36-Jähriger legt den CDU-Fraktionsvorsitz aus familiären Gründen nieder
Ralf Marpert steppt mit dem Bär

Schöppingen -

Der Dreiklang Familie, Beruf und CDU-Fraktionsvorsitz ist für Ralf Marpert zeitlich nicht mehr zu schaffen. Deshalb hat er die Konsequenz gezogen und gibt den Fraktionsvorsitz an Holger Benölken ab. Der frühere stellvertretende Fraktionsvorsitzende wird erstmals in der Ratssitzung am 6. September (Mittwoch) in seiner neuen Funktion auftreten.

Samstag, 26.08.2017, 13:08 Uhr

Das Wichtigste für Ralf Marpert sind seine Kinder (v.l.) Florian, Elias, Johanna und Katharina. Um mehr Zeit mit ihnen verbringen zu können, zieht er sich in die zweite politische Reihe zurück.
Das Wichtigste für Ralf Marpert sind seine Kinder (v.l.) Florian, Elias, Johanna und Katharina. Um mehr Zeit mit ihnen verbringen zu können, zieht er sich in die zweite politische Reihe zurück. Foto: Rupert Joemann

„Bei meinem Antritt 2014 als Fraktionsvorsitzender hatten meine Frau und ich zwei Kinder und Shopware hatte 60 Mitarbeiter, heute sind es doppelt so viele Kinder und doppelt so viele Mitarbeiter“, sagt der 36-Jährige schmunzelnd. Am 1. März ist Sohn Elias auf die Welt gekommen. Dazu kommen noch die Kinder Katharina (sieben), Johanna (fünf) und Florian (drei).

Und auch bei seinem Arbeitgeber wartet viel Arbeit auf den studierten Verwaltungswissenschaftler. Das Software-Unternehmen will in den nächsten Jahren weiter wachsen. Ralf Marpert kümmert sich bei der Shopware AG um die Finanzen und das Personal.

Und zu Hause „steppt zwischen 18 und 20 Uhr der Bär“, so der verheiratete Ralf Marpert. Es wird zusammen gegessen, die Kinder wollen mit dem Papa spielen und müssen dann noch ins Bett gebracht werden. Das sei aber genau die Zeit, in der viele Sitzungen und Veranstaltungen stattfänden, so Marpert.

Da der Schöppinger keine halben Sachen macht, war für ihn klar, dass er nicht wieder für den Fraktionsvorsitz kandidiert. „Die Familie steht an erster Stelle“, betont der Familienvater.

Schon Monate vor Elias’ Geburt hatte Marpert der Fraktion mitgeteilt, dass er nicht wieder – bei der obligatorisch anstehenden Neuwahl – für den Vorsitz zur Verfügung stehe. „Ich habe Spaß an Politik und werde auch weiter Spaß daran haben“, sagt Marpert. Jedoch nicht in der ersten Reihe. Sein Ratsmandat behält der 36-Jährige.

Doch der Zeitaufwand für einen Fraktionsvorsitzenden ist um ein Vielfaches höher, als für die anderen Ratsmitglieder. Die Sitzungen müssen vorbereitet, Anträge formuliert und Gespräche geführt werden. Gerade der Fraktionsvorsitzende müsse in allen Themen stecken, so Ralf Marpert. Und da er das „mit viel Liebe zum Detail“ getan hat, war der Zeitaufwand entsprechend hoch.

Zudem schaute der scheidende Fraktionschef bei vielen Vereinsveranstaltungen vorbei, um einen direkten Kontakt zu den Bürgern zu haben. „Beim dritten Glas Bier kriegt man einiges mit. Diese Termine sind wichtig“, findet Ralf Marpert, der auch im Kirchenchor singt.

Mit seinen 36 Jahren ist Ralf Marpert zwar das jüngste Schöppinger Ratsmitglied, aber lokalpolitisch schon sehr erfahren. Seit seinem 23. Lebensjahr gehört er dem Gremium an. „Ich interessiere mich für Politik, seit ich denken kann.“ In die CDU eingetreten ist Marpert mit 18 Jahren. Auslöser waren die Proteste um die Castor-Transporte. Es hatte ihn aufgeregt, dass die Demonstranten offen zum Rechtsbruch aufgerufen hatten. Für Ralf Marpert ein absolutes Unding. Die Rechtsstaatlichkeit ist für ihn ein wichtiges Grundprinzip, das es durchzusetzen gelte.

Lokalpolitik macht Marpert gerne, weil es „keine Ränkespiele gibt. Es ist ehrliche Politik.“ Den Gemeinderat sieht er als Vermittler zwischen Verwaltung und Bürger und „nicht als Oberkontrolleur der Verwaltung“. Die Fachkompetenz liege eindeutig in der Verwaltung, die Ratsmitglieder seien alle ehrenamtlich tätig.

Ralf Marpert hält auch nichts davon, die sowieso schon personell knapp besetzte Verwaltung mit nicht eindeutig zielgerichteten Aufgaben zu überfrachten.

Seine Aufgabe als Fraktionsvorsitzender hat er als Moderator innerhalb der Fraktion gesehen. Er ist überzeugt, dass es nicht funktioniert, „mit der Gerte vorauszugehen“. Er habe kein Problem damit, wenn Fraktionsmitglieder zu bestimmten Sachfragen unterschiedliche Meinungen hätten. Bei kniffligen Themen sollten die Fraktionsmitglieder ihre andere Position aber „vorher artikuliert“ haben, findet der 36-Jährige. Am Ende sei aber letztlich entscheidend, „gute Lösungen zu finden“.

Das gilt auch im Umgang mit anderen. „Es bringt nichts, die Laster frontal aufeinanderfahren zu lassen.“ Ein gutes Beispiel ist für ihn der gefundene Kompromiss beim Baugebiet Am Überweg. Der politische Wille sei umgesetzt und gleichzeitig die Interessen der Feinbrennerei Sasse berücksichtigt worden.

Grundsätzlich dürften solche Themen nicht nur mit dem Bauchgefühl diskutiert werden. Häufig würde zu viel mit dem Bauch und zu wenig mit dem Kopf entschieden, sagt der Finanzfachmann. Das gelte auch für das Baugebiet Am Berg. „Es ist schön, dass sich Bürger einbringen“, sagt Ralf Marpert. Davon lebe Demokratie. Das Baugebiet hält er aufgrund fehlender Alternativen aber für notwendig. Hier müssten die Politiker auch deutlich Position beziehen.

Marpert hält es aber für durchaus sinnvoll, sich Gedanken über eine mittelfristige Perspektive zu machen. Er kann sich zum Beispiel eine Vermarktungsprämie für Baulücken vorstellen.

Obwohl er freiwillig in der zweiten Reihe Platz nimmt, wird Ralf Marpert auch künftig seine Ideen einbringen. Und wer weiß, was ist, wenn mal die Kinder größer sind und zu Hause nicht mehr der Bär steppt . . .

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