Konzert in der Brictiuskirche
Martin Sturm lässt an der Orgel die Töne tanzen

Schöppingen -

„Musik sagt mehr als tausend Worte!“ Um ein Bild zu beschreiben und das, was es in uns auslöse, reichten manchmal keine Worte, meint Pfarrer em. Wolfgang Böcker. Für den Schöppinger Flügelaltar in der Brictius-Kirche brauchte es ein komplettes Konzert.

Mittwoch, 08.08.2018, 17:34 Uhr

Martin Sturm konzertierte jetzt in der Brictiuskirche und interpretierte die gemalten Szenen aus der Geschichte Jesu Christi.
Martin Sturm konzertierte jetzt in der Brictiuskirche und interpretierte die gemalten Szenen aus der Geschichte Jesu Christi. Foto: Sabine Sitte

Im Rahmen des Baumberger Orgelsommers interpretierte am Sonntagabend der Organist und Komponist Martin Sturm die gemalten Szenen aus der Geschichte Jesu Christi.

Zu Beginn und im Schlussteil des Konzertes: Improvisationen des Würzburger Musikers, die erst vor Ort entstanden. „Ich habe mir zunächst einen Eindruck von der Kirche und von der Orgel verschafft“, sagte Sturm, Preisträger mehrerer internationaler Wettbewerbe. Neben den spannenden Fantasien des 26-Jährigen und einem Werk aus eigener Feder standen auch Stücke renommierter Komponisten wie Jehain Alain („Deuxiéme Fantasie“ von 1936) und Johann Sebastian Bach auf dem Programm.

Zuerst: Das Leiden und Sterben Jesu Christi. Doch wider Erwarten erstarrte die Orgel nicht in tiefer Trauer, sondern verschmolz klagende Töne mit sehnsuchtsvollen Klängen zu einer Symbiose eines langsamen Tanzes. Denn, so Martin Sturm, auch der Totentanz verbinde Schmerz und Lebendigkeit. Noch schwieriger zu improvisieren seien die biblischen Themen der Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingstwunder. Diese theologischen Fragen musikalisch zu beantworten, hätten schon viele bedeutende Komponisten versucht, erklärte Sturm. Er interpretierte die Themen mit frühromantischer Fantasie.

Das selbst komponierte Notturno des Organisten Sturm aus 2018 entstammt der „Liturgie eines Einsamen“ und ist eine klassische Nachtmusik: verspielt, zärtlich, melodisch. Eine wohltuende Aufmunterung vor der dramatischen Passacaglia Bachs. Nicht nur eine musikalische Herausforderung für den Komponisten Bach, sondern auch für den Interpreten Sturm und das Publikum in der Kirche. Entstanden ist das Stück vermutlich im Jahr 1713 mit einem tragischen biografischen Hintergrund, dem Tod zweier Kinder Bachs im selbigen Jahr.

„Sie werden die Orgel neu kennenlernen“, versprach Martin Sturm vorab. „und vielleicht als verzerrtes Traumbild der menschlichen Wahrnehmung erleben.“ Und ja, das Instrument erwachte zu neuem, fremden Leben: Die Töne stolperten und fielen, erhoben sich wieder – mal zögerlich, mal zielstrebig – und fanden sich neu: von bedächtig bis forsch zu einem Chor. Liefen wie auf Zehenspitzen oder bewegten sich im Gleichklang; lockten und riefen und klagten. Die Orgel klopfte und knarzte, donnerte und tickte. Sehr modern, sehr abstrakt.

Zum Schluss eine kraftvolle Pastorella, improvisiert aus gefühlvollen Klängen und zarten Akkorden. Für Organist und Publikum gleichwohl ein spannendes Konzert.

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