Der Arm schmerzt zwar, aber der Notarzt kann zu Hause bleiben
Die Sense richtig schwingen

Schöppingen -

Der Mann an sich ist Jäger, Sammler und Handwerker. Der Mann an sich hat nur ein Problem: die Zeit. Aufgrund seiner Fähigkeiten ist er so sehr gefragt, dass auf der heimischen Scholle alles liegen bleibt, dessen er sich gut und gerne hätte annehmen können. Was aber leider nicht mehr in seinen Terminkalender einzuarbeiten ist.

Freitag, 28.07.2017, 06:07 Uhr

Da hilft auch kein Freischneider mehr. Das nicht gewünschte Grünzeug muss mit der Sense geschnitten werden.
Da hilft auch kein Freischneider mehr. Das nicht gewünschte Grünzeug muss mit der Sense geschnitten werden. Foto: privat

Und so bahnt sich auch das Unkraut seinen Weg nicht nur in die Breite – ebenso nimmt es tagtäglich an Höhe zu. Der Einsatz eines leichtläufigen akkubetrieben Freischneiders ist kaum mehr möglich. „Da muss jetzt die Sense ran“, lautet deshalb der gut gemeinte (männliche) Rat.

Der Bekanntenkreis ist auch schnell bereit, entsprechendes Werkzeug zur Verfügung zu stellen – nur der Crash-Kurs, wie es denn anzuwenden ist, ist nicht mit im Angebot enthalten. Nun denn: Stichsäge und Schrauber liegen inzwischen schon fast profihaft in weiblicher Hand – warum nicht auch geballte Frauenpower an der Sense?

Den ersten Stolperstein gilt es allerdings schon bei der Materialbeschaffung zur Seite zu räumen. Der freundliche Verkäufer erwidert beim vorgetragenen Kaufwunsch nur drei Worte: „Hand oder Baum?“ Die Antwort, „Weder noch, sondern Unkraut“, entlockt ihm nicht nur ein Schmunzeln, sondern bewegte ihn immerhin auch dazu, seine Frage in besser verständlichem Deutsch zu formulieren: „Eine Handsense oder eine mit Baum, also mit Stiel?“

Letzteres ist die richtige Wahl für die Chronistin. Was bei der netten Kollegin des Fachmanns jedoch ein Stirnrunzeln hervorruft. Und zudem allergrößte Besorgnis: „Nimm bitte dein Handy mit, wenn du zur Tat schreitest. Und speichere vorab die Notrufnummer“, gibt sie als netten Ratschlag mit auf den Weg. Einen weiteren Tipp kann sie sich ebenfalls nicht verkneifen: „Gummistiefel sind angebracht. Am besten schnittfeste. Pumps und Halbschuhe sind ungeeignet.“ Danke! Wäre ich von alleine nicht drauf gekommen.

Mit guten Wünschen, angepasstem Schuhwerk und einem scharfen, aber unhandlichen Arbeitsgerät (Achtung: Aufspießgefahr) ausgerüstet, kann es ans Werk gehen. Die Übungsfläche: ein kleines, nicht einsehbares Fleckchen Garten. Zuschauer sind bei den ersten Versuchen unerwünscht.

Die richtige Sensentechnik will gelernt sein, bevor man in die freie Fläche geht. Der Drive ist da, der richtige Bogen allerdings noch nicht so ganz raus. – Eine Stunde und etliche (leider oft zu hohe) Ansätze später: Der Arm schmerzt, aber ein großer Teil ist geschafft. Auch wenn das Ergebnis eher dem Motto „halb zog sie es, halb sank es hin“ ähnelt. Nur ein wenig des am Boden liegenden Gestrüpps ist händisch gerupft, der Rest weist eindeutige Schnittkanten auf.

Fazit: Auch richtiges Sensen will gelernt sein – und klappt beim ersten Mal selbst mit starkem Willen nicht auf Anhieb.

PS: Liebe Britta: Danke noch einmal deiner freundlichen Fürsorge. Die Notrufnummer wurde nicht gebraucht, Füße und Beine sind unbeschadet noch an ihrem Platz. Aber das erste Mal hat es auch in diesem Fall wieder bestätigt: Selbstbewusstsein kommt mit dem eigenen Tun. Also bis zum nächsten Mal.

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