Junge Feuerwehrleute fahren bei Einsätzen mit
Keine Zeit zum Fönen

Schöppingen -

Es sind die Klassiker, die Jannis Heider und Johannes Niehoff gleich bei ihrem ersten aktiven Einsatz in der Freiwilligen Feuerwehr Schöppingen erleben. Während Niehoff unter der Dusche stand, als der Piepser anging, wollte Heider gerade auf Toilette. Daraus wurde nichts. „Ich habe mir aber noch Socken angezogen“, erzählt Jannis Heider schmunzelnd. Und dann ging’s ab zum Feuerwehrhaus.

Samstag, 19.08.2017, 06:08 Uhr

Helm und Piepser gehören für (v.l.) Wehrführer Ralf Mensing, Moritz Vallböhmer, Johannes Niehoff, Jannis Heider, Marie Mensing und den stellvertretenden Wehrführer Lothar Tietmeyer zu ihrem Leben.
Helm und Piepser gehören für (v.l.) Wehrführer Ralf Mensing, Moritz Vallböhmer, Johannes Niehoff, Jannis Heider, Marie Mensing und den stellvertretenden Wehrführer Lothar Tietmeyer zu ihrem Leben. Foto: Rupert Joemann

Die beiden gehören mit Marie Mensing, Moritz Vallböhmer und Paul Beckmann zu den fünf Feuerwehrleuten, die jetzt bereits mit 17 Jahren an Einsätzen der aktiven Wehr teilnehmen dürfen.

„Ich dachte, was ist das denn Ungewöhnliches“, erinnert sich Johannes Niehoff an das Schrillen des Alarms. Die beiden 17-Jährigen wurden zum Beseitigen einer kleinen Ölspur im Dorf gerufen. Niehoff hat es nicht weit, wohnt er doch direkt gegenüber dem Gerätehaus. Jannis Heider wurde von seiner Mutter mit dem Auto gefahren. Das soll sich ändern. „Ich stelle jetzt mein Fahrrad vorne hin“, sagt Jannis Heider. „Die waren ganz schön schnell da“, lobt Wehrführer Ralf Mensing die Jugendlichen.

Im vergangenen Jahr wurde das Alter von 18 auf 16 Jahre gesenkt, ab dem Mitglieder der Jugendfeuerwehr auch an Einsätzen der aktiven Wehr teilnehmen dürfen. Sie bleiben aber zunächst weiter Mitglied der Jugendfeuerwehr. Es ist eine Reaktion darauf, dass immer weniger Kameraden in den Freiwilligen Feuerwehren ehrenamtlich tätig sind.

Die Schöppinger haben sich dazu entschieden, Jugendliche erst ab 17 Jahren mit zu regulären Einsätzen zu nehmen. Mit einigen Einschränkungen. So dürfen sie nicht in Gefahrensituationen mitgenommen und auch nicht zur Bergung von Leichen eingesetzt werden. Man wolle die Jugendlichen schützen, so Ralf Mensing. Sie sollen „schleichend an den Dienst herangeführt werden“. Dabei betont Mensing, dass die Neuen „nicht besonders in Watte gepackt“ werden. Das müssten sie auch nicht: „Sie sind wirklich gut ausgebildet. Wir wollen sie aber nicht überfordern.“ Im Einsatz tragen sie über ihrer normalen Kleidung noch gelbe Westen, um so auch im Dunkeln für die Einsatzleitung klar als Nachwuchskräfte erkennbar zu sein.

Landesordnung Freiwillige Feuerwehr

Neben den bisher schon nebeneinander bestehenden Einsatz- und Ehrenabteilungen sowie Jugendfeuerwehr können die Freiwilligen Feuerwehren jetzt auch Kinderfeuerwehren (sechs bis elf Jahre) einrichten. Zudem wurde eine neue Unterstützungsabteilung geschaffen, die ebenso zum Angebot gehört wie die Feuerwehrmusik. „Die Unterstützungsabteilung versieht nicht den Alarmdienst“, erklärt Wehrführer Ralf Mensing. Dort könnten sich auch Menschen engagieren, die nicht in der aktiven Wehr tätig sein wollen. So sei zum Beispiel eine Mitarbeit in der pädagogischen Ausbildung der Kinder und Jugendlichen denkbar oder Pressearbeit. Mensing: „Da gibt es einen großen Gestaltungsspielraum.“ Damit versucht das Land, die Mitarbeit in der Freiwilligen Feuerwehr für noch mehr Personen interessant zu machen.

...

Die Schöppinger Jugendlichen müssen zudem den Truppmann-1-Lehrgang absolviert haben und die schriftliche Erlaubnis der Eltern vorlegen. Die Wehrführung hatte dazu die Eltern zu einem Infoabend ins Gerätehaus eingeladen, um mit ihnen Details zu klären. „Es gibt für die Jugendlichen noch keine Dienstpflicht“, betont Mensing.

„Wir ernten gerade die Früchte, die Josef Schulze Dorfkönig gesät hat“, spielt Ralf Mensing auf die Gründung der Jugendfeuerwehr 2012 an. Mensing und sein Stellvertreter Lothar Tietmeyer loben zudem ausdrücklich die glänzende Arbeit der beiden Jugendwehrleiter Mario Hnida und Manfred Marpert. „Die normale Fluktuation ist fast gleich null“, sagt Lothar Tietmeyer. Nur ein Jugendlicher sei in den fünf Jahren aus der Jugendfeuerwehr abgesprungen. Derzeit sind fast 20 Mädchen und Jungen dort aktiv. Eine außerordentlich gute Quote.

Die Jugend ist aber nur eine Zielgruppe von Mensing und Tietmeyer. So setzt Ralf Mensing auch auf Quereinsteiger, die mit 30 oder mehr Jahren noch Lust haben, sich bei der Feuerwehr zu engagieren.

In der neuen Laufbahnverordnung wurde im Mai zudem das Alter für den Eintritt in die Ehrenabteilung angehoben. Galt bis dahin 60 Jahre als Grenze für den Einsatz in der aktiven Wehr, ist es jetzt das „persönliche Renteneintrittsalter“ eines jeden Feuerwehrkameraden, so Ralf Mensing. Also bis zu 67 Jahre.

Bis dahin haben die fünf Schöppinger Jugendlichen noch viele Einsätze vor sich. „Bei der Arbeit trage ich den Piepser in der Hosentasche. Nachts liegt er direkt neben meinem Kopf“, sagt Moritz Vallböhmer. Und selbst unter der Dusche sind die jungen Feuerwehrleute erreichbar.

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