Eröffnung der Kulturhalle „Kraftwerk“
„Die Kraft der Mitte bildet die Klammer“

Schöppingen -

In modernem Ambiente, durch große Fenster zum Künstlerdorf hin geöffnet, präsentiert sich die „gute Kulturstube“ nach der Renovierung.

Montag, 17.09.2018, 11:32 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.09.2018, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 17.09.2018, 11:32 Uhr
Zahlreiche Ehrengäste waren zur Einweihung der Kulturhalle nach Unbau und umfangreicher Renovierung in die Gemeinde Schöppingen gekommen.
Zahlreiche Ehrengäste waren zur Einweihung der Kulturhalle nach Unbau und umfangreicher Renovierung in die Gemeinde Schöppingen gekommen. Foto: Susanne Menzel

Der Städtebau für ein intaktes Gemeinwesen glich früher einmal einem Spiegelei: Das Gelbe in der Mitte, als Zentrum, das Weiße klar abgegrenzt drum herum. Dieses Bild entspricht aber heute nicht mehr der Realität. „Wir nähern uns immer mehr einem Rührei an, mit ineinander fließender Gemengelage“, verglich Festredner Prof. Frank R. Werner, Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Künste NRW und seit vielen Jahren Schöppinger, die Strukturen, die in Kommunen vorherrschen. „Die unabdingbare Kraft der Mitte bildet die Klammer, die die Siedlungsstrukturen am Rande zusammenhält. Die Mitte gibt den Ausschlag über den Zustand der Kommunen.“ Und diese Mitte hat in Schöppingen mit der Kulturhalle „Kraftwerk“ einen weiteren Glanzpunkt erhalten. „Hier wurde das Kunststück geschafft, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu vereinen“, so Werner.

Eröffnung Kulturhalle Schöppingen

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  • Im Beisein zahlreicher Gäste wurde am Samstagabend die Kulturhalle in Schöppingen eröffnet Foto: Susanne Menzel
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  • Im Beisein zahlreicher Gäste wurde am Samstagabend die Kulturhalle in Schöppingen eröffnet Foto: Susanne Menzel
  • Im Beisein zahlreicher Gäste wurde am Samstagabend die Kulturhalle in Schöppingen eröffnet Foto: Susanne Menzel
  • Im Beisein zahlreicher Gäste wurde am Samstagabend die Kulturhalle in Schöppingen eröffnet Foto: Susanne Menzel

In diesen Tenor stimmten auch Landtagsvizepräsidentin Angela Freimuth, Regierungspräsidentin Dorothee Feller sowie Ulrich Bock (Architekturbüro Bock, Neuhaus und Partner) ein, die am Samstagabend zur Einweihung der Halle die Grußworte sprachen.

In modernem Ambiente, durch große Fenster zum Künstlerdorf hin geöffnet, präsentiert sich die „gute Kulturstube“ nach der Renovierung. „Wir haben einige Bilder aufgehängt, die deutlich machen, in welchem Umfang sich die ehemalige Kulturhalle, die Halle Hüntemann – manche haben auch spöttisch von der Schöppinger Kulturgarage gesprochen – zum neuen „Kraftwerk“ verändert hat“, verwies Bürgermeister Franz-Josef Franzbach auf die Umbauphase, „die viel Arbeit, Mühe und Geld gekostet hat. Aber ich bin der Meinung: Es hat sich wirklich gelohnt.“

Olaf Goos, Pfarrer der evangelischen Christusgemeinde, der zusammen mit Pfarrer Thomas Diedershagen von der katholischen Kirche die Einsegnung vornahm, bemühte den Psalm 127: „Den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf.“ Wenn er sich aber anhöre, welche Mühen für den Umbau der Halle aufgewendet worden seien, so Goos, „dann merke ich, das hier ist etwas Anderes. An dieses Gebäude knüpfen sich viele Hoffnungen und große Erwartungen. Ob dieser Ort all das erfüllen kann, können wir nur erbitten. Gott muss seinen Segen dazu geben, dass Realität wird, was wir Menschen uns wünschen.“

Die Rede von Prof. Frank R. Werner - Von der städtebaulichen Kraft der Mitte:

„Bis vor einigen Jahren hat man im Städtebau zur Beschreibung positiver wie negativer Entwicklungen von Städten und Gemeinden sehr einprägsame Metaphern benutzt, nämlich Bilder von aufgeschlagenen Eiern. Sie haben richtig gehört, es ist tatsächlich von Eiern die Rede. So stand das Spiegelei im Städtebau symbolhaft für ein intaktes Gemeinwesen, ganz gleich ob es sich dabei um ein größeres urbanes oder kleineres ländliches Siedlungsgebilde handelte. Im Zentrum das Gelbe vom Ei, soll heißen das intakte, wohl funktionierende Herz, also die Mitte einer Gemeinde oder einer Stadt. Und drum herum das Eiweiß, welches die umliegenden Wohn- und Gewerbegebiete verkörperte. Nicht ins Unendliche ausufernd, sondern die kostbare Mitte reserviert für Sakrales, Kultur, Erziehung, Verwaltung, Dienstleistungen und ähnliches, schützend umlagernd. Soweit das metaphorische Bild von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Zentrum und Peripherie.

Freilich war man sich aber schon damals der Tatsache bewusst, dass dieses Bild vielfach nicht mehr der Realität entsprach. Deshalb beriefen sich die Städtebauer umgehend auf eine zweite Metapher, nämlich die des Rühreis. Damit meinten sie die vielen, längst aus allen Fugen geratenen, konturlosen Gemeinden und Städte. Keine klar erkennbare Mitte mehr. Stattdessen eine gestörte, weitgehend entkräftete Mitte. Und drum herum - um im Bilde zu bleiben - weit ausufernde, in- oder auseinander zerfließende Gemengelagen von Eiweiß und Eigelb. Soll heißen: richtungs- und orientierungslose, ohne klare Grenzen durchmischte Verwaltungs-, Kultur-, Dienstleistungs-, Gewerbe- und Wohnareale. Heute sind derartige städtebauliche Rührei-Strukturen sowohl im ländlichen als auch im städtischen Bereich fast schon zum Regelfall geworden. Spiegeleier-Gemeinden und -Städte findet man hingegen leider immer seltener. Und wenn man sie gefunden hat, dann entpuppen sie sich nicht selten als einseitig touristisch orientierte, städtebauliche Gebilde mit musealem Charakter.

Ungeachtet der einprägsamen Bilder von Spiegel- oder Rühreier-Kommunen dürfte jedoch ein Umstand sowohl für kleinere Gemeinden als auch größere Städte von existentieller Bedeutung sein. Ich meine die unabdingbare Kraft der Mitte. Diese Mitte - wenn sie denn noch leidlich intakt ist - bildet nämlich die einzige Klammer, welche die ausufernden Siedlungsstrukturen an den Rändern zusammenhält. Die Mitte versammelt das Gemeinwesen um zentrale Funktionen herum, als da wären: Kirche. Rathaus, Schulen, Verwaltung, Handel, Dienstleistungen und vieles andere mehr. Die Mitte ist identitätsstiftend, anregend und bedürfnisbefriedigend zugleich.

Die Kraft der Mitte gibt Einheimischen wie Besuchern Aufschluss über den Zustand der jeweiligen Gemeinde. Ist die Mitte porös geworden, oder gar gänzlich abhanden gekommen, sieht es fast immer problematisch aus für das Wir-Gefühl einer Gemeinde. Denn es mangelt an Attraktivität und Ortsbindung. Ist die Mitte jedoch weitgehend intakt und anregend, dann spricht man von einer einprägsamen, weil lebendigen und zukunftsertüchtigten Gemeinde. Einheimische und Fremde kommen gleichermaßen gerne hierher und genießen die Aufenthaltsqualitäten.

Schöppingen hat sich trotz mancher Bausünden aus den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts viel von der Kraft seiner Mitte bewahrt. Auf einer Erhebung thront mittendrin unsere gute alte Kirche. Und gibt es ein schöneres Bild, als das des kristallklaren Wassers der Welle, welches auf wundersame Weise einer Quelle unter dem gotischen Chor der Kirche zu entspringen scheint? Um dieses magische Kirchen-Plateau herum gruppieren sich gemeindliche, kulturelle und schulische Einrichtungen in friedlicher Koexistenz mit Banken, Einzelhandelsgeschäften, Hotels, Gaststätten, Supermärkten und Feinkostläden, Dienstleistern, vor allem aber auch Wohnungen für Alt und Jung. Die Hauptstraße, die bis zum Bau der Umgehungsstraße die Ortsmitte zweigeteilt hat, ist zu einem Raum mit neuen Aufenthaltsqualitäten geworden, in dessen Zentrum das alte Rathaus und der kleine, aber feine Stadtpark steht.

Um diese Mitte herum gruppieren sich ältere bis jüngere Wohnquartiere sowie zu den Rändern hin diverse Gewerbegebiete. Seit geraumer Zeit legt sich Schöppingen in einer gewissen Regemäßigkeit fast jahresringmäßig neue Einfamilienhausgebiete zu. Diese befriedigen die Nachfrage nach erschwinglichem Wohn- und Haueigentum für meist jüngere Familien. Allerdings dürfte die Mitte auf Dauer an integrativer Kraft verlieren, je weiter die Gemeinde ihre Grenzen ins Umland ausdehnt. Ganz zu schweigen von den gravierenden Folgen sukzessiver Versiegelung. In einigen Nachbargemeinden sind die Folgen dieses Prozesses bereits zu beobachten. Würde Schöppingen sich endlos ausdehnen wollen, wäre das wie bei einem Spiegelei, dessen Eidotter irgendwann zerplatzt, ausläuft und in unscharfe Ränder diffundiert. Grenzenlose Ausdehnung kann also nicht das Ziel sein, wenn sich Herz, Mitte und Seele einer Gemeinde nicht verflüchtigen sollen.

Gerhard Matzig (Feuilletonchef der SZ) hat kürzlich geschrieben: „Im Grunde kann man sagen: Der Stadt fehlt schlicht das Landschaftliche - und dem Land fehlt etwas Städtisches.“ Dieses Städtische ist in Schöppingen schon seit geraumer Zeit dabei, Fuß zu fassen. Durch vorsichtige, aber lebensnotwendige bauliche Verdichtung im Zentrum und den Bau eines ersten „Hochhäusles“ am Ortseingang.

Es kann und darf als Glücksfall betrachtet werden, dass Schöppingen im Ortszentrum seit vielen Jahrzehnten eine Institution beherbergt, die explizit um die Kraft der Mitte weiß. Ich spreche vom Künstlerdorf mit seinen produktiven regionalen wie internationalen Verflechtungen. So ist es Josef Spiegel und seinen Mitstreitern/innen im Schulterschluss mit engagierten Verwaltungschefs wie Altbürgermeister Niehoff und Bürgermeister Franzbach immer wieder gelungen, das Thema der urbanen „Mitte“ öffentlichkeitswirksam zu befördern. Zahlreiche Initiativen und netzgestützte Aktionen, die auch weit über Schöppingen hinaus Beachtung gefunden haben, belegen das ganz zweifelsfrei. Absoluter Höhepunkt dieses langjährigen, kollektiven Engagements zur Stärkung der Mitte, ist der Bau, zu dessen Eröffnung wir uns heute hier versammelt haben. Dass damit ein lang gehegter Traum kultureller Verortung Wirklichkeit wurde, das ist dem Künstlerdorf, der Regionale, der Gemeindeverwaltung und anderen öffentlichen Institutionen zu verdanken.

Strahlend wie eine kleine „Stadtkrone“ präsentiert sich uns ab heute das neue „Kraftwerk Künstlerdorf Schöppingen“. Das hybride Bauwerk, welches auf unorthodoxe Weise eine Kultur- und Ausstellungshalle mit einer Art von Fernheizung kombiniert, sieht aus wie ein Neubau. Nun ist es aber nicht so, dass es vor diesem Bau etwa keine Kultur in Schöppingen gegeben hätte. Ganz im Gegenteil: In der alten Gewerbehalle der Firma Hüntemann, die beinahe unsichtbar ja immer noch im Kern dieses Neu- und Umbaus steckt, haben der Kulturring Schöppingen und andere Veranstalter seit vielen Jahren höchst erfolgreich ambitionierte Kulturprogramme verwirklicht und die alte Halle zum Kochen gebracht. Wofür Ihnen an dieser Stelle Dank gebührt.

Den Architekten Bock Neuhaus Partner ist es jedoch zu verdanken, dass ihr Bauprojekt als Ergebnis eines einschlägigen Architekturwettbewerbes das Kunststück zuwege bringt, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in einem kleinen Bauwerk mitten in Schöppingen eindrücklich zu verorten. Die Sprache ihrer Architektur ist modern, angemessen. moderat und ansprechend, schrundig und samtweich, technizistisch und einladend. Kurzum: zeitgenössische Architektur vom Feinsten.

Schöppingen ist keine liebliche Zuckerbäckergemeinde, sondern eher ein etwas spröder Ort. Ein Ort, dessen Qualitäten sich dem Besucher erst auf den zweiten Blick erschließen. Insofern passt das neue Mischnutzungsbauwerk wie das sprichwörtliche I-Tüpfelchen. So wie hoffentlich demnächst auch die Rundumerneuerung des sperrigen, in die Jahre gekommenen Rathauses aus den 70 er Jahren, welche derzeit von Berliner Architekten geplant wird.

Bei der Kulturhalle gibt die von den Auftraggebern explizit so gewollte Kombination einer profanen Heizungsanlage mit einer modernen Kulturhalle durchaus Raum für vielerlei Konnotationen. Ich höre schon die spöttischen Stimmen munkeln: Kulturheizung oder Heizungskultur? Heizungskraftmeierei oder Hard-ware-Kulturaufrüstung? Wird hier der Kultur eingeheizt oder heizt das Kraftwerk der Gemeinde Kultur ein? Kraftwerkskultur für alle, oder elitäre Kulturkraftwerkerei? Und wird das Künstlerdorf als Hauptnutzuniesser denn künftig auch wirklich von der neuen Anlage profitieren?

Fragen über Fragen, um deren Beantwortung ich mir freilich keine Sorgen mache. Denn schneller als geahnt, wird dieses schöne kleine Bauwerk von vielen Akteuren bespielt und damit in Besitz genommen werden. Emotionale Aneignung und Wertschätzung durch sinnstiftende, handfeste Ingebrauchnahme.

Als unmittelbarer Anrainer des Neubaus freue ich mich ganz persönlich auf diesen Prozess. Als ich vor ziemlich genau zwei Jahrzehnten nach über 30 Jahren in Stuttgart und noch einmal über 10 Lebensjahren in Münster in das alte denkmalgeschützte Sandsteinhaus schräg gegenüber dieser neu-alten Halle eingezogen bin, da haben mich alle für verrückt erklärt. Heute muss ich sagen, dass dies die beste Entscheidung meines Lebens gewesen ist. Ich habe in Schöppingen nämlich endlich eine Heimat gefunden, und Heimat verlässt man nicht mehr. Und dass ich jetzt aus dem Fenster meines Studios auch noch tagtäglich auf den Neubau schauen darf, das erfüllt mich mit großer Genugtuung und Freude.

Warum? Weil ich damit stets aufs Neue die ungebrochene städtebauliche und zivilgesellschaftliche Kraft der Mitte spüre. Ganz losgelöst von jeder noch so martialischen Namensgebung wie „Kulturkraftwerk“. Dieser Um- bzw. Neubau benötigt solche Prädikate eigentlich gar nicht. Denn seine wirkliche Kraft liegt abseits der künstlerisch veredelten Hackschnitzelheizung eher unauffällig in der nachhaltigen Stärkung der Mitte. Der Bau tut dies auf ganz lapidare, bescheidene, eher beiläufige, aber durchaus selbstbewusste Weise. Genau das aber macht seine eigentliche Stärke aus. Er stärkt die Mitte, ohne sie zu bevormunden oder gar domestizieren zu wollen. Er setzt Zeichen, die keine Herrschaftszeichen, sondern eher Zeichen eines alltäglichen „dekorierten Schuppens“ sind. Zeichen, die freilich neugierig machen und uns alle zur kollektiven Inbesitznahme des Bauwerks ermuntern.

Das ist architektonische Kultur, Stadtbaukultur vom Besten. Land, Regionale, Künstlerdorf, Schöppingen und die Architekten haben mit der neuen Kulturhalle fast so etwas wie die Quadratur des Kreises zuwege gebracht. Damit meine ich nicht etwa die Versöhnung von Technik und Kultur. Die ist nämlich uralt. Ich meine vielmehr das kleine Kunststück, die Vorfreude auf kommende, unverbrauchte junge Kulturangebote mit der Lust auf eine starke kommunikative und kollektiv erlebbare Mitte zu verbinden. Lang lebe Schöppingen, ein Hoch auf seine klitzekleine, aber feine ländliche „macchina culturale“. Ein Hoch auf deren Schöpfer und Erbauer.“

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