Drei Windräder auf dem Ramsberg geplant
Anwohner fühlen sich bedrängt

Schöppingen -

Acht Familien vom Ramsberg sind sauer über die drei geplanten Windkraftanlagen in der Windvorrangzone Schöppingen-Brook. Sie kritisieren vor allem die Dimension der geplanten Anlagen.

Samstag, 13.01.2018, 06:01 Uhr

Drei Windkraftanlagen sollen auf dem Ramsberg gebaut werden. Anwohner wehren sich nun dagegen.
Drei Windkraftanlagen sollen auf dem Ramsberg gebaut werden. Anwohner wehren sich nun dagegen. Foto: Colourbox

In ersten Planungen seien Referenzanlagen mit einer Gesamthöhe von 150 Metern angegeben gewesen, so Anwohner Benedikt Blettrup . Jetzt sollen ihnen aber 230 Meter hohe Windräder vor die Höfe gesetzt werden. Die Entfernungen der Windräder zu den Häusern betragen 586 bis rund 700 Meter.

Geplant werden die Anlagen von der Windenergie Schöppingen-Brook Verwaltungsgesellschaft mbH mit Sitz in Legden. Laut Blettrup gehören auch Schöppinger zu den Mitgesellschaftern, keiner davon wohne jedoch in unmittelbarer Nähe zu den Windrädern.

„Wir fühlen uns bedrängt“, sagt Anwohner Rudolf Stiens . Deshalb haben sich die Nachbarn auch einen Anwalt hinzugezogen und setzen sich zur Wehr.

Am 20. Dezember hat es einen Erörterungstermin mit Vertretern des Kreises Borken als zuständiger Genehmigungsbehörde gegeben. In der vergangenen Woche haben sich Kreis-Mitarbeiter direkt vor Ort ein Bild von der Situation gemacht. Zu Ergebnissen könne er noch nichts sagen, so Kreissprecher Karlheinz Gördes. „Die Zuständigkeit liegt beim Kreis Borken“, sagt Bürgermeister Franz-Josef Franzbach. Der Gemeinderat habe nur die Windvorrangzonen planerisch ausgewiesen. Damit hat die Gemeinde rechtliche Vorgaben umgesetzt.

Nach Aussage von Blettrup habe sich bei dem Erörterungstermin herausgestellt, dass „die Gutachten nicht ausreichend“ waren. Die Investoren müssten diese überarbeiten.

Während der Gutachter in keinem (Haus-)Fall eine „optisch bedrängende Wirkung“ festgestellt habe, sehen die Anwohner das ganz anders. Dem Gutachter hätten zum Beispiel rund 30 Jahre alte Zeichnungen der Häuser vorgelegen. „Daher sind viele Annahmen aus dem Gutachten zur optisch bedrängenden Wirkung sachlich falsch und müssen neu bewertet werden“, so Blettrup. Es habe zudem keine Vor-Ort-Begutachtung stattgefunden, so die Anwohner.

Außerdem gäben einige Fotos im Gutachten nicht die tatsächlichen Wohnsituationen wieder. Zum Teil seien nicht einmal Wohnhäuser im Gutachten abgebildet, sondern nur eine Baumreihe oder ein Feld, bemängeln die Anwohner. Des Weiteren fragen sie sich, wie der Gutachter die alten Zeichnungen ohne Kenntnis und Einverständnis der Eigentümer erhalten habe.

Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner: „Alle betroffenen Hofstellen haben mehrere schützenswerte Räume und Terrassen mit Sicht auf mindestens eine der geplanten Windenergieanlagen, die im Gutachten nicht betrachtet oder sachlich falsch bewertet wurden. Großteils besteht sogar direkte Sicht auf alle drei geplanten Windenergieanlagen.“

Die Kritik der Anwohner richtet sich auch an die Umweltverträglichkeitsprüfung, die sie für „nicht abdeckend“ ansehen. Aus Sicht des von ihnen engagierten Anwalts, Hendrik Kaldewei, seien zum Beispiel die Untersuchungen zum Rotmilan unzureichend.

Die Ramsberger zweifeln auch das Lärmgutachten an. Hier wird vom Gutachter in einem Fall ein nächtlicher Wert von 44,9 db (A) errechnet. Der Grenzwert liegt bei 45 db (A). Die Anwohner fragen sich, ob das Zufall sei.

Selbst den Grenzwert von 45 db (A) sieht der Anwalt als zu hoch an. Er nennt 40 db (A) als Höchstgrenze, „da bei einer langfristigen Beschallung mit Immissionspegeln von über 40 db (A) mit Gesundheitsschäden zu rechnen ist“. Der Anwalt verweist auf Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Der Jurist sieht in dem Gutachten weitere Fehler. So handele es sich bei den angeblichen Biogasanlagen in der Nähe in Wirklichkeit um Blockheizkraftwerke, „die selbstverständlich auch vollkommen andere Schallleistungspegel aufweisen können.“

Auch befürchten die Anwohner einen hohen Wertverlust ihrer Häuser. „Die Immobilien verlieren 50 Prozent ihres Wertes. Das haben Banken bestätigt“, erklärt Benedikt Blettrup.

Jurist Kaldewei hält gar den ganzen sachlichen Teilflächennutzungsplan Windenergie der Gemeinde für unwirksam, da unter anderem die Ausweisung weiterer Konzentrationsflächen in der Gemeinde gar nicht nötig gewesen sei, da im Regierungsbezirk Münster schon genügend Flächen ausgewiesen gewesen seien.

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