Allein unter Frauen
Friseur-Azubi Tobias Göfert hat bei der Kundschaft im Salon Völker einen guten Stand

Schöppingen -

Erst wenige Monate ist Tobias Göfert Bestandteil des Teams im Salon Völker, eine eigene Fangemeinde hat er bereits. Das liegt nicht nur an seinem Können.

Dienstag, 03.04.2018, 18:04 Uhr

Waschen, fönen, legen, Augenbrauen färben – Tobias Göfert ist schon in vielen Bereichen seines Berufes fit und entsprechend eigenständig am Werk.
Waschen, fönen, legen, Augenbrauen färben – Tobias Göfert ist schon in vielen Bereichen seines Berufes fit und entsprechend eigenständig am Werk. Foto: Susanne Menzel

„Wenn Tobias mal einen Tag nicht im Salon ist, weil er beispielsweise zur Berufsschule muss, fragen sofort etliche Kunden nach, wo er abgeblieben ist“, sagt Carmen Völker und lacht mit Blick auf ihren jungen Auszubildenden. Soll heißen: Der 18-Jährige, erst wenige Monate Bestandteil des Teams, hat sich schon eine eigene Fangemeinde erobert. Das mag zum einen an seinem Können liegen, zum anderen an seinem jungenhaften Charme, mit dem er die Kundinnen (und die männliche Kundschaft im Herrensalon) betreut. Nett, freundlich, aufmerksam – ohne anbiedernd zu sein.

Man merkt dem 18-Jährigen an: Der Beruf ist für ihn nicht nur ein Job. Er ist Berufung. „Stimmt haargenau“, lacht Tobias Göfert über solche Komplimente. „Ursprünglich wollte ich in die Fußstapfen meiner Mutter treten, die als Heilerziehungspädagogin arbeitet. Ich habe dort auch einen Boys-Day verbracht. Aber ich hatte ein gewisses Bauchgefühl, dass es für mich doch nicht das Wahre ist.“ Und so machte er sich weiter auf die Suche: „Mit einer Freundin habe ich dann ein wenig im Internet gesurft und bin auf den Frisör gestoßen.“ Nach einem Probearbeitstag war für ihn klar: „Ich habe mich in den Beruf verliebt.“

Eine Ausbildungsstelle war schnell gefunden: „Gerade Männer sind in diesem Metier rar gesät und deshalb sehr gefragt“, berichtet Tobias Göfert. Die Lehrstelle erwies sich für ihn allerdings als nicht ganz so zufriedenstellend, wie er sich erhofft hatte: „Die Chemie zwischen meiner Chefin und mir stimmte einfach nicht“, gibt er zu. Der Wechsel in eine andere Sparte kam allerdings für ihn nicht in Frage. „Ich habe mir dann eine neue Ausbildungsstelle gesucht. Und bei Carmen Völker gefunden.“ Dort wurde er der erste Auszubildende der einstigen Landes-Drittbesten Auszubildenden, die an der Amtsstraße den ehemaligen Salon Rieps übernommen hat.

„Hier bin ich glücklich, hier stimmt alles“, zollt Tobias Göfert seiner Chefin Lob auf der gesamten Bandbreite: „Ich darf mich ausprobieren, werde unterstützt und gefördert.“ Ob Augenbrauen färben, Haare waschen, schneiden, Wellen legen – Tobias hat für alle Facetten ein gutes Händchen.

Dass seine Berufswahl ihn hinsichtlich der Bezahlung eher in die Mindestlohnklasse katapultiert hat, ist ihm bewusst: „Klar, man wird hier nicht reich“, gibt er zu. „Man muss schon sehr viel Idealismus mitbringen, um als Frisör zu arbeiten. Aber den habe ich. Mich erfüllt diese Arbeit.“ Und mit den Fördermöglichkeiten, die der Staat beispielsweise über die Berufsausbildungsbeihilfe bietet, „kommt man schon über die Runden. Vor allem, wenn man wie ich eine eigene Wohnung hat, wird es ansonsten knapp“, gewährt er einen kleinen Einblick in seinen finanziellen Spielraum. Sein Freundeskreis fand es „cool“, dass er sich für den Friseur entschieden hat. Seine Familie ebenso. „Ich habe ja schon als kleines Kind meiner Mutter immer gerne die Haare gemacht“, gibt der 18-Jährige lachend zu.

Wissenswertes

Die Ausbildungsvergütung für Lehrlinge ist im Friseurbereich noch recht niedrig angesetzt.

So werden im ersten Ausbildungsjahr zwischen 210 und 450 Euro gezahlt, im zweiten Ausbildungsjahr zwischen 255 und 550 Euro. Im dritten Jahr erhalten die Azubis zwischen 340 und 700 Euro pro Monat. Die Höhe des Lohnes ist abhängig von der Region und der Größe des Salons.

Die Einstiegsgehälter für Gesellen bewegen sich bei 1200 bis 1390 Euro brutto.

Das Werkzeug – wie das erste Scherenset – müssen die Chefs ihren Auszubildenden stellen, um sie überhaupt in die Lage zur Mitarbeit zu versetzen. Gerade das Schneidewerkzeug kann übrigens richtig teuer sein. Der „Ferrari“ unter den Scheren kostet beispielsweise 600 Euro.

...

Tobias Göfert ist auch fest davon überzeugt, „dass gerade die weibliche Kundschaft männliche Friseure deshalb besonders schätzen, weil die noch mal einen anderen Blick auf die Frisur und das Gesamtbild haben.“ Ein wenig Diplomatie und Pädagogik kann dabei ebenfalls nicht schaden: „Das Arbeiten auf zwischenmenschlicher Basis habe ich im Blut. Da habe ich mir viel von meiner Mama abgeschaut“, sagt Tobias Göfert. Sein Ziel für die nächsten zwei Jahre: „So wie meine Chefin Carmen die beste Ausbildung von allen Absolventen hinzulegen. Und mich damit für den Meisterbrief als Stipendium zu qualifizieren.“ Ein „kleines Träumchen“ sei dann irgendwann die Selbstständigkeit. „Und dann möchte ich einfach ein cooler Chef werden“, lacht der Nachwuchs-Coiffeur. Dass er das wird – garantiert. Ein cooler Azubi ist er schon jetzt. Fragen Sie mal die Kunden/innen im Salon von Carmen Völker.

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