Die Wünsche der Lokalpolitiker
Manchmal ist weniger mehr

Schöppingen -

Anfang Februar beauftragte die Politik die Verwaltung, ein Demografie-Gutachten anzugehen. Am Montag erklärte Bürgermeister Franz-Josef Franzbach im Gemeinderat auf Nachfrage der UWG, dass sich die Verwaltung noch nicht mit dem Thema beschäftigt hat. Die Folge: betretendes Schweigen in Reihen der Ratsmitglieder.

Samstag, 13.10.2018, 07:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 13.10.2018, 07:00 Uhr
Wenn die Ratsmitglieder die Puppen tanzen lassen. Zuweilen haben die Lokalpolitiker gleich zahlreiche Wünsche auf einmal. Doch die Kommune ist dafür personell nicht ausgestattet.
Wenn die Ratsmitglieder die Puppen tanzen lassen. Zuweilen haben die Lokalpolitiker gleich zahlreiche Wünsche auf einmal. Doch die Kommune ist dafür personell nicht ausgestattet. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Wie kann es sein, dass die Verwaltung gut acht Monate lang einen Auftrag des Rates nicht ausführt? Ein Skandal? Auf keinen Fall, vielmehr wohl ein verzweifelter Hilfeschrei an die Politik: Es reicht. Die Belastungsgrenze der Verwaltungsmitarbeiter ist erreicht oder in einigen Bereichen auch überschritten. Das Nichtanpacken des Themas ist ein (vielleicht unbewusster) Weckruf.

Schon häufiger hat Bürgermeister Franz-Josef Franzbach in Ausschuss- und Ratssitzungen auf die Belastung der Mitarbeiter hingewiesen und um Verständnis gebeten, wenn einige zeitunabhängige Dinge länger dauern.

Die Gemeindeprüfungsanstalt Nordrhein-Westfalen hatte schon vor fünf Jahren erklärt, dass die Schöppinger Verwaltung mit einem geringen Personalaufwand effizient arbeitet. Schöppingen hatte 2013 im Land im Vergleich aller 396 Kommunen mit die niedrigsten Personalkosten pro 1000 Einwohner.

Im Rathaus sitzen 21 Mitarbeiter sowie Bürgermeister Franz-Josef Franzbach, sein Allgemeiner Vertreter Franz-Josef Gausling, Kämmerin Maria Fuchs und Bauamtsleiter Rainer Hachmann. Dazu kommen noch sieben Mitarbeiter beim Bauhof, Schwimmmeister Marcus Ubrich sowie Mitarbeiter in den Schulen.

Alles hat seine Grenzen. Nehmen wir – weil er für alle gut sichtbar ist – den Baubereich. Was wurde da nicht alles in den vergangenen Jahren angestoßen oder schon umgesetzt: zum Beispiel Sanierung der Kulturhalle, Rathaussanierung, Baugebiet Am Überweg, Baugebiet Am Berg, Mensa Sekundarschule und Friedhofserweiterung. Dazu kommen noch die vielen alltäglichen Wünsche der Bürger.

Selbstverständlich vergibt die Gemeinde einen Teil der Aufgaben an externe Firmen, doch es bleibt genügend Arbeit für die insgesamt vier Beschäftigten in diesem Bereich.

Das Gleiche gilt für den Bauhof. Sieben Mitarbeiter arbeiten hier für die Bürger. Oft ist in politischen Gremien zu hören: Das kann doch der Bauhof machen. Er soll hier helfen, dort eine Bühne aufbauen oder beim Karnevalsumzug saubermachen. Und selbstverständlich soll der Bauhof jede Ecke Schöppingens blitzeblank halten. Wie soll das bei der mageren personellen Ausstattung funktionieren?

Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder die Erwartungshaltung senken oder das Personal aufstocken, was mit zusätzlichen Kosten verbunden wäre.

Weniger wäre hier manchmal angebracht. Das denkt sich der Außenstehende auch hin und wieder bei den Anfragen an die Verwaltung. Da wird gerne einmal darauf hingewiesen, dass an der Stelle xy ein Ast über der Straße hängt. Das könnte der Bauhof doch mal eben machen. Oder zum Beispiel – und das ganz im Ernst: dass eine ganz bestimmte Straßenlaterne nicht mehr funktioniert.

Da wundert sich der Zuschauer und fragt sich: Könnten die Lokalpolitiker da nicht viel leichter einfach den Telefonhörer in die Hand nehmen und im Rathaus anrufen? Das ginge doch viel schneller. So warten die Politiker zum Teil Wochen bis zur nächsten Sitzung, bevor sie das Problem, das ihnen Bürger vorgetragen haben, an die Verwaltung weitergeben. In vielen Fällen wäre das Problem wahrscheinlich schon längst vor der Sitzung gelöst worden.

 

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