Herberge für Tiere
Schöppinger Igelstation: Ruhe für den stacheligen Ivan

Schöppingen -

Nach dem Start im Herbst haben mittlerweile einige Igel in der Igelstation in Schöppingen Einzug gehalten. Ohne menschliche Hilfe würden die Tiere den Winter vermutlich nicht überleben.

Donnerstag, 18.01.2018, 06:01 Uhr

Igel ist nicht gleich Igel: Die Tiere sind nicht nur im Aussehen oft unterschiedlich, sondern auch in ihrem Charakter. Fotos (3): Susanne Menzel
Igel ist nicht gleich Igel: Die Tiere sind nicht nur im Aussehen oft unterschiedlich, sondern auch in ihrem Charakter. Fotos (3): Susanne Menzel

Ein leises Knurren ist zu hören, als etwas Licht auf den stacheligen Ivan fällt. Die Bewegung in seiner Kuschelhöhle mag der Knirps ganz und gar nicht. Auch hochgenommen und begutachtet zu werden, steht bei dem putzigen Kerl auf der Favoritenliste nicht ganz oben. „Ivan möchte seine Ruhe. Wenn die gestört wird, kann er unangenehm werden“, sagt Susanne Hiller und lacht. Sie betreibt gemeinsam mit Karin Potthoff seit Herbst vergangenen Jahres auf Initiative des Vereins Tiere in Not die Igelstation in der Vechtegemeinde. Inzwischen haben schon neun Vierbeiner bei ihr Einzug gehalten. Neben Ivan beherbergt die Station noch acht weitere Schlafgäste, die ohne menschliche Hilfe den Winter vermutlich nicht überleben würden.

„Die Tiere, die zu uns gebracht werden, sind allesamt viel zu klein und zu schwach, in der Regel zudem krank und voller Parasiten“, so die Erfahrungen von Karin Potthoff und Susanne Hiller. Mitunter bringen die Igel nicht einmal 200 Gramm auf die Waage. 400 bis 500 sollten es jedoch sein, bevor sie sich in den Winterschlaf begeben. „Denn auch in dieser Phase verlieren sie wieder einiges an Körpergewicht“, erklärt Susanne Hiller.

Kümmern sich gemeinsam um die Igel: Susanne Hiller, Conny Bülter und Karin Potthoff.

Kümmern sich gemeinsam um die Igel: Susanne Hiller, Conny Bülter und Karin Potthoff. Foto: Susanne Menzel

Mia, Ivan, Karl – alle Tiere werden zunächst nicht nur begutachtet. Ihnen werden auch Kotproben entnommen, das Geschlecht bestimmt – und sie erhalten einen Namen. „Man baut ganz schnell eine Beziehung zu solch einem Tier auf“, gesteht Susanne Hiller. Manche Finder geben den kleinen Igel auch gleich „personalisiert“ an der Station ab. Karin Potthoff: „Vor allem die Kinder engagieren sich da mit ganz viel Herzblut. Für die kleine Igel-Dame Mia beispielsweise haben sie extra ein Bild gemalt und uns mitgegeben. Das liegt jetzt auf Mias Schlafplatz.“

Vereins-Vorsitzende Conny Bülter ist vor allem stolz darauf, „dass sich die gute Arbeit von Susanne und Karin inzwischen schon über Schöppingen hinaus herumgesprochen hat. Viele Tierärzte in der Umgebung kennen uns bereits und verweisen auf die Igelstation.“ Der erste WN-Bericht sei zudem durch die Veröffentlichung im Internet „selbst im Norden Deutschlands gelesen worden“, wundert sich Susanne Hiller: „Es kam aus der Region eine Nachfrage, wie wir das mit der Aufnahme der Tiere handhaben und welche Erfahrungen wir gemacht haben.“

Die beiden Schöppingerinnen haben sich in den letzten Monaten durch Berge von Informationen gearbeitet, um sich möglichst viel Wissen zur Überwinterung der Stacheltiere anzueignen. „Manchmal schult allerdings die Praxis am besten“, haben sie erkannt. „Früher haben wir zudem gedacht: ein Igel ist halt ein Igel. Mit spitzem Gesicht. Der eine sieht aus wie der andere. Das stimmt aber ganz und gar nicht. Sie sind nicht nur im Aussehen oft sehr unterschiedlich, auch in ihrem Charakter.“ Wie der knurrende Ivan. Oder der schmatzende Karl, der sein Futter am liebsten geräuschvoll vertilgt. „Die Tiere wachsen einem richtig ans Herz“, geben die beiden Frauen zu. Doch wird diese Zuneigung höchstens bis zum Frühjahr Bestand haben.

Von jedem aufgenommenen Patienten wurde genau der Fundort dokumentiert, ebenso sein Anfangsgewicht und weitere Besonderheiten. Nach dem Winterschlaf werden die Igel dann an den Stellen wieder ausgewildert, an denen sie von den Menschen entdeckt worden sind. „Dann sind sie in der Lage, sich alleine in der Natur zu helfen“, sagen Susanne Hiller und Karin Potthoff. Bis dahin wird noch ein wenig gepäppelt.

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