßte ZUE-Leiter Ingo Ochtrup zur Jubiläumsfeier. Einige Kinder, die zurzeit in der Einrichtung leben, trugen bunt geschminkt mit einem Tanz zum Festprogramm bei.
Reihenweise Ehrengäste begrüßte ZUE-Leiter Ingo Ochtrup zur Jubiläumsfeier. Einige Kinder, die zurzeit in der Einrichtung leben, trugen bunt geschminkt mit einem Tanz zum Festprogramm bei. Foto: Susanne Menzel

„Wir sind hier angetreten, um Menschen in Not zu helfen, ihnen ein Dach über dem Kopf zu geben. Wir sind angetreten, um zuzuhören, für die Menschen da zu sein, mit ihnen den neuen Alltag zu strukturieren und Wunden zu heilen. Das ist bis heute unsere Aufgabe, daran hat sich in 25 Jahren nichts geändert.“ – Rückblicke, Ausblicke, innehalten, vorwärts schauen und Danke sagen. Welches Ereignis bietet sich dafür besser an als ein 25-jähriges Bestehen. So dachte sich auch Ingo Ochtrup, der gestern als Vertreter des Betreibers European Homecare zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft, von Kirche, Polizei und Kreisbehörde, von Sportvereinen sowie eine große Zahl an Ehrenamtlichen zu diesem Jubiläum auf dem Gelände der Zentralen Unterbringungs-Einrichtung – kurz ZUE – begrüßen konnte.

Die Trommeln von Norbert Mbombo riefen um Punkt 11 Uhr die Besucher ins große Festzelt, das eigens für diesen Anlass inmitten des Einrichtungsgeländes aufgestellt worden war. Hörbar war dieses Signal bis in die Unterkünfte, denn auch von dort strömten die Menschen in Scharen zu dem Festplatz. Kreisdirektor Dr. Hörster, die Bundestagsabgeordneten Ingrid Arndt-Brauer und Ursula Schulte (beide SPD ), allen voran aber Dorothee Feller , Vizepräsidentin der Bezirksregierung Münster, standen auf der Gästeliste.

Tanz zum Festprogramm.

Tanz zum Festprogramm. Foto: Susanne Menzel

Und so nutzte Dorothee Feller in ihren Grußworten die Gelegenheit, „uns allen noch einmal bewusst zu machen, welche Bedeutung die ZUE nicht nur für die Gemeinde Schöppingen, sondern auch für den Kreis Borken und das Land NRW hat.“ Zwar falle die Einrichtung erst seit zwei Jahren in den Zuständigkeitsbereich von Münster (zuvor war Arnsberg verantwortlich), „aber die Entwicklung in den letzten 25 Jahren ist uns ja allen bekannt“. Von den ersten Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien 1992 bis heute. Feller: „Für ihr Engagement und ihr Herzblut kann man allen Beteiligten nicht genug Danke sagen. Immer wieder wurden die Akteure hier vor Ort neu gefordert, immer wieder mussten sie sich wechselnden Anforderungen stellen, die sie mit Bravour gemeistert haben. Von diesem Einsatz konnten und können wir nach der Schließung Mitte 2019 sicherlich profitieren.“ 100 000 Menschen aus 25 Nationen hätten in der ZUE gelebt, zog Dorothee Feller die Statistik heran. Zeitweise waren bis zu 800 Männer, Frauen und Kinder in Schöppingen untergebracht: „Da glich kein Tag dem anderen.“

Auch Bürgermeister Franz-Josef Franzbach betonte noch einmal, „dass die ZUE den Menschen, die einen langen und gefährlichen Weg auf ihrer Flucht vor Krieg, Terror und Armut hinter sich haben, wie ein sicherer Hafen erscheinen muss. Mit den Bürgerinnen und Bürgern unserer Gemeinde hat in den vergangenen Jahren eine starke Verbindung und Verknüpfung stattgefunden. Viele von ihnen haben den geflüchteten Menschen hier Respekt und einen Vertrauensvorschuss entgegengebracht.“

Sowohl Franz-Josef Franzbach als auch Dorothee Feller verschwiegen nicht, dass „es aber auch Zeiten der Anspannung gegeben hat“. Dabei erinnerten sie noch einmal an den grausamen Mord an Kevin. „Es hat lange gedauert, bis sich die Beziehungen anschließend wieder normalisiert haben. Heute kann ich von einem vorurteilsfreien und offenen Umgang miteinander sprechen. Es war eine gute Zeit mit der ZUE.“ Nach der Schließung in knapp zwei Jahren, so erklärte Franz-Josef Franzbach, „will die Gemeinde dieses Gelände nutzen, damit darauf ebenfalls wieder Menschen leben können. Wir möchten es gerne erwerben und städtebaulich entwickeln“.

Ingo Ochtrup nutzte die Gunst der Stunde, um vor den zahlreichen Gästen anschließend in einem kurzen Film die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Unterbringungseinrichtung exemplarisch vorzustellen und ihre Arbeit sowie ihr Wirken bei dieser Gelegenheit öffentlich zu würdigen. Da streifte der Blick vom Sicherheitspersonal bis hin zur medizinischen Versorgung, vom Kindergartenteam bis zur Kleiderkammer, von der Köchin bis hin zur Sozialbetreuerin Latifa als „Mutter der Nation“. Eine schöne Geste, auch diejenigen, die oft im Verborgenen aktiv sind, ins öffentliche Licht zu setzen.

Ein kleiner Rundgang durch die Unterkunft, ein gemeinsames Mittagsessen – auch das gehörte dazu, um die Worte vieler Mitarbeiter nicht nur theoretisch, sondern auch wirklich erfahrbar wirken zu lassen: „Es ist eine Bereicherung, hier zu arbeiten. Eine Horizonterweiterung“, unterstrich beispielsweise Pfarrerin Gunda Hansen.

Und Ingo Ochtrup stellte sich zum Abschluss ganz an die Seite von Kanzlerin Angela Merkel: „Sie hat gesagt: Wir schaffen das. Wir haben das auch immer wieder betont. Und ich kann heute, nach 25 Jahren, sagen: Es hat geklappt. Wir haben’s geschafft.“

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