Großkampftage auf dem Wertstoffhof
„Die Maschine muss in die Fünf“

Schöppingen -

s ist Samstagvormittag. Und bei dem Ansturm, der gerade wieder einmal auf dem Schöppinger Wertstoffhof herrscht, lässt sich nur eines vermuten - die männliche Spezies hat an frühlingshaften Wochenenden nur zwei Dinge auf der to-do-Liste stehen: Auto waschen und Müll entsorgen. Sowohl an der Waschanlage als auch vor dem Wertstoffhof herrscht Großkampftag.

Dienstag, 17.04.2018, 08:04 Uhr

Ein perfektes Team: Alfons Lütke-Wenning und Willi Woltering managen seit vier Jahren gemeinsam das Geschehen auf dem Wertstoffhof. Rauh, aber herzlich ist der Ton zwischen den beiden Schöppingern, die ihre „Pappenheimer“ schon sehr genau kennen. Wenn am Wochenende die Warteschlange der Autos lang und länger wird, lohnt sich auch die Anlieferung per pedes und Karre.
Ein perfektes Team: Alfons Lütke-Wenning und Willi Woltering managen seit vier Jahren gemeinsam das Geschehen auf dem Wertstoffhof. Rauh, aber herzlich ist der Ton zwischen den beiden Schöppingern, die ihre „Pappenheimer“ schon sehr genau kennen. Wenn am Wochenende die Warteschlange der Autos lang und länger wird, lohnt sich auch die Anlieferung per pedes und Karre. Foto: Susanne Menzel

„Die alte Kaffeemaschine? Die muss da in die Fünf“. Willi Woltering weist mit dem Zeigefinger auf einen etwas betagt aussehenden, großen Container. Der Mann mit Maschine und einer Isolierkanne in der Hand nickt und zieht von dannen. Woltering ist zufrieden. Für drei Sekunden. „Was ist denn jetzt los?“, schreit er plötzlich auf und sieht seinen Kollegen an. Alfons Lütke-Wenning schüttelt nur den Kopf. Ein Sportwagen bahnt sich entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung den Weg durch den „Hintereingang“ auf den Platz. Ein anderer tut es ihm sofort nach. In der richtigen Richtung wartet nämlich schon eine längere Autoschlange darauf, endlich freien Durchgang zu erhalten, um Kofferräume und Anhänger zu entladen.

Es ist Samstagvormittag. Und bei dem Ansturm, der gerade wieder einmal auf dem Schöppinger Wertstoffhof herrscht, lässt sich nur eines vermuten - die männliche Spezies hat an frühlingshaften Wochenenden nur zwei Dinge auf der to-do-Liste stehen: Auto waschen und Müll entsorgen. Sowohl an der Waschanlage als auch vor dem Wertstoffhof herrscht Großkampftag.

„Die Leute kommen stoßweise. Mal ist ein paar Minuten nix los, dann sind sie plötzlich alle wieder da“, schildern Alfons Lütke-Wenning und Willi Woltering die ersten Stunden. Die beiden Schöppinger sind seit gut vier Jahren – Woltering ist schon zwei Jahre länger als Lütke-Wenning dabei – ein eingespieltes Team. Sie verstehen sich auch ohne viele Worte. Oft reicht ein Blickkontakt. Oder ein kurzes: „Schau mal, der da vorne“ – und der andere weiß sofort, was gemeint ist. „Batterien nehmen wir nicht an, auch keine fürs Auto“, unterbricht Alfons Lütke-Wenning kurz das Gespräch. „Unser Vorteil ist“, erzählt er dann weiter, „dass wir aus dem Ort stammen. Wir kennen zwar vielleicht nicht das ganze Dorf, aber mehr als das halbe bestimmt. Und unsere Pappenheimer.“ Mehr dazu, so schmunzeln die beiden Remondis-Mitarbeiter, wollen sie aber nicht verraten: „Berufsgeheimnis“, flüstern sie mit einem breiten Grinsen.

Es geht an diesem Tag zwischen den Containern zu, wie im Taubenschlag. Ein Herein- und Herausfahren. Mit Pkw und Trecker, mit Anhänger – oder auch mit Schubkarre zu Fuß. Selbst für zwei Personen ist es da ein Kunststück, den Überblick zu behalten. Zwei Poalbürger nutzen unterdessen das Zufallstreffen in dem überwiegend männlichen Revier (die Frauen sitzen meistens auf dem Beifahrersitz, nur selten steigt eine mit aus) zu einem kleinen Schwatz. Dass sie sich damit ruck-zuck den Zorn der Wartenden zuziehen, wird schnell deutlich. Durchdringend ertönt eine Autohupe. Und die unmissverständlich Ansage: „Jupp, jetzt mach‘ aber mal flott! Quatschen kannze zu Hause.“ Jupp schüttelt mit dem Kopf, als er antwortet: „Hasse heute keine Zeit?“

Vorwiegend Grünzeug, Äste, Strauchwerk, aber auch Wagenladungen mit Bauschutt, Möbelholz und Sperrmüll werden angekarrt. Die Container werden immer voller. Es scheint so, als sei an diesem Wochenende im Ort das Großreinemachen ausgerufen worden. Erwachsene, Jugendlich und Kinder wuseln hin und her. Mittendrin Alfons und Willi. „Das ist aber kostenpflichtig“, sagt letzterer gerade zu einem Kunden, der einen Sack mit Restmüll entsorgen will. „Was kostet das denn“, will der Mann wissen. Alfons Lütke-Wenning nennt ihm den Preis. Und fast wie auf dem orientalischen Basar geht prompt das Feilschen los. „Handeln ist nicht. Ich muss Buch führen und abrechnen“, schneidet der Wertstoffhof-Mitarbeiter den Versuch gleich in den Anfängen ab. Murrend zückt der Mann seine Geldbörse, entnimmt einen Schein. „Es gibt auch eine Quittung“, sagt Lütke-Wenning besänftigend und verschwindet im Büro, um die Einnahme zu verbuchen. Ordnung muss sein – und damit nehmen es Alfons Lütke-Wenning und Willi Woltering sehr genau.

Ein ausrangierter Container mit eingebauten Fenstern dient den Männern als Domizil für den Schreibkram. Ein Schreibtisch steht drin, wenige Regale, zwei Stühle. Nichts Komfortables, alles zweckmäßig, älteren Datums. Die Kaffeetassen zeugen von kurzen Verschnaufpausen. Die müssen bei dieser Hektik auch sein. „Der Frühling ist immer eine ganz besondere Herausforderung“, erzählt das Aufsichts-Duo. „Trotzdem ist es angenehmer als der Winter. Da wird es früh dunkel und ist kalt.“ Und da ist es dann noch schwieriger, die Pappenheimer im Auge zu behalten. Aber Willi und Alfons - die sind inzwischen geübt.

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